Kinder im Robur-Bus

Oldtimer und Kleinkinder: Pro und Kontra

— 28.01.2011

Kinder und Oldtimer – passt das zusammen?

Gehören Kinder von heute noch in Autos von früher? Ist das nicht viel zu gefährlich? Hand aufs Herz: in dieser Diskussion geht es um viel mehr als nur um Sicherheitsaspekte.

"Kinder sollten Playstation spielen. Oldtimer sind nichts für sie",
findet Stefan Voswinkel.

Neulich habe ich meinen kleinen Neffen in meinem Oldtimer mitgenommen. Und kam mir plötzlich vor wie der letzte Spießer auf der Welt. Der unauffällige Blick, ob die Jeans sauber genug ist und nicht die guten Sitze versaut. Die Bitte, sich die Schuhe abzuklopfen, bevor die ollen Turnschuhe den kostbaren Teppich dreckig machen. Und dann wurde (natürlich) jeder Knopf angegrabbelt, das Handschuhfach gefühlt 100.000-mal geöffnet und geschlossen. Horror!

Kinder sind automobile Kulturbanausen

Redakteur Stefan Voswinkel.

Okay, vielleicht merkt man hier, dass ich keine Kinder habe. Vielleicht wäre ich dann ein wenig gelassener. Gedankt wurde mir die Ausfahrt übrigens nicht. Unfassbar, was ein Sechsjähriger alles an einem Auto auszusetzen haben kann: "Der ist aber laut, der ist aber eng, der stinkt aber nach Benzin ..." Das Auto seiner Mutter (ein Skoda Fabia!) sei übrigens viel cooler als meine alte Klapperkiste. Der hätte Sitzheizung, Klimaanlage und elektrische Fensterheber. Und er könne am Radio seinen iPod anschließen. O Mann, dieser kleine Banause sitzt in einem automobilen Kulturgut! Hier macht der Boxermotor die Musik. Spätestens da hatte ich allerdings eingesehen: Oldtimer und Kinder, das passt einfach nicht zusammen. Zukünftig werde ich meinen Neffen vor dem Fernseher parken, ihm ein Autorennspiel in die Playstation legen und während er zockt in aller Ruhe eine ausgedehnte Runde mit meinem alten Schätzchen drehen. Das ist für uns beide das Beste.

Redakteur Claudius Maintz.

"Butterkeks-Krümel? Dagegen hilft ein Staubsauger",
sagt Claudius Maintz.

Ich habe überlebt. In einem BMW 2002, in einem Passat, in einem Santana. Todesmutig haben mich meine Eltern in diesen 70er- und 80er-Jahre-Gefährten über Hamburgs Straßen kutschiert. Ohne einen einzigen Airbag! Dafür konnte ich rausgucken. Keine durch Luftsäcke aufgedunsene A-Säule, die den Weg ins Freie versperrte. Die Fenster waren großflächig, keine Schießscharten wie heute. Klar – wäre etwas passiert, würde ich heute sicher anders reden. Aber ein wenig übertrieben ist es schon, dass Kinder aus Sicherheitsgründen nicht in Oldtimer gehören sollen. Mit meinem alten BMW 628 CSi fahre ich ohnehin recht vorsichtig. Und wenn der jetzt sechs Monate alte Junior später einmal fragen sollte, was Papi da für ein komisches Auto hat, könnte er gleich etwas lernen: Über unsere Wegwerfgesellschaft, Werterhalt, Nachhaltigkeit; dass es sich lohnt, etwas zu pflegen und zu bewahren.

Zeitgeschichte für Kinder

Vielleicht interessiert er sich auch irgendwann für die Zeit, in der mein Youngtimer gebaut wurde. 1985, als es noch ein Land namens DDR gab. Gegen die obligatorischen Butterkekskrümel in den Sitzritzen hilft übrigens damals wie heute ein simpler Staubsauger, Handabdrücke auf den Seitenscheiben sind ebenfalls nicht für die Ewigkeit eingebrannt, sondern wegwischbar. Und über den fehlenden iPod-Anschluss helfen vielleicht lehrreiche Spiele wie Kennzeichenraten hinweg. Ist doch sowieso viel interessanter, was links und rechts der Straße passiert. Playstation spielt heute schließlich jeder.

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