NSU Ro 80 — 15.03.2011
Wünsch Dir was
NSU wünschte sich große Wankel-Geschäfte, viele aus der Ro-80-Gemeinde waren bescheidener: Sie wollten nur einen haltbaren Motor. Denn die Eile des Werks machte Ro-80-Kunden zu Versuchsfahrern.
| Klassiker für Mutige | ||
|---|---|---|
| Alfa Romeo Montreal | Citroën SM | Jaguar XJ12 |
| Lancia Delta Integrale | Matra-Simca Bagheera | Mercedes Benz 300 SE |
Auto des Jahres 1967
Autos im Abseits fuhren: die größten Verkaufsflops
Eine weitere Fehlerquelle sind die NSU-Werkstätten, die mit der revolutionär-rotierenden Technik überfordert sind. Ein paar Jahre zuvor haben viele von ihnen noch an Prima-Rollern und Quickly-Mopeds geschraubt. Kommt jetzt ein Kunde und meldet größere Schwierigkeiten, dann bauen sie den Motor aus und schicken ihn ins Werk zurück. So wollen die NSU-Ingenieure den möglichen Schwächen schneller auf die Spur kommen. Und stellen dann fest, dass über die Hälfte aller Motoren in Ordnung sind und das Werk nach einigen Einstellarbeiten wieder verlassen können. Viele Ro-80-Fahrer finden das damals gar nicht lustig. Eine weitere Störquelle heißt: Zündung. Sie ist kompliziert einzustellen und verschleißanfällig. Deshalb montiert NSU ab Herbst 1969 statt der herkömmlichen Spulenzündung mit ihren hochbelasteten Unterbrecher-Kontakten eine Hochspannungs-Kondensator-Zündung, die sich leichter einstellen lässt und deren Kontakte viel länger leben. Kenner wie Klub-Experte Christian von Klösterlein wissen: Bis auf den anfänglich zickigen Motor waren die Ro 80 erstaunlich ausgereift. Halbautomatik, Servolenkung, Achswellen – alles haltbarer, als es die deutschen Stammtische wahrhaben wollten.
Seiner Zeit voraus
Doch Zweifel stecken bis heute in den Köpfen. Auch Jan Schulte, der Eigner des coronagelben Foto-Ro, weiß das Lied zu singen: "Ro 80 seien kapriziöse Zicken, warnten mich angebliche Kenner." Irgendwann siegte seine Begeisterung, er kaufte den unrestaurierten Ro 80 von einem Mitglied des Klubs. Das Auto des Jahres 1967 zeigt heute noch, wie weit der Ro 80 seiner Zeit voraus war. Auf den Schlüsseldreh surrt der Motor los, die Halbautomatik startet ruckfrei, das Dreiganggetriebe lässt sich butterweich und präzise schalten. Bei guter Einstellung trennt der Kupplungskontakt im Schalthebel – der selige Saxomat aus den 50ern lässt grüßen – den Kraftfluss, ohne zu ruckeln. Schon im Stadtverkehr passt der dritte Gang, 1600 Touren meldet der Drehzahlmesser, geduldig und elastisch rotieren die beiden Scheiben in ihren Gehäusen. Doch schon der rekordverdächtige Radstand von 2,86 Metern – die großen BMW 2500/2800 hatten 17 Zentimeter weniger – zeigt, dass Ro 80 für Langstrecken gebaut sind. Zum Reisen, zum Cruisen. Und für ein langes Leben. Denn die Quote der Überlebenden ist hoch: Von 37.402 gebauten Ro 80 sind weltweit immer noch rund 3000 Exemplare unterwegs.Historie
Als NSU den Wankelmotor serienreif hatte, musste ein Trägerfahrzeug her. Das sollte den potenziellen Lizenznehmern demonstrieren, dass sich der Kreiskolbenantrieb auch für große Fahrzeuge eignet. Der Auftrag an die Konstrukteure lautete: Baut einen Typ 80. Die magische "8", die der Kontur der Trochoide (das ist die Gehäuseform, in der sich der Läufer dreht) ähnelt, sollte für einen Verbrauch von acht Litern, ein Gewicht von 800 Kilogramm und den Preis von 8000 Mark stehen. Keine dieser Vorgaben konnte der Ro 80 je einhalten. Er verbraucht um die 15 Liter Normalbenzin, wiegt leer ab 1250 Kilogramm und kostet 1967 stolze 14.150 Mark. "Er wuchs uns einfach zwischen den Händen heraus", zitiert Autor Dieter Korp die Ro-80-Entwickler in seinem Buch "Protokoll einer Erfindung". Sein Debüt gibt der Zweiläufermotor 1965 auf der Frankfurter IAA. Der erste Ro-80-Prototyp wird im Frühjahr 1966 fertig. Von 1967 bis zum Produktionsende 1977 laufen 37.402 Wagen vom Band. Wankelmotor-Lizenzen wurden weltweit vergeben. Heute hält nur noch Mazda zum Wankelmotor.Technische Daten
