Opel Ascona B (1976-1980)

Youngtimer Opel Ascona B 2.0 Youngtimer Opel Ascona B 2.0

Opel Ascona B (1976-1980)

— 16.03.2002

Der biedere Hausfreund

Kein schöner Titel für den Opel Ascona, aber gerecht: ohne Spannung, dafür zuverlässig und treu wie kein anderer. Und inzwischen ein Youngtimer mit echten Hingucker-Qualitäten.

Es gibt nicht viele derart Auto-Verrückte wie mich. Seit den Tagen meiner stützradlosen Mobilität begeisterten mich sogar stets Karossen, denen überhaupt nichts Liebenswertes anhaftet. Ob es darum ging, die Eleganz eines VW K70 oder das Dolce Vita eines Fiat Mirafiori zu verfechten: Selbst dem hässlichsten Backsteinbau auf Rädern diente ich als glühender Anwalt gegen die Missgunst der restlichen Menschheit. Lediglich den Opel Ascona B fand ich damals nicht so klasse. Aber auch nicht so schlecht. Eigentlich fand ich ihn irgendwie gar nicht - Gleichgültigkeit, die Höchststrafe unter meinen Auto-Urteilen.

Mit 19, nach Tausenden spannender Kilometer, bewarb ich mich um den Führerschein. Heißt: Fahrunterricht, also Gasgeben unter strenger Kontrolle. Ein ätzender Gedanke. Die Vernunftentscheidung: Fahrschule Udo Bernd in Hamburg. Deren Lehrmittel: ein 60-PS-Ascona 1.2 S - das von mir meistmissachtete Mobil. Und deshalb der Garant für eine Ausbildung im Zeitraffer. Es klappte: Nach neun Fahrstunden hatte ich den Lappen, war den Ascona los und löschte diesen Autotyp aus meinem Bewusstsein. Heute, 18 Jahre später, holt mich mit diesem Artikel meine Vergangenheit ein. Gelegenheit, mit alten Vorurteilen aufzuräumen. Denn die Zeit heilt manche Wunde. Und lässt im Licht der Historie funkeln, was zu Lebzeiten blass wirkte. Wie den Ascona, der heute ein Youngtimer mit Hingucker-Qualitäten ist. Sogar für mich.

Ausgeglichene Proportionen

Unten roh, oben verkohlt: Armaturenbrett im Big-Mac-Design, abgeschmeckt mit Rund-Luftdüsen, sportlichem Cockpit und Zwei-Speichen-Lenkrad.

Sicherlich, mein Geschmack ist nicht maßgeblich. Sondern der von exakt 1.296.487 Neukunden, die sich für einen Ascona B entschieden. Sie machten ihn zum bis dahin erfolgreichsten Opel aller Zeiten. Sein Vorgänger ging nur halb so gut. Was war es, das unsere Auto fahrende Mittelschicht bewog, so begeistert zuzuschlagen? Langsam komme ich dahinter: nicht nur der große Platz zum kleinen Preis und die simple, robuste Technik - Qualitäten, die den uncharmanten Begriff vom biederen Hausfreund prägten. Als Hauptgrund gilt, so ungern ich es zugebe, die Form. Obwohl unspektakulär, ohne jegliche Finesse, nahezu öd. Ein Spiegelbild der 70er-Gesellschaft? Mag sein. Denn die Uniformität der Personenwagen zu bekritteln ist ein aktuelles Phänomen. Damals, als es viel angebrachter gewesen wäre, sprach niemand davon. Nicht einmal angesichts des Ascona, der exakten Schnittmenge aller Limousinen-Kleider.

Zweiliter-c.i.h.-Motor mit oben liegender Nockenwelle und arg ramponiertem Lack - aber ewiger Funktion.

