Muscle Cars: Vergleichstest

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Muscle Cars: Vergleichstest

— 28.10.2014

Showdown der Muscle Cars

Fünf wilde Klassiker aus der goldenen Ära der Muscle Cars im knallharten Road-and-Track-Check. Wir vergleichen Dodge Charger 440, Ford Torino GT 429, Pontiac GTO, Chevrolet Chevelle SS 350 und Plymouth Road Runner Superbird.

In den 1960er-Jahren erkennt sich Amerika selbst nicht wieder. Schluss mit Cruising in Daddys mintfarbenem Straßenkreuzer. Beinahe zufällig entsteht in den Werkshallen der Automo­bilhersteller etwas Neues, beinahe zu­fällig. In Detroiter Entwicklungsabteilungen basteln junge Ingenieure an ei­nem neuen Fahrzeugkon­zept: Factory Hot Rods, schnörkellose Mittelklasse-Autos, sogenannte "Inter­mediates", ohne Chrom und Luxus, aber mit or­dentlich Leistung ab Werk.  Die Jungs überzeugen ihre Bosse davon, dass viel Wumms für wenig Geld dem Zeit­geist entspricht. Es entstehen die ersten Muscle Cars. Noch et­was unsicher, lässt General Motors 1964 den Pontiac GTO mit 6,3 Liter großem Achtzylinder auf die Straße. Die neuen Autos gefallen den halbstar­ken Benzinköpfen. Sie treffen den Ge­schmack der Jugend. Die gelangt in den Sechzigern zu Wohl­stand und kauft diese neuen Spielzeuge.

Chrysler, Ford und Gene­ral Motors überbieten einander

Wie vergleicht man irrationale und übermotorisierte PS-Schleudern? Auch mit dem Bauch.

©Roman Rätzke

Fast je­der Hersteller nimmt ein eigenes Muscle-Car-Modell ins Programm. Chrysler, Ford und Gene­ral Motors überbieten einander mit psychede­lisch-bunten Werbekam­pagnen, aggressiven Slo­gans und abgedrehten Leistungsangaben zu ihren übermotorisierten Fahr­zeugen. Aus der Cruising Night wird Drag Racing, der Rock’n'Roll hämmert härter als je zuvor. Der Gegenkulturautor William S. Burroughs entwickelt die Bezeich­nung "Heavy Metal" als Metapher für Suchtmittel, die Band Steppenwolf hul­digt dem Rausch der Geschwindig­keit mit ihrem Klas­siker "Born to Be Wild". Wir haben fünf wilde Hunde aus dem goldenen Zeitalter der Muscle Cars zum großen Show­down geladen. Doch wie bewertet man rational völlig irrationale Autos? Ford Torino, Pontiac GTO, Chevy Chevelle, Dodge Charger oder Plymouth Superbird – wer ist der Beste? Hier das Ergebnis ausgiebiger Testfahr­ten und einem tem­peramentvollen Disput über Hubraum, PS, Farben, Sound und Adrenalin.

Plymouth Road Runner Superbird – der Überflieger

Das irrste US-Auto aller Zeiten: Um den NASCAR-Olymp zu erklimmen, bekommt der Plymouth Road Runner Superbird: Nasenprothese und Henkel.

©Roman Rätzke

Nein, der Su­perbird fliegt nicht allen davon, er überflügelt sie. Design und Image des Plymouth Road Runner Superbird sind kaum zu fas­sen, ebenso der heutige Preis. Handling und Alltagstauglich­keit stufen wir als abenteuer­lich ein. Nasenprothese und kapitaler Henkel sind Ausdruck des schrägen Designs, die "Beep-Beep"-Hupe sorgt für eine irre Akustik. Der höchste Neidfaktor kombiniert mit einem lächerlich ge­ringem Nutzwert haben Folgen für die Platzierung: Das NASCAR-Rennauto mit dem XXL-Spoiler landet nur auf Platz 5.

Ford Torino GT – der Vergessene

Der Ford Torino ist vergessenes Muscle Car und schöner Außenseiter zugleich. Dennoch: ein begehrenswertes Auto!

