Opel Kadett C GT/E Safari

Opel Kadett C GT/E Safari Opel Kadett C GT/E Safari Opel Kadett C GT/E Safari

Opel Kadett C GT/E Safari

— 18.10.2013

Sieger der Herzen

Drei Asse im Ärmel und trotzdem nix gewonnen. So ging es Opel mit dem Kadett GT/E Safari vor 37 Jahren. Die Herzen eroberte er dennoch. Ein Fan hat ihn jetzt nachgebaut.

Kenia, 1976. Rallyeautos toben über staubige Schotterpisten, um die Safari Rallye zu gewinnen. Da brät wieder eins heran, so ein wildes Monster. Wildes Monster? Eigentlich ist es ja nur ein Opel Kadett C. Wie die frisch gewaschenen Autos, die Modell standen für den braven Opel-Prospekt von 1976. Einen dicken Prospekt. Denn die dritte Generation des Kadett ist vielfältig wie kaum ein anderes Auto: Limousine mit zwei und vier Türen. Caravan. Coupé. City. Aero. Er hat ein freundliches Gesicht. Gelb zeigt er gern, eine fröhliche Farbe. Ein Gefährte, mit dem es sich sommertags perfekt schlagersummend an Kornfeldern vorbeibummeln lässt. Wer lieber sportlich unterwegs ist, nimmt den GT/E. Er kombiniert das Gelb mit Schwarz oder Weiß, mit 105 oder 115 PS. Im historischen Rallyesport setzen noch heute viele Teams auf den GT/E. Das vielleicht speziellste aller wilden Kadett-C-Coupés heißt Safari. 

Das vielleicht speziellste aller wilden Kadett-C-Coupés heißt Safari. Drei Fahrzeuge schickt Opel 1976 mit prominenten Fahrern zur Safari Rallye nach Kenia.

©A. Perkovic

Drei Fahrzeuge schickt Opel 1976 mit prominenten Fahrern zur Safari Rallye nach Kenia, damals ein Lauf zur Rallye-Weltmeisterschaft. Keiner erreicht je das Ziel – ein Unfall stoppt Walter Röhrl, Rauno Aaltonen und Edgar Herrmann bleiben mit Getriebeschäden liegen. Die kaputten Kisten lässt Opel einfach zurück, wie andere Hersteller auch. Darum reisen bis heute immer wieder Enthusiasten nach Afrika, auf der Jagd nach originalen Rallyefahrzeugen. Oder den Resten davon. Die drei Kadett bleiben verschollen. Den Safari-Kadett gibt es im Maßstab 1:43 von Schuco, das war’s. 36 Jahre lang: 2012 baute Norbert Zuckermann (54) aus Rees an der holländischen Grenze den Wagen in 1:1 nach, bis ins Detail. Schon mit 19 fuhr der Niederrheiner Kadett, bis 1985 auch auf Rallyes. Dann kamen Frau, Haus, Kinder. Große Pause für den Rallyesport. 2007 kaufte er einen Kadett GT/E, später noch einen zweiten, beide brauchten viel Zuneigung. "Weil ich mich 22 Jahre überhaupt nicht mit Kadett beschäftigt hatte, gab es die eine oder andere Fehleinschätzung. Etwa", Zuckermann lacht, "das ungläubige Gesicht des Autoverwerters, als ich nach dem Bereich gefragt habe, wo die C-Kadetten stehen." Er schiebt hinterher: "22 Jahre vorher gab es so etwas noch."

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Ohne jede Rücksicht aufs Material prügelt Norbert Zuckermann seinen einzigartigen Safari-Kadett über die Schotterpiste.