Immerhin, dieses Zugeständnis erlaube ich mir heute, sind seine Proportionen einfach absolut ausgeglichen. Keine platte Nase und keine einfältig glotzenden Augen wie beim Vorgänger. Keine Kanten um jeden Preis wie beim Nachfolger. Ich gestehe: Der Ascona B besticht ganz einfach durch eine schöne Form. Jetzt ist es raus. Strafmilderung für mich? Ich nähere mich dem pistaziengrünen Ascona 2.0. Bedeutet: größtmöglicher Hubraum, 90 PS, Normalbenzin. Schleiche um den Zweitürer herum. Suche nach spezifischen Reizen, die damals meinen jugendlichen Augen entgingen. Und finde sie. Das Gebein: klassische Sport-Stahlräder. Der Dachaufbau: ein lichter Glasgarten ohne störendmassive Pfeiler. Das Gesicht: ohne familiäre Züge der Rüsselsheimer Sippschaft, aber wirklich harmonisch.

Reise in die Vergangenheit

Einsteigen. Von innen outet sich der Zweiliter als Kassengestell: Kein Uhrenlicht-Dimmer, nicht einmal ein Tageskilometerzähler. Dafür steckt das werkseitige UKW-Radio im Armaturenbrett - als unbestechliches Zeugnis des unverbastelten Originalzustands. "1998 aus erster Hand gekauft", bestätigt Besitzer Thorsten Kühn. Für 800 Mark, mit 59.000 Kilometern auf dem Tacho. 40.000 weitere hat der Autolackierer seitdem zurückgelegt - natürlich ohne Probleme. Heute darf ich ans Steuer. Eine Reise in die Vergangenheit, in verklärtem Gedenken an den Fahrunterricht. Kenne ich doch, diesen muffigen Geruch, den nur ein lebenslanger Nichtraucher-Opel von damals verströmt. Und noch ein alter Bekannter: der Schalthebel, der nicht senkrecht nach unten, sondern in Richtung Vorderachse zeigt. Auf geht's.

Farbe der Hoffnung: Der Ascona ist ein typischer Youngtimer-Kandidat, der in Richtung Klassiker-Dasein unterwegs ist.

Der Vierzylinder singt seine Hymne von besseren Tagen. Erkennbar und echt Opel - als noch kein Kat, keine Zentraleinspritzung das Gehör entmündigte. Rote Ampel. Neben mir ein früher BMW 318. Der muss doch zu knacken sein. Mit ein paar Gasstößen die Duell-Bereitschaft annonciert, gelbes Licht, ab geht die Post. Da ist es wieder: das unvergleichliche Hochschnellen der Heckpartie, die es einzig bei alten Opel-Hecktrieblern mit Deichselachse gibt. Einfach herrlich. Der BMW gewinnt. Na und? Blöder Brandstifter. Ich bummle zurück. Genieße den braven Biedermann, atme ihn ein. Halt bei der Fahrschule. "Weißt du noch?", lacht Udo Bernd und wärmt die ollen Kamellen auf. Dann nehme ich rechts Platz, der Lehrer links. Nichts ist mehr wie früher. Am wenigsten meine Beziehung zum Ascona. Den ich heute nicht nur neun Stunden fahre.

Historie und Daten

Modellgeschichte Der erste Mittelklasse-Opel unterhalb des Rekord erschien 1967 als Olympia: ein Kadett mit feiner Ausstattung. Nach mäßigem Erfolg wurde er 1970 vom Ascona beerbt, der eine eigenständige Karosserie aufwies. Auch ihm haftete der Ruf an, zu klein geraten zu sein. Deshalb wuchs er zur zweiten Generation um 20 Zentimeter. Dafür war der Ascona B nur als zwei- und viertürige Limousine zu haben. Ein Kombi hätte nach Meinung der Opel-Oberen zu stark in den Revieren von Kadett und Rekord Caravan gewildert. Coupé-Liebhabern, die das Haus traditionell gut bediente, bot sich wiederum der technisch identische Manta an.

Der blieb ganz der Alte, als 1981 der Ascona C folgte. Mit ihm hatte Opels Mittelklässler erstmals Frontantrieb. Es gab sogar eine Fließheck-Variante - und einen Kombi. Allerdings nur als britischen Vauxhall Cavalier, also nicht für den deutschen Markt. Ein Jahr später kam der inzwischen nicht mehr gebaute Ascona B noch einmal zu großen Ehren: Auf ihm wurde Walter Röhrl Rallye-Weltmeister. 1988 war Schluss für den italienischen Namen. Der Erbe hörte auf das Kunstwort Vectra.

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