Oldtimer auf dem Fischmarkt

Oldtimer: Pro und Kontra

— 03.10.2010

Rollende Museen oder reif fürs Museum?

Alte Autos mag doch jeder, oder? Tolle Kurven, klare Kanten: Da ist für jeden Geschmack etwas dabei. Man kann bei ihrem Anblick selig in Erinnerungen schwelgen – muss es aber nicht.

"Oldtimer sind rollende Museen mit freiem Eintritt", findet Diether Rodatz.

Wer ein wenig Benzin im Blut hat, den befällt garantiert irgendwann der Oldtimer-Bazillus. Der bringt Jugenderinnerungen zurück, lässt schwärmen: Weißt du noch? Bei kleiner Kasse reicht zur Heilung das liebevoll gearbeitete Modell für die Vitrine, doch irgendwann muss es die Originalversion sein. Sie dreht den Tacho weit zurück zu den Zeiten, als es noch keine täglichen Staus gab, als Autofahren noch Arbeit und keine elektronische Bevormundung war.

Damals hatten Autos noch Kosenamen

Redakteur Diether Rodatz.

Als keine Klimaanlage aus dem Sommer einen Winter machte – oder umgekehrt. Als Zündkerzen noch rehbraun und Auspuff-Endrohre bleifarben sein mussten. Als Umweltschutz daraus bestand, nicht mehr jede Kippe aus dem Fenster zu werfen. Das Tanken besorgte der Tankwart, er kümmerte sich um die kleinen Wartungsdienste und Wehwehchen. Damals mussten Autos auch alle paar Tausend Kilometer zur Inspektion. Wenn nicht, blieben sie schnell mal liegen. Diese ständige (Für-) Sorge und Geldausgabe schweißte zusammen. Wir gaben den Lieblingen Kosenamen, sie wurden geherzt und geputzt, bis Lack und Chrom jeden Nachbarn neidisch machten. So was vergisst man(n) nicht. Darum ist es schön, wenn Oldies sich heute noch auf den Straßen präsentieren. Denn da fuhren sie. Da parkten sie. Da gehören sie hin. Da kostet Besichtigen keinen Eintritt. Übrigens: Sehenswerte Automuseen gibt es an fast jeder Ecke.

"Oldtimer gehören ins Museum", sagt Dirk Branke.

Redakteur Dirk Branke.

Auch in diesem Sommer waren sie wieder unterwegs. Auf verwunschenen Alleen Mecklenburgs und in abgelegenen Alpentälern: Horden von nicht mehr ganz jungen Männern in ihren Oldtimern. Immer im Rudel, allein trauen sie sich nicht. Damit wir uns nicht missverstehen: Ich habe nichts gegen Leute, die sich für ein paar Euro einen liebenswerten Oldie kaufen, dann jahrelang daran herumschrauben und ab und zu eine Ausfahrt machen. Nett. Doch die anderen Herrschaften gehen mir gewaltig auf die Nerven. Sie sind laut und rücksichtslos, erwarten aber gleichzeitig stets irgendeine Form der Bewunderung, wie sie stets beifallheischend aus ihren überrestaurierten Karossen blicken. Wofür bloß? Die Autos haben sie jedenfalls nicht verstanden.

Sinnentleerte Schaustücke

Sonst würden sie diese – aus Respekt – halbwegs im Originalzustand belassen und nicht in sinnentleert-hochglänzende Schaustücke verwandeln. Zum anderen wüssten sie, dass die Oldies nicht mehr in unsere Zeit passen, Ausdruck eines anderen Lebensgefühls, einer anderen Zeit sind. Genauso, wie ein Louis-XVI-Stuhl in einen Salon des 18. Jahrhunderts gehört und eben nicht in ein modernes Apartment. Wenn euch Oldtimer-Besitzern wirklich etwas am kulturhistorischen Wert der Technik liegen würde, von dem ihr gern plappert, und nicht an eurer eitlen Selbstdarstellung, dann spendet die Autos bitte einem Museum. Dann haben wir alle was davon, und nicht nur ein paar Schnösel in gewachsten Baumwolljacken.

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