Oldtimer-Import

Ein Schnäppchen aus Italien Ein Schnäppchen aus Italien

Oldtimer-Import

— 13.12.2002

Ein Schnäppchen aus Italien

Mit Brief und Siegel. Oder: Wie ein rares Fiat 124 Sport Coupé seinen Weg aus Italien nach Deutschland fand.

Schade: Kaum einer kennt das hübsche Fiat 124 Sport Coupé. Im Schatten des Fiat Spider wurde das Gros der 2+2-Sitzer runtergeritten und entsorgt. Mein Vater besaß bis 1998 so einen seltenen Zweitürer. Noch Fragen? Beim Surfen im Netz entdecke ich ein Fiat 124 Sport Coupé Baujahr 1973. Angeblich nur 37.000 Kilometer auf dem Zähler, ungeschweißt, aus Rentnerhand mit Originallack für 1800 Euro. Einziger Nachteil: Der Fiat steht bei Genua. Per Mail lasse ich mir 20 Fotos schicken. Das Coupé sieht ordentlich aus. Interieur tipptopp. Zum Jux handel ich noch mal 300 Euro runter. Völlig überraschend willigt der Anbieter, Carlo-Alberto Biggini, sofort ein.

Nacht-und Nebel-Aktion

Fit im Kern, trotz überwiegender Standzeit: das herrliche Doppelnockenwellen-Aggregat mit 110 PS.

Jetzt komme ich aus der Sache nicht mehr raus. In einer Nacht-und-Nebel-Aktion packen Schwiegervater und ich das rote Kennzeichen in den Alfa 147 und donnern Richtung Italien. Treffpunkt ist die Autobahn-Mautstelle Ovada an der A 26. Ein bischen mulmig ist uns schon: Wenn Biggini nach Mafia aussieht, geben wir Fersengeld. Doch Carlo-Alberto Biggini macht einen netten Eindruck. Er verkauft das Auto im Auftrag eines Ehepaars und führt uns 35 Kilometer durch die Weinberge zu einem Natursteinhaus. Und da steht es, mein Fiat 124 Sport Coupé – in Beamten-Beige, aber wirklich rostfrei, so wie auf den Fotos. Unglaublich.

Pasta, Pute, Probefahrt

Doch bevor es auf Probefahrt geht, bitten uns die Besitzer Elisabet (65) und Giuseppe Raffo (73) zum Milchkaffee. Dabei erzählen sie, dass ihr 124 Sport stets in der Garage parkte. Aus Angst vor Rost und Räubern. Jetzt darf ich ans Steuer. Sprotzend und stotternd springt der Doppelnockenwellen-Vierzylinder an. Einmal auf Betriebstemperatur, röhrt er zufrieden vor sich hin. Die Gänge im Fünfgang-Sportgetriebe lassen sich butterweich einlegen. "Ich kaufe den Fiat", flüstere ich Signor Raffo zu.

Leichter gesagt als getan. Denn: Für die Unterschrift unter den Kaufvertrag sollen wir den Notar aufsuchen. Damit alles seine Ordnung hat. Danach macht Italien Pause. Mittagszeit. Carlo-Alberto, Elisabet und Giuseppe laden uns zu Pasta, Pute und Pudding ein. Beim Grappa kommt Familie Raffo auf eine glorreiche Idee: "Der Fiat muss noch zum TÜV. Sicher ist sicher." Der Prüfer findet außer dem Loch im Auspuff keine Mängel. Uff!

Wir erhalten den Segen für die Rückfahrt. Los dürfen wir deshalb noch lange nicht. 17 Uhr: Kaffee-Zeit. Also wieder alle in den Fiat und ab Richtung Steinhaus. Beim Espresso darf ich endlich meine 1500 Euro überreichen. Dafür erhalte ich den Original-Brief aus 73, zwei Zündschlüssel und zehn Flaschen Mineralwasser "Nein, nicht für den Kühler, für euch." Wir verabschieden uns als Freunde.

Was zu beachten ist ...

Einfuhr eines Oldies Keine Angst, einen Oldie zu importieren ist nicht schwer. Innerhalb EU gibt es keine Zölle, und die Steuer interessiert sich für Youngtimer nicht. Für die deutsche Zulassung benötigt man jedoch einige Dokumente: • Unbedenklichkeitsbescheinigung des Kraftfahrtbundesamtes (KBA). Achtung, diese ist immer nur einen Monat gültig • Datenblatt des Fahrzeugs (gibt es beim TÜV). • Prüfbescheinigung der Vollabnahme durch den TÜV • Prüfbescheinigung der Abgasuntersuchung • Eigentumsnachweis (Kaufvertrag, Rechnung etc.) • Bei Fahrzeugimport aus Italien zusätzlich eine Bescheinigung über das Baujahr des Fahrzeugs (stellen die Hersteller aus) • Die üblichen Papiere wie Personalausweis und Versicherungsdoppelkarte • Soweit vorhanden: Fahrzeugpapiere nicht vergessen.

Autos mit roter 06er-Nummer holen Den Oldie mit roter 06er-Nummer importieren? Problemlos ist das nicht. Die 06er-Nummer ist ein Händler-Kennzeichen. Wer sich eins auf Umwegen organisiert, muss bedenken: Es gilt nur in Deutschland. Italienische und österreichische Polizisten schauen mit Glück freundlich weg, wenn sie die rote Überführungs-06 am Auto erwischen. Anders zum Beispiel Belgien oder Frankreich: Hier droht Fahrzeug-Entzug. Da ist es sicherer und preiswerter, den Oldie auf dem Hänger zu holen.

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