Oldtimer-Museum von Karl-Heinz Rehkopf

Oldtimer-Museum im Kornhaus von Einbeck Oldtimer-Museum im Kornhaus von Einbeck Oldtimer-Museum im Kornhaus von Einbeck

Oldtimer-Museum von Karl-Heinz Rehkopf

— 13.10.2014

Der Oldtimer-König von Einbeck

Jahrzehntelang hielt der Einbecker Unternehmer Karl-Heinz Rehkopf seine riesige Fahrzeugsammlung geheim. Jetzt erlaubt er den Einblick in seine faszinierende Welt der Mobilität – im Kornhaus von Einbeck.

Technik-Freak Rehkopf könnte zu jedem Exponat stundenlang erzählen. Hier begeistert er sich für die Achsschenkellenkung des Neracar aus den 20ern.

In 40 Jahren baute sich der Einbecker Unternehmer Karl-Heinz Rehkopf ein Imperium mit Auslegware auf. Neben dem Handel, der seit dem Start 1972 quasi aus dem Nichts heute dreistellige Millionenumsätze erwirtschaftet, sammelte der mittlerweile 77-Jährige endlos viele alte Fahrzeuge – und hielt sie jahrzehntelang unter Verschluss. Eigentlich wollte Rehkopf die rund 1200 Motorräder und mehrere Dutzend Autos erst nach seinem Tod öffentlich zeigen lassen. Irgendwann begann jedoch der Sinneswandel: Warum nicht der Allgemeinheit einen Teil des eigenen Erfolgs zurückgeben? Gedacht, getan. Rehkopf gründet eine Stiftung, kauft 2009 das Kornhaus in Einbeck und lässt es für 25 Millionen Euro zum modernen Museum ausbauen. Dann schenkt er den PS.Speicher der beschaulichen 16.000-Einwohner-Gemeinde im südlichen Niedersachsen, die vor allem für ihr süffiges Bockbier bekannt ist, und schafft so eine neue Attraktion.

Alfa-Seltenheiten beim 42. OGP

8c 2900B Superleggera Motor vom 1900 Sport Spider 1900 Sport Spider

Ein Oldtimermuseum für Einbeck

Das Dreirad Goliath Pionier wurde ab 1932 in Bremen gebaut.

60.000 Besucher erwartet der PS.Speicher pro Jahr. Nebenan soll ein Hotel entstehen. In einem Seitentrakt wird in Kürze die Kleinwagensammlung des vor Jahren geschlossenen Museums Störy eine neue Heimat finden. Auch die Kooperation mit einer Berufsschule ist beschlossene Sache; an Werkbänken sollen junge Leute lernen, wie Technik funktioniert. Eine Fülle an Anschauungsmaterial bietet die von der Zwickauer Agentur ö_Konzept entworfene "Erlebnisausstellung". Auf den Planken der historischen Lagerböden stellt sie die Fahrzeuge aus Rehkopfs Sammlung in einen historischen Kontext und erklärt in acht Sälen und an 80 Mitmach-Stationen, wie Deutschland seit dem 19. Jahrhundert ins Rollen kam. Dass die landwirtschaftliche Vorgeschichte des Backsteinbaus von 1899 zur Keimzelle von Rehkopfs Unternehmen passt, ist Zufall.

Mobile als Ausgleich zum Berufsleben

Ob Lanz-Traktor oder Lloyd-Kombi: Rehkopf hat für alle Mobile ein Herz.

