Wunschkennzeichen

Oldtimer-Nummernschild

— 04.08.2011

Der Kult ums Nummernschild

Die Fakten: Drei Viertel aller Oldies haben Wunschnummern. Zeichen wahrer Individualität oder schnöde Eitelkeit? Ansichtssache: Zwei Redakteure kommentieren unten ungebremst.

Weit über 20 Millionen Eu­ro haben deutsche Zulassungs­stellen 2010 mit Wunschkenn­zeichen eingenommen. 75 Prozent aller Menschen, die ein Auto um- oder anmelden, suchen sich ein Kfz-Kennzeichen ihrer Wahl aus. Das ist seit 1994 offiziell möglich, klappt meist on­line und kostet 10,20 Euro plus 2,60 Euro Reservierungsge­bühr. In Bremen, Hessen und Schleswig-Holstein können so­gar alte DIN-H-Kennzeichen beantragt werden. Den höchsten Betrag für eine Wunschnummer bezahlte übri­gens 2008 Scheich Saeed al-Khouri in den Vereinigten Ara­bischen Emiraten. Für umge­rechnet zehn Millionen Euro ersteigerte er die Nummer "1".

Christian Steiger: Ja bitte!

Fährt nach Wunsch: Christian Steiger.

Wenn schon Wunschnummer, dann auf dem Klassiker. Nicht GE-IL 69 auf dem abgerockten Calibra, nicht LU-DE 666 auf dem SL mit den breiten Schlappen: So was geht natürlich gar nicht. Und zeigt nur, dass sich heute jeder, der ein paar Euro extra zahlt, ein Sonder­schild dranschrauben kann. Aber damals, als unsere alten Autos noch neu im Laden standen, war so ein Wunschkennzeichen wirklich was Besonde­res. Wer es haben woll­te, brauchte Beziehun­gen zum Amt. Hinter­her war die ganze Sippe stolz darauf, dass Papas Initialen auf dem Kennzei­chen standen und dahinter die mög­lichst niedrige Zahl – selbst wenn es keine 1 war, sondern nur die 2 wie auf dem Opel Rekord meines Vaters. Ach, so unschuldig wa­ren die Zeiten. Romy Schnei­der war in den 50ern mit K-R 222 zu­frieden, Krupp in Essen fuhr E-RZ 1, Adenauer privat nur SU-A 254. Schon deshalb finde ich die Nummernspiele char­mant, so wie das Bake­lit-Blumenväschen in meiner Isabella und den (längst funktions­losen) Verkehrsfunkdecoder in meinem 70er- Jahre-Benz. Wobei es mir völlig egal ist, ob irgendwer da draußen meine Wunschnummer entschlüs­seln kann. Was HH-LU 858 bedeutet, ist schließlich nur für einen wichtig: für mich. Für wen auch sonst?

Sebastian Renz: Nein danke!

HH-SR 3178? Nie! Sebastian Renz.

Nein, lieber Christian, eben weil es sie früher eigentlich nicht gab, passen Wunschkennzeichen nicht zu Klassikern. Ein Auto führte frü­her eine willkürliche Kombination im Schild, und genau die mach­te es unverwechselbar. So erinnere ich mich an BL-KU 411, mein erstes Auto, den R5. Darauf folgten der Citroën BX mit HN-LU 169, HN-CM 469, der gruselige Peugeot 309, und HN-SP 159, das Golf I Cabrio. Da­nach kamen 21 Autos, denen ich keine eigene Nummer zuteilen kann, weil ich immer das gleiche oder ein sehr ähnliches Wunschkennzeichen wählte. Bis ich mich fragte, wozu. Wen in­teressieren Initialen, Geburtstage oder Kombinationen wie Christi­ans, die keiner versteht? Völlig übertrieben auch dieser Hype um das DIN-Kennzeichen, der absurd wird, wenn Menschen sich DIN-Nummern mit H-Zulassung prägen lassen – was es früher nicht gab, heute aber beson­ders original wirken soll. Wozu überhaupt der ganze Aufwand? Es geht nur um eine Autonummer. Das merkte ich, als ich ES-XB 8469 anmelde­te, meinen Kangoo, der nun ein wunschfreies Hamburger Kennzeichen trägt. Damit zählt er zu einer Min­derheit, womit er ironischerweise unverwechselbarer ist als all die Autos mit Wunschkennzeichen.

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