Mythos Opel

Mythos Opel

— 28.02.2009

Wir sind Opel

Opel hat die treuesten Fans aller Autobauer. Von der Kste bern Pott bis in die Alpen ist die Strahlkraft der Marke mit dem Blitz ungebrochen. AUTO BILD KLASSIK zu Besuch bei berzeugungsfahrern.

Opel geht es richtig gut. Es kommt nur auf die Whrung an, in der wir rechnen. Was zhlt in Krisen mehr als Menschen, die hinter einer Marke stehen? Die Zeit und Liebe investieren, an eine rosige Zukunft glauben? Die im Internet Rettungsaktionen starten, damit der Blitz seine Leuchtkraft nicht verliert? Mit 1001 Grnden und 1001 Bildern fast wie im Mrchen. Wen das nicht rhrt, der besitzt kein Herz. Anders als die Marke Opel und ihre treuen Fans, die wir Ihnen hier vorstellen wollen. Opelaner wie Eckhart Bartels, der seinem Opel Kapitn seit 1969 die Treue hlt und 1972 die Alt-Opel-IG gegrndet hat. Oder Gunnar Ehmsen, der 1985 einen Manta B neu kaufte und seitdem fast 50.000 Euro investiert hat der Manta ist nach Vorbild einer Irmscher-Serie von 1983 umgebaut. Nicole Seemann zhlt zu den Extrem-Sammlern und begehrt alles, was Opel in seiner 147-jhrigen Firmengeschichte jemals produziert hat. Auch bei Christoph Nehnes stand das Leben ganz im Zeichen des Blitzes: die gesamte Familie fhrt Opel, Nehnes hat bei Opel gelernt und ist heute Opel-Hndler. Josef Micke, Sohn eines Opel-Hndlers, ist Deutschlands Opel-Restaurator Nummer eins, seine restaurierten Exemplare wirken wie frisch vom Flieband.

Daniela Loof und ihr Opel Rekord C: "Er sollte nicht zum Schrott"

Daniela Loop liebt ihren 69er Rekord C. Sie fährt ihn im Alltag, Patina stört sie nicht. Im Gegenteil: Sie mag den Ratten-Style.

Wieder einer, der sich nach ihr den Kopf verdreht. Und noch einer. Daniela knnte, wenn sie wollte, Mnner statt Schafe zum Einschlafen zhlen. Ermdende Angelegenheit, wenn wie heute jeder Zweite hinter der Wasserstoffblonden herstarrt. Jungs, liegt das wirklich nur am coolen Wagen? Daniela Loof gleitet mit ihrem zweitrigen Rekord C, Baujahr 1969, nach Essen-Rttenscheid, wo sie mit einem Freund zusammen die Rock-n-Roll-Kneipe Soul HELLCAFE betreibt. Die Fotodesign-Studentin, die 13 Jahre jnger ist als ihre automobile Liebe, fhrt flssig, harmonisch, immer auf Lcke. Warum ein alter Opel? "Mein bester Kumpel Norman hat mich angefixt. Seitdem habe ich diese Auto-Macke." Norman gehrt zu den Motoravern in Hamburg, einer Truppe, die sich als Albtraum aller Chrompolierer und TV-Prfer gefllt.

In diese Kategorie passt auch Danielas Rekord. Mit mattschwarzer Motorhaube und gleichfarbigem Abschlussblech inklusive Totenkopf-Sticker als Stei-Tattoo. "Eigentlich wollte ich den Wagen pink lackieren, aber da hat sich mein Kumpel gewehrt." Derselbe, bei dem sie den Wagen 2006 in der Werkstatt entdeckte, spter kaufte. "Als er den Rekord schweite, hatte er keinen Bock mehr und wollte ihn auf den Schrottplatz bringen." Er tat es nicht, aus Ehrgeiz und vielleicht auch Daniela zuliebe. Seitdem besucht der 90-PS-Opel regelmig Schrottpltze zur Organ-OP. Obwohl Danielas Lebensgefhrte, ein Jurist und Golf-Fahrer, ihren Oldtimer-Spleen null versteht, begleitete er seine Freundin. Und leistete Schtzenhilfe: "Es gab Szenen, da hielt er meine Handtasche, und ich habe Ersatzteile ausgebaut." Selbst ist die Frau, auch beim kultigen Krftemessen, dem Pott-Race, einer, nun ja, sportlichen Orientierungsfahrt. "Meine Freundin und ich waren die Burn-out-Bunnys". Hbsche Hschen in Jeans und Karo-Hemd, die mit den Jungs Wettlaufen spielten. "Am Ende landeten wir auf dem zweiten Platz." So schnell konnten die Jungs gar nicht gucken.

Der Ascona B von Tim Duensing

"Schne Gre an Claas, der gerade in Sdafrika ist." Tim zieht sein Tabakpckchen aus der Jackentasche, dreht sich fingerschnell eine "American Spirit", lssig steckt er die Kippe hinters Ohr. Claas, wer? Was fr ein merkwrdiger Auftaktsatz, den er da in den Block diktiert. In einem Gesprch zum Thema Opel. Tims Opel. Aber eben auch der von Claas. "Wir teilen uns den Ascona." Ein privates Carsharing-Projekt, das cool statt einfach nur ko ist. "Mein Vater hat immer gesagt, Opel fahren sei spieig." Aber nicht, wenn sein Sohn hinterm Steuer sitzt. Der 33-Jhrige ist an den Augenbrauen gepierct, am Arm trgt der Online-Redakteur eine hippe Casio-Uhr. In Modekreisen feiert die gerade ein Comeback, so wie die Marke Opel in angesagten Hamburger Stadtteilen.

Junge Liebe: Seit 2006 fährt Tim den silberblauen Ascona B mit Zweiliter-Motor und Automatik

"Ich wollte ein Auto mit Gesicht", erzhlt Tim, "mindestens ein Youngtimer sollte es sein." Patrick, ein guter Kumpel von ihm und B-Kadett-Fahrer, vermittelte Jrgen als Kontakt, einen totalen Bastel-Freak mit mehreren Ascona auf dem Hof. "Im letzten Moment wollte der einen Rckzieher machen und den Wagen selbst behalten." Tim wirft den Motor an, ein satt klingender Zweiliter legt los statt des auf dem Heck angekndigten sanften 1,6-Liter-Aggregats (60 PS). Sein rechter Fu spielt mit dem Gaspedal, als sei es das Basspedal einer Orgel. Melodisch rhren 100 PS, bevor sie im Schritttempo ber die Schwelle der Tiefgarage schreiten. Tim schwrmt: Das Fahrverhalten ist genial, sehr sexy, das ist wie ... das bse F-Wort. Schnitt. Dass der 29-jhrige Ascona, sagen wir mal, geil um die Kurven geht, liegt auch am Sportfahrwerk. "Nur schwierig, wenn es nass ist." Was in Hamburg hufiger vorkommt als in Sdafrika. In diesem Sinne: Schne Gre auch an Claas.

Weitere Liebeserklrungen an Opel lesen Sie in AUTO BILD KLASSIK 1/2009. Ab sofort im Handel.

Autoren: Daniela Pemller, Margret Hucko

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