NSU Ro 80, Baujahr 1972: Zweikammer-Kreiskolbenmotor • 1 Doppelfallstrom-Vergaser mit Startautomatik • Hubraum: Kammerinhalt 497,5 ccm • Leistung 85 kW (115 PS) bei 5500/min • max. Drehmoment 160 Nm bei 4000/min • Dreigangschaltgetriebe mit automatisch betätigter Trockenkupplung und hydraulischem Drehmomentwandler • Vorderradantrieb • Einzelradaufhängung, vorn an McPherson-Federbeinen, hinten Schräglenker und Schraubenfedern • Reifen 175 HR 14 • Radstand 2860 mm • Länge/Breite/Höhe 4780/1760/1410 mm • Verbrauch 10 bis 18 Liter Normalbenzin • Spitze 180 km/h • Neupreis 1972: 17.590 Mark.Plus/Minus
Der Ro 80 ist ein hervorragender Reisewagen – auch heute noch. Der lange Radstand sorgt in Verbindung mit dem Vorderradantrieb für stabilen Geradeauslauf und viel Platz im Innenraum. Der Zweikammer-Motor kann es von der Laufruhe her mit Zwölfzylindern aufnehmen. Bedauerlicherweise sind die Wankelmotoren konstruktionsbedingt durstiger als vergleichbare Hubkolben-Aggregate. Doch größter Schwachpunkt ist das Blech: Hat sich erst mal der Rost eingenistet, wird guter (Reparatur-)Rat richtig teuer. Die gesamte Mechanik hingegen ist haltbar. Die Wankelmotoren sind heute allesamt auf den neusten Stand gebracht, schaffen locker die 200.000-km-Marke. Sie sollten aber vorsichtig warmgefahren werden und lieben die Langstrecke.| Raparaturkosten (Quelle: www.ro80club.de) | |
|---|---|
| Ölwechsel* | Filter 8,50 Euro |
| Bremsen, rundum** | 800 Euro |
| Zylinderkopf überholen | entfällt |
| Auspuff erneuern ab Krümmer | 2000 Euro |
| 4x Stoßdämpfer erneuern | 780 Euro |
| AT-Lichtmaschine | 240 Euro |
| Austauschmotor | circa 2500 Euro |
| AT-Wasserpumpe | 180 Euro |
| Kotflügel vorn und hinten | je 300 Euro |
| Türdichtung | 75 Euro |
| * Frischöl-Schmierung, nur Nachfüllen erforderlich (circa 1,0 bis 1,5 Liter auf 1000 km) | |
| ** Scheiben und Beläge, keine Sättel | |
Marktlage
Klub-Aktivist und Wankel-Experte Christian von Klösterlein beschreibt die Marktlage als "entspannt". Denn die wirklichen Fans haben bereits einen Ro 80, Sympathisanten trauen sich oft nicht, einen zu kaufen – das landläufige Image vom Katastrophenauto wirkt nach und hält damit die Preise am Boden. Marktbeobachter Classic Data notiert Spitzenexemplare mit etwa 18.000 Euro, wobei solche Stücke nur sehr selten den Besitzer wechseln. Ein Rotarier im Zustand 2 kostet rund 10.000 Euro und ist schon öfter zu finden, und ein mittelprächtiges Stück mit Karosseriemängeln sollte nicht teurer als 6000 Euro sein.Empfehlung
Teuer und gut kaufen ist meist besser als billig kaufen und viel restaurieren. Es sei denn, man kann vieles selbst machen. Die Technik ist das geringere Problem, teuer werden Blecharbeiten. Nachdem lange Zeit die späten Ro-80-Jahrgänge gesucht waren, erfreuen sich neuerdings die frühen Baujahre größerer Beliebtheit – vor allem dann, wenn sie sich noch im Originalzustand befinden. Wer unsicher ist: Die Klub-Experten sind sehr hilfsbereit.Anzeige








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