©A. Perkovic

2009 war der erste der beiden GT/E einsatzbereit, und der Kaufmann legte wieder Drifts hin. Er schloss sich der Interessengemeinschaft "Slowly Sideways" an, lauter Freunde des historischen Rallyesports. Die veranstalten unter anderem das Eifel Rallye Festival, das jedes Jahr unter einem neuen Motto steht. Für 2012 lautete es: Safari. "Mir war sofort klar, dass aus dem zweiten GT/E in der Garage eine Replica des Safari-Kadett werden sollte." Mit seinem Freund und Beifahrer Ralf Hetzel ging er ans Werk. Zunächst war Rallye-Fotograf Reinhard Klein bei der Beschaffung von geeignetem Bildmaterial behilflich. Der Safari-Kadett sollte in möglichst allen Einzelheiten dem Original entsprechen. Eine Ausnahme gönnte sich Zuckermann: "Das Windschutzscheibengitter war für mich kein Thema. Es ist potthässlich, und es behinderte Walter Röhrl schon damals." Zur Originalität gehört auch ein 100-Liter-Tank. Allein dessen Anfertigung kostete viel Zeit und verlangte noch mehr Kreativität – zumal es davon keine Fotos gab. Einige andere Teile waren auf den Bildern sehr gut zu erkennen. Vor allem der Frontbügel. Hier konnte Norbert Zuckermann von den Fahrzeugabmessungen auf die Maße des Bügels rückschließen. Widerwillig setzte er die Bohrmaschine am Dach an: Das Original hatte da ein Loch für die Antenne. "Wenn es aussehen soll wie damals, muss es halt sein", sagt Zuckermann.

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Alles nach historischen Fotos rekonstruiert – vom Aufbau-Drehzahlmesser über das Motorola-Sprechfunkgerät bis zu den mechanischen Stoppuhren.

©A. Perkovic

Gut 50 Aufkleber verpasste er dem Wagen auch noch, die meisten nach aufwendiger Recherche nachgefertigt. Nicht zu vergessen: Mit klassischem Tuning und Vergaser statt Einspritzanlage frisierte er den Motor von 105 auf rund 200 PS. So konnte Zuckermann das Projekt im Mai 2012 dem Gutachter vorführen. Der trug in den Kfz-Brief eine Bezeichnung ein, die den 54-jährigen Schrauber mit Stolz erfüllte wie ein Ritterschlag: "Replica Safari-Kadett Walter Röhrl 1976". Soll aber keiner glauben, der Rallye-Freak würde sein Werk nun schonen. Er zieht den Vierpunktgurt fest, startet und gibt dermaßen Gas, dass es uns noch tiefer in die Schalensitze presst. Da, ein Schotterweg – Zuckermanns Lieblings-Untergrund. Hier setzt er in fast jeder Kurve die Handbremse ein. "Fährste quer, siehste mehr – hat ja schon der Röhrl gesagt." Er lenkt gegen und grinst. Das Prasseln der Steinchen trommelt in Lautstärke 1:1 durch den Gehörgang, Geräuschdämmung gibt es bei diesem Sportgerät nirgendwo. Und so brät der Monster-Kadett über die Piste – wie damals, 1976 in Kenia.

Technische Daten

Wie in Kenia: 45er-Weber-Doppelvergaser statt GT/E-Einspritzung.

©A. Perkovic

Opel Kadett C GT/E Safari Motor: Reihenvierzylinder vorn längs • obenliegende Nockenwelle, Duplex-Rollenkette • Benzineinspritzung (ein Weber-Doppelvergaser 45 DOCE) • Hubraum 1979 ccm • 77 kW/105 PS bei 5400/min (ca. 147 kW/200 PS) • max. Drehmoment 147 Nm bei 3000/min (240 Nm bei 5800/min) • Antrieb/Fahrwerk: Fünfgang-Schaltgetriebe • Hinterradantrieb • vorn Einzelradaufhängung an doppelten Querlenkern, Schraubenfedern, Stabilisator, hinten Starrachse mit Schraubenfedern, Doppel-Längslenkern, Panhardstab, Stabilisator • vorn Scheibenbremsen (innenbelüftet), hinten Trommelbremsen • Reifen 175/70 HR 13 (195/60 R 15) • Maße: Radstand 2395 mm • Länge/Breite/Höhe 4124/1580/1340 • Leergewicht 920 kg • Zuladung 340 kg • Fahrleistungen/Verbrauch: 0–100 km/h in 10,0 (6,0) s • Spitze 180 (170) km/h • Verbrauch 10,5 l (im Wettbewerb 25–30 l) pro 100 km • Neupreis GT/E 1977: 14.125 Mark (Werte in Klammern für Safari-Replica).