Als 36-Jähriger beginnt Rehkopf, mit einer Handvoll Mitarbeiter auf einem Gutshof bei Göttingen Bodenbeläge zuzuschneiden. Die "Teppich Domäne Harste" wächst im Lauf von drei Jahrzehnten zur heutigen Tedox KG, einem Konzern, der bundesweit 90 Filialen und 2400 Mitarbeiter zählt. Ausgleich zum aufreibenden Berufsalltag findet der Chef in seinem Hobby, alten Autos und Motorrädern. Womit 1954 alles anfing, weiß er noch genau und schwingt sich in den Sattel einer Victoria V99: "Meine erste Maschine!" Später kamen größere Motorräder. Vor allem die Marke Triumph hat es dem jungen Kaufmann angetan. Seine 250er Cornet tauscht Rehkopf Ende der 50er gegen sein erstes Auto, einen klapprigen Opel Olympia. "Der bremste nur auf einer Achse. Aber um über den Großglockner zu fahren, reichte das", lacht er. Der Benz Victoria wäre den Berg vermutlich gar nicht hochgekommen. Die Motorkutsche von 1894 ist das wertvollste Stück der Ausstellung. Rehkopf kaufte sie vor ein paar Jahren als Gebrauchtwagen aus erster Hand. Nähseidenfabrikant Gütermann hatte den Benz für 4075 Mark einst neu erstanden, zusätzlich aber noch eine motorlose Variante geordert, vor die er Pferde spannen konnte, da er der modernen Technik nicht traute.

Regional verwurzelt und voller Ideen

Schon 1952 kauft Karl-Heinz Rehkopf sein erstes Motorrad, eine Victoria, mit der seine Sammlung beginnt.

Die funktionierte jedoch besser als gedacht. So gut, dass sich Gütermann junior 1897 das erste Knöllchen der Geschichte einhandelte. Mit drei Mark wurde der jugendliche Raser von der Polizei in Denzlingen "in Haft genommen", weil er an der Gastwirtschaft vorbeirauschte, dass drinnen die Gardinen flatterten – eine reife Leistung bei 26 km/h Spitze. Der Strafzettel liegt heute in Rehkopfs Archiv. Die meisten seiner Oldtimer kaufte der Sammler am Telefon – die Kleinanzeigen durchforstete er manchmal sogar heimlich während einer Sitzung in der Firma. Reingefallen sei er selten. "Mit Menschenkenntnis und geschickten Fragen bekommt man schnell heraus, ob irgendwo ein Haken ist", sagt Rehkopf und hält inne vor dem Neracar, einem Motorrad-Auto-Zwitter aus den 20ern: "Unglaublich, was für tolle Ideen entstehen, wenn man Konstrukteure machen lässt."

PS.Speicher gibt Einbeck neue Impulse

Das 1899 erbaute Einbecker Kornhaus diente früher als Getreidespeicher. Jetzt gibt's hier historische Fahrzeuge zu besichtigen.

Unglaublich auch, was ein einzelner Mann alles bewegen kann. Das Projekt PS.Speicher hat einen Ruck durch Einbeck gehen lassen. Die Fachwerkstadt scheint regelrecht neu zu erwachen – auch weil Rehkopf nicht bloß ein Museum baute, sondern auch im Kleinen zahlreiche Impulse gab. Mit der Bürgerinitiative "Schlaufenster" rief er zum Beispiel ein Projekt ins Leben, das dem sterbenden Zentrum mit seinen leer stehenden Läden wieder auf die Beine helfen will, und motivierte viele zum Mitmachen. Rehkopfs regionale Verwurzelung wird auch im PS.Speicher immer wieder sichtbar. In der 70er-Jahre-Abteilung funkelt eine Van-Veen-Maschine, die im nahen Duderstadt gebaut wurde. Auch die Einbecker Motorradmarke Heidemann ist vertreten. Und ein Modell des Schlörwagens von 1938 erinnert an die Kindertage der Aerodynamik. Rehkopf will das "Göttinger Ei" jetzt in Originalgröße nachbauen lassen, Chassis und Motor vom Mercedes 170 H besitzt er schon. Wäre jetzt nicht Zeit, die Hände in den Schoß zu legen und mit Stolz auf das Erreichte zu blicken? "Nein", sagt der vitale 77-Jährige entschlossen. "Dafür habe ich im Alter ja noch Zeit genug."

Der Oldtimer-König von Einbeck

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Autor: Martin G. Puthz

Fotos: K.-U. Knoth

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