Mit dem DKW F89 Universal auf der Fachwerkstraße

Mit dem DKW F89 Universal auf der Fachwerkstraße Mit dem DKW F89 Universal auf der Fachwerkstraße

Mit dem DKW F89 Universal auf der Fachwerkstraße

— 25.07.2008

Auf dem Holzweg

1951 brachte die Auto Union einen Kombi im Stil der amerikanischen "Woodys" auf den Mark. Der DKW F89 Universal trägt ein Heck aus Holz – und ist damit wie gemacht für die Fachwerkstraße.

Robert Mayerhöfer tanzt. Er hüpft, er wippt, er bewegt seinen Oberkörper nach links und rechts und kann gar nicht wieder aufhören. Als Hinterherfahrender lässt sich das wunderbar beobachten, es geht ja schon seit ein paar Stunden so. Als der Audi-Techniker schließlich aussteigt aus dem DKW Meisterklasse Universal, Typ F89, da muss man ihm nur ins schmal und blass gewordene Gesicht schauen, um zu wissen, wie viel Kraft dieses ewige Wippen und Wiegen kostet, wie anstregend das Auf und Ab in dem 1951 gebauten Fahrzeug ist. "Das liegt an den festen Blattfedern, die sind eigentlich für mehr Last ausgelegt", schnauft der Ingolstädter Oldtimerexperte. Denn der DKW F89 Universal ist nicht einfach nur ein altes Auto. Es ist ein wunderhübscher Lastenesel, gebaut für maximal 400 Kilogramm Zuladung. Die Rücksitze sind getrennt umklappbar und bilden einen ebenen Laderaum. Wohlgemerkt: Baujahr 1951. Die wahre Sensation ist das Heck selbst. Ab den Türen besteht der Aufbau aus Holz, so wie bei den schon in den 20er-Jahren gebauten "Woodys" aus den USA. 4285 Exemplare des Holzkombis verkaufte die Auto Union zwischen 1951 und 1953. Stückpreis: 6350 D-Mark.

Pause in Treffurt: Soljanka mit Toast 3,40 Euro, Radeberger Pils 1,70 Euro

Auf dem Holzweg: Zwischen Schmalkalden in Thüringen und Stolberg im Harz waren wir auf der Fachwerkstraße unterwegs.

Aber zurück zu Robert Mayerhöfer, dem Mann, der mit dem DKW tanzt. Der 48-Jährige bändigt den robusten Zweizylinder-Zweitakter, das unsynchronisierte Getriebe sowie die zickige Zündspule und bewegt den Wagen zwischen Schmalkalden in Thüringen und Stolberg im Harz. Hier verläuft ein Teil der Deutschen Fachwerkstraße. Wir sind also im wahrsten Sinne des Wortes auf dem Holzweg. Acht Stationen liegen auf diesem Teil der Fachwerkstraße. Ein Beispiel für den Reiz der Route zeigt die Kirchstraße in Treffurt (Thüringen), vor allem das Haus mit der Nummer 31. Krumm und schief steht es da, gebeugt von den Jahrhunderten, und dennoch hat es eine altertümliche Würde. Von 1546 bis 1547 wurde das Fachwerkhaus gebaut. Im Erdgeschoss soll es einen Weinausschank gegeben haben. Heute beherbergt das Gebäude mit dem roten Tor, den roten Fensterläden und dem schwarzen Holz eine Gaststätte namens "Spellstom" (auf Hochdeutsch: "gemütliche Stube") und hat angenehm altertümliche Preise: Soljanka mit Toast 3,40 Euro, Hausschlachtplatte 8,60 Euro, das kleine Radeberger Pils 1,70 Euro.

Mit Engelszungen: Der DKW muss zum Durchhalten überredet werden

Immer wieder beugt sich Mayerhöfer unter die geschwungene Motorhaube des DKW und redet ihm gut zu.

Robert hätte sich zu diesem Zeitpunkt eine Rast verdient gehabt, denn er schafft es immer wieder, den DKW zum Durchhalten zu überreden. Nach längerer Fahrt bringt der Motor keine Leistung mehr, vor allem auf Steigungen hält sich ein Teil der ohnehin nur 23 Pferdestärken zurück. Immer wieder müssen wir anhalten, immer wieder beugt sich Mayerhöfer unter die geschwungene Motorhaube des DKW. Gott sei Dank haben wir zu diesem Zeitpunkt schon ganz viel erlebt und gesehen. Die "Automobile Welt Eisenach" zum Beispiel, das Museum auf dem Gelände der ehemaligen Wartburg-Werke. Museumsleiter Klaus-Dieter Fiesinger (59) will nicht nur Blech zeigen, sondern Wirtschafts- und Sozialgeschichte erklären, und das kann er anhand der Unternehmenshistorie stundenlang. Schon 1899 wurde hier der erste Motorwagen produziert. Tolle Einzelstücke gibt es auch. Im Keller steht zum Beispiel ein Wartburg 353 Rallye Duo von 1982. Er wurde von zwei Dreizylinder-Zweitaktmotoren mit je 90 PS angetrieben und schaffte 165 km/h.

