Opel GT, Manta B, GT Genève und Diplomat CD

Opel GT, Manta B, GT Genève und Diplomat CD

— 27.06.2016

Opels wilde Design-Jahre

Vor einem halben Jahrhundert war Opel Vorreiter im deutschen Autodesign. Was für eine verrückte, bezaubernde, fortschrittliche Zeit! AUTO BILD blickt zurück.

Opels erstes Traumauto war nicht mehr als eine Airbrush-Zeichnung. Ein kunstvoll gestaltetes Stück Pappe, das täuschend echte Abbild eines sportlichen Coupés mit Fließheck, dessen Räder sich beim näheren Hinsehen doch nur als vergrößerte Fotos herausstellten. Kurz vor der A-Säule klebte ein kleiner Schriftzug, der zeigte, wohin die Reise ging: Kadett GT. Auf zu neuen Ufern. So bescheiden zweidimensional begann 1962 die Zukunft des Autodesigns bei Opel. Wie das funktionierte, von jetzt auf gleich? GM schickte seine besten Leute! Clare MacKichan, Schöpfer von Corvette und Chevy Bel Air, wurde 1962 Opels erster Designdirektor. Unter ihm begann die Emanzipation der Formgestalter.

Im Experimental GT von 1965 sind schon deutlich Form und Linie des späteren Opel GT zu erkennen.

Aus der "Entwurfsabteilung", einer Unterabteilung der Konstruktion, wurde 1964 mit der Einweihung des neuen Designzentrums ein eigenständiger Bereich. Einer mit erweiterten Kompetenzen und einer Abteilung fürs "Vorausdenken", der Keimzelle des Opel GT. In Rüsselsheim zeichneten sie jetzt nicht mehr nur Schriftzüge für in den USA designte Olympia- und Kapitän-Modelle, sondern durften von Sportwagen träumen und selbst welche entwerfen. Beim Mittfünfziger Mac-Kichan, dem Mann mit dem Vogelprofil, war auf einmal alles erlaubt. Der Kadett GT war noch brav, der Experimental GT mutig und wild.

Opel GT Concept (Genf 2016): Sitzprobe

Opel fährt ein Showcar auf

Nur 1,11 Meter in der Höhe misst der CD auf Opel-Diplomat-Basis.

Der Ur-Entwurf der Designer Murat Nasr und Erhard Schnell besaß schon alle Schlüsselreize des drei Jahre später in Serie gehenden Opel GT: flache Front mit den Schlafaugen, eingezogene Wagentaille, ein Heck mit Abrisskante und vier runden Heckleuchten. Heute gehören sie auf jede Messe, aber "Concept Cars", Showfahrzeuge zum Antesten der Publikumsreaktion, waren bis zum Auftritt des Experimental GT auf der IAA 1965 in Deutschland nahezu unbekannt. Vom "Versuchsfahrzeug für Hochgeschwindigkeitsfahrten mit einer abgewandelten Hochleistungsversion des 1,9-Liter-Vierzylinder-Rekord-Motors" sprachen die Verantwortlichen. Neben der wegweisenden GT-Studie spielte 1969 Opel CD sogar das neue, 206 km/h schnelle Diplomat Coupé nur eine Nebenrolle. Mehr Aufbruch war nie, verrückter wurde es nicht mehr. Und es hatte Stil.

Rüsselsheim inszeniert das Design-Team

Opels Mad Men trugen lässige Anzüge und schmale Krawatten, saßen in modernistischen Drahtkorbstühlen im bunt gekachelten Foyer ihres coolen Rüsselsheimer Designzentrums, einer kleinen Variante des großen GM-Originals in Warren/Michigan, und lauschten den Worten ihres Bosses. So inszenierte Rüsselsheim seine Traumwagen-Designer. 1967 löste der 40-jährige Charles M. "Chuck" Jordan den Wegbereiter Clare MacKichan ab. "Wir sind keine verrückten Zeichner mit Bärten und Cordhosen. Styling ist eine Mischung aus Kunst und Technik", gab der Ex-Cadillac-Chefdesigner ernst zu Protokoll – und pendelte mit einem 190-PS-Hot-Rod-Commodore, aus dessen aufgeschnittener Motorhaube drei offene Ansaugrohre ragten, zwischen Haus im Taunus und Büro.

Später fehlt Opel der Mut

Mehr Chevy Monza als Opel Manta. Die Styling-Vorlage kommt aus den USA.

Seine Angestellten bauten ihm das Auto, als er mal zwei Wochen im Urlaub war. Nach dem GT entstand unter Jordans Leitung der CD, die große V8-Coupé-Studie. Zum Einsteigen klappte eine Hydraulik die Scheibe mit vorderem Dachteil, Türausschnitten und Lenkrad nach oben. Um die Technik transparent zu machen, stellte Opel auf der IAA ein Durchsichtsmodell daneben, mit einem Gitterrohrgeflecht, das die Linien der Form nur andeutete. Als das ZDF in Rüsselsheim einen Fernsehbeitrag mit CD-Studie und Howard Carpendale drehte, schien es so, als gingen die wilden Jahre zeitgleich mit der Rückkehr Jordans in die USA allmählich zu Ende. Der Entwurf eines Manta-Nachfolgers von 1973 sprach dafür. Näher an Realität und Großserie rückte das Coupé, war weniger Showcar als reale Studie. Ein Heck mit Anklängen des Buick Riviera, die Front eines Pontiac, die später einen Chevy zierte – viel US-Stilistik und weniger Mut als bisher kennzeichneten den Entwurf eines Manta B. Folgerichtig sah dessen spätere Serienversion auch nahezu komplett anders aus.

Kultauto Opel GT: Blick auf drei Generationen

Kultmobil Opel GT: Rückblick auf drei Generationen Kultmobil Opel GT: Rückblick auf drei Generationen Kultmobil Opel GT: Rückblick auf drei Generationen

Flache Front, großer Blitz, kein Kühlergrill. So sollte ein GT mit Mittel-Wankelmotor aussehen.

So wie der Experimental GT von 1965 die Formgebung der Corvette C3 mit beeinflusste, gab zehn Jahre später eine Corvette-Studie die Vorlage für einen GT-Entwurf. 1973 stellte GM ein bei Pininfarina (!) gebautes Corvette-Showcar mit GM-Wankelmotor in Wagenmitte auf der IAA vor. 1975 entwickelten die Rüsselsheimer Designer die GT/W-Studie weiter. Aus W wie Wankel wurde dann G wie Genève, der Ort der Präsentation. Mindestens so radikal anders wie der erste GT zehn Jahre zuvor, doch ohne eine Chance, jemals Wirklichkeit zu werden. "Für den Genfer Salon hatten wir kein Showcar, der GT/W wurde in aller Eile entworfen", erinnerte sich Designer Erhard Schnell Jahre später. Auch die wildesten Jahre haben ab und zu ein paar kleine Pausen.
Autor:

Jan-Henrik Muche

Fazit

Rund 50 Jahre liegt Opels wilde Design-Epoche zurück. Die Studien von damals beweisen noch heute Mut und Klasse, waren aber meist wohl zu schön, um wahr zu werden. Doch sie zeigen, dass schon früh über Rekord und Kadett hinausgedacht wurde. Schade, dass es nur der GT in die Serie schaffte.

Fotos: Opel GT Opel Manta B Opel GT Geneve Opel Diplomat CD

Stichworte:

Coupé Sportwagen

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