©Roman Rätzke

Der Ford Torino GT ist der Underdog in dieser Formation. Niemand hat ihn auf dem Zet­tel, das hält die Preise niedrig, macht ihn aber nicht weniger begehrenswert. Die fast zwei Tonnen schwere Fuhre mit dem betörend schö­nen SportsRoof ist mit dem 429er-V8-Motor gut versorgt, der komfortable Innenraum mit seinen weißen Kunstledersesseln ist wie geschaffen für romantische Ausflüge. Aber der Torino ist nicht der Urknall, der ein neues PS-Universum erschließt. Daher: Platz 4. 

Dodge Charger 440 – der Bösewicht

Der Dodge Charger: Leinwandfiesling und König der Ampelrenner. Wie wild fühlt sich das Coupé mit dem bärigen 7,2-Liter-Motor heute an?

©Roman Rätzke

Der Dodge Charger ist der Superstar in der Manege unseres Muscle-Car-Zirkus. Er punktet mit seinem Bad-Boy-Image und der harmonischen Karosserieform. Das Fahrwerk unseres Standard-Charger ist mit der drehmomentstarken 440er-Maschine zwar überfordert, bei respektvollem Umgang fühlt man sich aber trotzdem wie ein NASCAR-Pilot. Ein 1968er Charger kann heute mehr als das Zehnfache des Neupreises kosten, die Teileversorgung ist dank der verschworenen Mo­par-Gemeinde prima. Glück­wunsch, Platz 3.

Chevrolet Chevelle SS 350 – der Patriot

Chevrolet Chevelle SS 350: Die Chevelle ist der übellaunige Underdog in diesem Test. Mit frisiertem 6,3-Liter-Motor und Mach-mich-nicht-an-Attitüde.

©Roman Rätzke

Die Chevelle wird hierzulan­de unterschätzt. Die Amis da­gegen lieben ihre Chevys. Die­ses Teil ist was für Patrioten, und wenn auch noch SS 396 draufsteht, salutiert nicht nur der Republikaner. Unser Test­wagen kann sein Potenzial dank sinnvoller Fahrwerk-und Motormodifikationen voll ausschöpfen. Der Chevrolet driftet auch dank problemloser Ersatzteillage auf Platz 2. Diesen ganzen Wahnsinn hätte es wohl nie gegeben ohne den "Gran Turismo Omologato" – wobei wohl kaum ein Ami je­mals wusste, was das bedeutet.

Pontiac GTO – der Brandstifter

Das natürliche Jagdrevier des Pontiac GTO ist die Landstraße, am besten trocken und ohne scharfe Kurven.

©Roman Rätzke

Der Pontiac GTO markiert die Urzün­dung der Muscle Cars: Mit ihm beginnt das Zeitalter der hemmungslosen Übermotorisierung. Der exzessive US-Sportler be­eindruckt mit Power und ausgereiftem Handling. Unser Testwagen bereitet mit dem hand­geschalteten 6,5-Liter-V8, der Dreifach-Vergaser-Batterie und dem fauchenden Sound den größten Spaß. Daher ganz klar: Platz 1 für den Pontiac GTO!

Großer Vergleichstest Muscle Cars

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Autor:

Lukas Hambrecht

Fazit

Es ist schon etwas Besonderes, mit fünf glorreichen Muscle Cars über norddeutsche Landstraßen und Flugplätze zu brettern. An diesem Tag ist das Straßenbild ein bisschen bunter, lauter und auch wilder. Wir fragen uns plötzlich, was in den letzten Jahrzehn­ten schiefgelaufen ist? Wieso sehen alle Autos gleich aus, wieso sind sie alle silber oder schwarz, oft mit schlecht gelaunten Menschen darin? Und warum hört man die Autos kaum? Wir fühlen uns wie in H. G. Wells' Zeitmaschine und versuchen zu ver­stehen, warum die Jahre 1968 bis 1970 auf­regender waren. Unsere Vermutungen und Erklärungen haben Sie gerade gelesen, und mit etwas Glück werden die Straßen viel­leicht ja bald wieder etwas bunter und wil­der. Wir sind auf jeden Fall dabei.

Autoren: Lukas Hambrecht, Helge Thomsen

Fotos: Roman Rätzke, Roman Rätzke

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