Wir waren auch am Mittelpunkt Deutschlands. Vielleicht muss man eher sagen: an einem der Mittelpunkte. "Die haben damals fünf verschiedene Punkte vermessen, das gab ewig Streit", sagt ein Anwohner und guckt ein wenig wehmütig in Richtung der Touristenbusse: "Einen Nachteil hat die Sache ja. Früher konnte ich in meinem Garten FKK machen, das geht jetzt nicht mehr." Und wir haben Adelma Koch (57) kennengelernt, die zusammen mit ihrem Mann in einem antiken Fachwerkbau in Wanfried an der Werra mit historischen Motorrädern handelt. Die Frau weiß wirklich alles über alte Maschinen, dabei ist sie noch nie selbst Motorrad gefahren: "Ich habe mir alles angelesen, damit ich zu Hause mitreden kann", sagt die Dame. Auf ihrem Hof endet unsere Reise: Der DKW macht endgültig schlapp, die Zündspule wird zu heiß. "Schade", sagt Robert Mayerhöfer, als wir den Oldtimer auf den Transporter schieben. Vielleicht ist er insgeheim aber auch ganz froh – dass er endlich nicht mehr tanzen muss.

Der DKW F89 Universal

1951 wurde der DKW Meisterklasse Universal auf der IAA in Frankfurt vorgestellt.

Schon 1939 hatte die Auto Union mit dem Wanderer W23 Farmerwagen einen Kombi im Stil der amerikanischen "Woodys" aus den 20er-Jahren vorgestellt – er war vor allem für den Export gedacht. Nach dem Krieg griffen die Verantwortlichen die Idee wieder auf und stellten 1951 auf der IAA in Frankfurt den DKW Meisterklasse Universal vor. Das Zwitterwesen hat die Vorkriegstechnik des DKW Front F8 von 1939 sowie die Karosserie des geplanten Nachfolgers F9 – und trägt daher die Bezeichnung F89. Technische Daten: Zweizylinder-Zweitaktmotor in Reihe, quer eingebaut • Hubraum 684 cm3 • Leistung 17 kW (23 PS) bei 4200/min • Vorderradantrieb • Dreiganggetriebe mit Motor verblockt, mit Freilauf • Länge/Breite/Höhe 4060/1520/1570 mm • Radstand 2450 mm • Reifen 5,50-16 • Radgröße 3,5D x 16 • Leergewicht 900 kg • Höchstgeschwindigkeit 95 km/h • Verbrauch 9 Liter/100 km • Preis: 6350 D-Mark (1951).

Das ist die Fachwerkstraße

Nimmt man alle Routen zusammen, erstreckt sich die Fachwerkstraße über mehr als 2000 Kilometer und von der Elbe bis zum Bodensee.

Eine einzige Deutsche Fachwerkstraße gibt es im Grunde genommen gar nicht, sondern viele verschiedene: Neun unterschiedliche Regionalrouten gehören zur 1990 ins Leben gerufenen Deutschen Fachwerkstraße, fast in jedem Winkel Deutschlands gibt es eine eigene Strecke. Nimmt man aber alle Routen zusammen, erstreckt sich die Fachwerkstraße über mehr als 2000 Kilometer und von der Elbe bis zum Bodensee. Die Geschäftsstelle der in der ARGE Historische Fachwerkstädte organisierten Fachwerkstraße hilft mit umfangreichem Informationsmaterial weiter, hat auch sehr detaillierte Karten über die einzelnen Regionalstrecken. Unter www.deutsche-fachwerkstrasse.de ist zudem ein kleines Fachwerk-Lexikon zu finden.

Infos und Adressen

Besichtigen Historische Altstadt von Schmalkalden: Der Stadtkern stammt aus dem 15. bis 18. Jahrhundert. Telefon Tourist-Information: 03683-403182. Automobile Welt Eisenach: Im denkmalgeschützten Gebäude O2 von 1935 werden über 100 Jahre Eisenacher Automobilbaugeschichte dokumentiert, Tel. 03691-77212. Baumkronenpfad: Bei Craula, etwas abseits der Fachwerkstraße, führt ein 308 Meter langer Weg durch die Wipfel der Bäume. Nationalpark Hainich, Bei der Marktkirche 9, 99947 Bad Langensalza. Telefon Nationalpark Hainich: 03603-390728. Übernachten An der Stelle eines ehemaligen Klosters von 1170 steht heute das Hotel und Restaurant Auf der Creuzburg: Einzelzimmer 45 Euro, Doppelzimmer 80 Euro. Hauptgerichte im Restaurant zwischen 12,50 und 15 Euro. Treffurt: Gaststätte Spellstom im ältesten Fachwerkgebäude der Stadt, günstiges Essen. Übernachtung: Doppelzimmer 58 Euro, Vierbettzimmer 112 Euro, Tel. 036923-82404.

Strecken entdecken: mit dem Ford Taunus 17 M P3 auf der Bäderstraße

Strecken entdecken: mit dem Mercedes 450 SEL 6.9 auf der Burgenstraße

Autoren: Alex Cohrs, Markus Heimbach

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