Historie

Die dritte Generation des Kadett rollt ab August 1973 vom Band, zunächst als zwei- und viertürige Limousine, Coupé und Caravan genannter Kombi. 1975 reicht Opel den City nach, eine dreitürige Schrägheckversion. Im selben Jahr erscheint der erste GT/E. Nach einer Idee von Erich Bitter schneidet ab 1976 der Stuttgarter Karosseriebauer Baur den Kadett zum Bügelcabrio Aero auf . Mit dem Facelift 1977 – da wandern unter anderem die Blinker neben die Scheinwerfer – kommt eine Vielzahl von Ausstattungslinien und Sondermodellen. Die Sport-Fraktion schielt besonders auf die SR-Pakete, lieferbar für alle Versionen, unter anderem mit Vierspeichenlenkrad und Drehzahlmesser. Wer Sport nicht nur sehen, sondern auch erleben will, hat den Rallye 2.0 mit 110 PS und die GT/E-Coupés auf dem Schirm. Opel will ein Rallye-Homologationsmodell für die Gruppe-2-Spezialtourenwagen und legt deshalb vom GT/E zwei Sonderserien auf: eine in schwarz-gelber Optik mit 105 PS (davon entstehen 8660 Stück), eine weiß-gelbe Variante mit 115 PS (nur 2234 Stück). Bis Juli 1979 entstehen rund 1,7 Millionen Kadett C.

Plus/Minus

Achtung: GT/E wurden oft nachgebaut, die originalen Exemplare tragen die Schlüsselnummer 549.

©A. Perkovic

Sprechen wir mal generell über das Kadett C Coupé. Egal ob mit 40, 115 oder (wie im Safari) rund 200 PS: Die Technik bereitet überwiegend Freude. Die kleinen Vierzylinder gelten als unzerstörbar, aber auch die 1,6- bis 1,9-Liter-Motoren machen kaum Probleme. Wartung und Erhaltung sind dank verfügbarer Verschleißteile recht günstig. Ausnahme: die Instandsetzung eines streikenden ZF-Getriebes (GT/E und Rallye). So formschön die Coupé-Karosserie sein mag, sie ist das große Minus. Rost befällt unter anderem den Übergang zwischen Bodenund Heckblech und den Bereich am unteren Rahmen der Windschutzscheibe (hier laufen mehrere Bleche zusammen, ab Werk wurde nur nachlässig abgedichtet). Bei den frühen Modellen gammelt es gern rund um die vorderen Blinker. Ist der Kotflügel marode, dann gilt: Ein Originalteil ist – wenn aufzutreiben – einem Reproflügel unbedingt vorzuziehen. Die mangelnde Passform der nachgemachten Teile hat schon viele Nerven gekostet.

Ersatzteile

Massenautos aus den 70ern – da hissen die Hersteller meist die weiße Flagge. Opel auch. Empfehlenswert ist es, sich auf Treffen sehen zu lassen, die dortigen Teilehändler sind zumindest gut vernetzt und meist auch ordentlich bestückt. Kontakt zur Szene gibt es über die Alt-Opel-IG. Wer bei Ebay "Kadett C" eingibt, findet außerdem mehr als 5000 Teile-Inserate vor. Grundsätzlich gilt: Technikteile okay, Blech oft oje. Ein ordentlich erhaltener originaler Kotflügel wird mit stolzen 400 Euro gehandelt.

Marktlage

Ab 3500 Euro finden sich gut erhaltene Kadett-C-Limousinen. Dabei sind die Viertürer deutlich seltener. Ordentliche Coupés mit kleiner Maschine und Caravans gibt’s ab etwa 5000 Euro. Teuer sind nur Aero und GT/E. Achtung: GT/E wurden oft nachgebaut, die originalen Exemplare tragen die Schlüsselnummer 549.

Empfehlung

Wer auf den Style-Faktor schielt, ist mit einem Coupé oder dem inzwischen begehrten Caravan gut bedient. Wem es auf einen preiswerten Einstieg beim C ankommt, sollte nach einer guten Limousine Ausschau halten. Idealerweise steckt mindestens ein 1.2 S mit 60 PS unter der Motorhaube, die kleineren Maschinen sind naturgemäß wenig temperamentvoll.



Autor: Marc Keiterling
Fotos: A. Perkovic

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