Opel Ascona B (1976-1980) — 16.03.2002
Der biedere Hausfreund
Kein schöner Titel für den Opel Ascona, aber gerecht: ohne Spannung, dafür zuverlässig und treu wie kein anderer. Und inzwischen ein Youngtimer mit echten Hingucker-Qualitäten.
Mit 19, nach Tausenden spannender Kilometer, bewarb ich mich um den Führerschein. Heißt: Fahrunterricht, also Gasgeben unter strenger Kontrolle. Ein ätzender Gedanke. Die Vernunftentscheidung: Fahrschule Udo Bernd in Hamburg. Deren Lehrmittel: ein 60-PS-Ascona 1.2 S - das von mir meistmissachtete Mobil. Und deshalb der Garant für eine Ausbildung im Zeitraffer. Es klappte: Nach neun Fahrstunden hatte ich den Lappen, war den Ascona los und löschte diesen Autotyp aus meinem Bewusstsein. Heute, 18 Jahre später, holt mich mit diesem Artikel meine Vergangenheit ein. Gelegenheit, mit alten Vorurteilen aufzuräumen. Denn die Zeit heilt manche Wunde. Und lässt im Licht der Historie funkeln, was zu Lebzeiten blass wirkte. Wie den Ascona, der heute ein Youngtimer mit Hingucker-Qualitäten ist. Sogar für mich.
Ausgeglichene Proportionen
Reise in die Vergangenheit
Einsteigen. Von innen outet sich der Zweiliter als Kassengestell: Kein Uhrenlicht-Dimmer, nicht einmal ein Tageskilometerzähler. Dafür steckt das werkseitige UKW-Radio im Armaturenbrett - als unbestechliches Zeugnis des unverbastelten Originalzustands. "1998 aus erster Hand gekauft", bestätigt Besitzer Thorsten Kühn. Für 800 Mark, mit 59.000 Kilometern auf dem Tacho. 40.000 weitere hat der Autolackierer seitdem zurückgelegt - natürlich ohne Probleme. Heute darf ich ans Steuer. Eine Reise in die Vergangenheit, in verklärtem Gedenken an den Fahrunterricht. Kenne ich doch, diesen muffigen Geruch, den nur ein lebenslanger Nichtraucher-Opel von damals verströmt. Und noch ein alter Bekannter: der Schalthebel, der nicht senkrecht nach unten, sondern in Richtung Vorderachse zeigt. Auf geht's.Historie und Daten
Modellgeschichte Der erste Mittelklasse-Opel unterhalb des Rekord erschien 1967 als Olympia: ein Kadett mit feiner Ausstattung. Nach mäßigem Erfolg wurde er 1970 vom Ascona beerbt, der eine eigenständige Karosserie aufwies. Auch ihm haftete der Ruf an, zu klein geraten zu sein. Deshalb wuchs er zur zweiten Generation um 20 Zentimeter. Dafür war der Ascona B nur als zwei- und viertürige Limousine zu haben. Ein Kombi hätte nach Meinung der Opel-Oberen zu stark in den Revieren von Kadett und Rekord Caravan gewildert. Coupé-Liebhabern, die das Haus traditionell gut bediente, bot sich wiederum der technisch identische Manta an.Der blieb ganz der Alte, als 1981 der Ascona C folgte. Mit ihm hatte Opels Mittelklässler erstmals Frontantrieb. Es gab sogar eine Fließheck-Variante - und einen Kombi. Allerdings nur als britischen Vauxhall Cavalier, also nicht für den deutschen Markt. Ein Jahr später kam der inzwischen nicht mehr gebaute Ascona B noch einmal zu großen Ehren: Auf ihm wurde Walter Röhrl Rallye-Weltmeister. 1988 war Schluss für den italienischen Namen. Der Erbe hörte auf das Kunstwort Vectra.
| Modell | Ascona 1,2N (76-79) | Ascona 2,0N (78-80) |
| Zylinder | 4 (Reihe) | |
| Gemischaufbereitung | 1 Vergaser Solex 35 PDSI | 2 Registervergaser GMF |
| Hubraum | 1196 cm3 | 1979 cm3 |
| Leistung (Drehzahl) | 55 PS (5400/min) | 90 PS (5200/min) |
| 0-100 km/h | 20,5 Sekunden | 12,0 Sek. (Autom. 13,0) |
| Getriebe | 4-Gang | 4-Gang (3-Gang Autom.) |
| Höchstgeschwindigk. | 138 km/h | 167 km/h (Autom. 162) |
| Fahrwerk | Doppelquerlenker vorn, Dreiachs-Starrachse hinten | |
| Länge/Breite/Höhe | 4321/1670/1380 mm | |
| Bereifung | 165 SR 13 | 165 SR 13 - 185/70 SR 13 |
| Neupreis 1979 | 11.430 Mark | 12.365 Mark |
| Stückzahl | 1.296.487 | |
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