Oldtimer-Auktion

Oldtimer-Auktion

— 22.10.2010

Oldtimer im Sonderangebot

AUTO BILD-Archiv-Artikel 48/1986: Heinrich Häger im Pech: Der Auktionator bietet rare und alte Edelkarossen wie Porsche Speedster oder Jaguar XK 150 S Roadster zum Schnäppchenpreis, doch niemand will sie haben.

Auktionator Heinrich Häger, auch Henry genannt, ein sportlich eleganter Endvierziger, zupft nervös an seiner gepunkteten Fliege. "Ich kann nichts tun, wenn Sie nicht bieten." Doch das Publikum bleibt eisern stumm. Lässt sich noch nicht mal vom Ford T-Roadster, Baujahr 1923, technisch und optisch in gutem Zustand, verführen. Für 23.500 D-Mark im Katalog angeboten, bleibt der Oldie bei Henrys Automobilauktion im pfälzischen Mutterstadt wie so vieles auf der Strecke. Henry stöhnt leise: "Was haben wir bloß für Leute zur Auktion geladen?" Das Publikum ist gemischt. Fast 300 Menschen drängen sich im halbdunklen Saal.

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Viel Hochhackiges, Gold- und Cartier-Geschmücktes sitzt mit Rolex-bewehrtem Freund im Publikum. Ein paar Herren mit Diplomatenkoffer, Autohändler in Jeans und Cowboystiefeln, aber auch einige Großväter mit ihren Enkelkindern. Es ist ein sonniger Samstagnachmittag, und es gibt was zu sehen. 150 Automobile, vom Rolls-Royce Corniche bis zum Renault Caravelle, sollen unter den Hammer kommen. Darunter jede Menge Raritäten: Ein Porsche Speedster Baujahr 1956, Ausrufpreis 38.000 D-Mark. Der Jaguar XK 150 S Roadster Baujahr 1960) für 50.000 D-Mark, ein 54 Jahre alter MG J2 für 35.000 D-Mark. Oder ein Mercedes 300 S Cabriolet Baujahr 1953 für 95.000 D-Mark.

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Die Auktion verläuft schleppend, und das, obwohl die angesetzten Summen gemeinhin als "günstig" bewertet werden. Auktionator Häger: "Durch den tiefen Dollarkurs sind die Preise gepurzelt." Selbst Wertvollstes erreicht nicht die Hälfte des bisherigen Liebhaberpreises. Das Mercedes-Benz 300 S Cabrio wird deshalb, eh Schlimmeres passiert, vorbeugend von seinem ehemaligen Besitzer für 100.000 Mark zurückgekauft. Ganz offensichtlich: die Mehrheit sucht automobile Unterhaltung und keinen Oldtimer. Zehn Prozent plus Mehrwertsteuer beträgt die Gewinnspanne für Henry, der an diesem Samstagnachmittag trotz magerer Geschäfte nicht daran denkt, aus dem Auto-Auktionsgeschäft wieder auszusteigen.

Obwohl exklusive Sportler diesmal für weniger als 50 Prozent des Liebhaberpreises unter den Hammer kamen und die "echten Oldtimer" wie der 57 Jahre alte Ford A, ein Chevrolet AC oder ein Peugeot 301 auch nach zweieinhalbstündiger Auktion bei den Autohändlern nicht landen konnten. Der Auktionator, der sonst mit Teppichen, Schmuck oder Antiquitäten seine Geschäfte macht, sieht seine Auto-Chancen jetzt jenseits der Grenzen liegen: "Wir müssen einfach mehr Liebhaber aus dem Ausland anziehen, dann wird unsere Oldtimer-Auktion langfristig ein großer Erfolg."

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