Opel Manta A
— 01.09.2010Ein Fisch für alle Fälle
Ein Symbol für Opels goldene Epoche: Der Manta A war einer der Superstars der 70er-Jahre. Populär, gut aussehend – und ein Coupé ohne große Allüren. Denn in Sachen Zuverlässigkeit blieb der Manta stets bodenständig.
Blitz-Karriere: die Firmengeschichte von Opel
Über 56.000 Manta A verkaufte Opel im ersten Verkaufsjahr 1970, fast eine halbe Million Nischen-Produkte in den fünf Jahren des Modellzyklus. Opels Coupé war einer für alle und alle Fälle. Eigentlich gab es den Manta ja nur, weil Erzfeind Ford seit Kurzem mit dem Volks-Coupé Capri im neu entstandenen Segment den Rahm abschöpfte. Opel reagierte umgehend auf die Bedrohung aus Köln: Aus dem bereits in der Entwicklung befindlichen Kadett C wurde der Ascona A – man sah es dem schmalen Burschen später an. Aus der Coupé-Variante des Kadett erwuchs mit neuer, sportlich-grimmiger Front der eigenständige Manta. Was für ein Kunstgriff! Ein kompaktes Coupé mit fünf ernst gemeinten Sitzplätzen und einem großen Kofferraum zu konstruieren, das so chic wie praktisch, solide und bezahlbar war.
| Klassische Coupés bis 10.000 Euro (Stand 11/2010) | |
|---|---|
| Mercedes C 123 | Porsche 944 |
| Datsun 300ZX | Skoda S110 R |
| Alfasud Sprint | VW Scirocco I |
| Peugeot 504 Coupé | |
Neu waren die 1,6-Liter-Motoren mit 68 PS und 80 PS. Den für das sportliche SR-Modell angebotenen 1,9-Liter-S-Motor kannten alle aus dem Rekord, die wirkliche Überraschung war die Allgemeingültigkeit des neuen Opel-Coupés. Der Manta gefiel dem jung-dynamischen Feuilleton-Redakteur ebenso wie der lustigen Witwe in ihrem Schleiflack-Bungalow. Er fuhr den SR in Monzablau mit optionalen 185er-Reifen, sie den citrusgelben Manta mit Automatik und kleiner 1,2-Liter-Nähmaschine. Als sie ihre Autos in Zahlung gaben, um auf Commodore B Coupé und Kadett City umzusteigen, begann für den schönen Manta eine hässliche Zeit.
Bei den Zweit- und Drittbesitzern verlor der Manta seine Unschuld
Runtergereicht in die Tiefen der Testarossa-Kiemen-Szene, mit absurden Breitreifen und Airbrushs verunziert, verlor der Manta A jene Unschuld, die wir heute so vermissen. Unverfälschte Typen sind rar geworden. Der Calibra versuchte sich noch einmal an den Tugenden seines Vorgängers, war aber längst nicht so massenkompatibel wie dieser. Die gut gelaunten Tage waren ohnehin gezählt. GT, Ascona, Commodore, pfiffige Mittelklasse – vorbei und ohne Nachfolger. Auf einen Manta C warten wir bis heute.
Historie
25. September 1970: "Der Tag, an dem der Manta kommt", Vorstellung am Timmendorfer Strand. Fahrwerk und Bodengruppe sind identisch mit dem später vorgestellten Ascona A. Angeboten werden CIH-Vierzylinder mit 1,6 und 1,9 Liter Hubraum. 1.6 (68 PS), 1.6 S (80 PS) und 1.9 SR (90 PS). 1972: Einsteigermodell mit OHV-Vierzylinder (1,2 Liter, 60 PS) und Luxus-Version "Berlinetta". Modelljahr 1973: Facelift, unter anderem mit mattschwarzem Kühlergrill. 1974: Debüt des Manta GT/E (1,9 Liter, 105 PS), des ersten Opel mit elektronischer Benzineinspritzung. 1975: Motoren mit reduzierter Leistung. 1.6 N (60 PS), 1.6 S (75 PS), 1.9 S (88 PS). Sondermodelle "Swinger", "Sommer Bazar 75" und "Black Magic". Sommer 1975: Produktionsende. Gesamtstückzahl des Manta A: 498.553.Technische Daten
Opel Manta 1900Reihenvierzylinder, vorn längs • zwei Ventile pro Zylinder, über seitlich im Kopf liegende Nockenwelle (CIH: camshaft in head) und Duplex-Steuerkette betätigt • Fallstromvergaser Solex 32 DIDTA-4 • Hubraum 1897 ccm • Leistung 66 kW (90PS) bei 5100/min • max. Drehmoment 149 Nm bei 2500–3100/min • Hinterradantrieb • Viergangschaltgetriebe (auf Wunsch Dreistufenautomatik) • Einzelradaufhängung an Doppelquerlenkern und Schraubenfedern vorn, Starrachse an Schraubenfedern hinten • Reifen/Räder 165 SR 13 auf 5,5x13" • Radstand 2430 mm • Länge/Breite/Höhe 4292/1626/1355 mm • Leergewicht 970 kg • 0–100 km/h 13 s • Spitze 170 km/h • Verbrauch 9 l Super • Neupreis 1970: 8559 D-Mark.
Plus/Minus
Ersatzteile
Auch bei populären Opel-Modellen der 70er-Jahre stockt die Ersatzteil-Versorgung: originales Blech, Teile für den Innenraum, Chrom und Zierrat, all das ist längst nicht mehr einfach oder gar billig verfügbar. Sogar der ewig gebaute 1,9-Liter-Vierzylinder ist aus den Regalen der Verwerter verschwunden. Veteranen-Märkte und Internet sind bei der Teile-Suche die erste Wahl.Marktlage
Hoppla, wo sind sie denn alle? Manta A aus dem Mittelfeld sind derzeit ausverkauft, es bleiben Reste-Rochen und restaurierter Edel-Fisch. Wie konnte sich ein fast 500.000-mal gebautes Volks-Coupé derart unbemerkt davonstehlen? Interessenten sollten abwarten, bis das richtige Auto auftaucht, denn die Restaurierung lohnt (noch) nicht.Empfehlung
Ganz klar, die plüschig-luxuriöse Berlinetta-Version sowie die sportlichen SR- und GT/E-Typen sind die interessantesten Manta der ersten Generation. Die extrem seltenen, außer Haus gebauten Turbo und 2800-TE-Varianten sind teure Raritäten. Autos mit 1,9-Liter-Maschine repräsentieren die goldene Mitte: Sie sind standesgemäß motorisiert, zum 90-PS-Motor passt dann auch die optionale Automatik. Freunde des Originalen seien vor Umbauten auf größere Motoren aus Commodore, Omega und Co. gewarnt, auch Getriebe wurden häufig getauscht.Das könnte Sie auch interessieren
Kommentar verfassen
Anzeige







Kommentare zum Artikel (1)
Erstellt
Inhalt
Melden
Hallo Autobild!
Könnt Ihr feststellen, wieviele A-Mantas in Deutschland noch zugelassen sind ?
Danke und Gruss
Tom