Opel Manta A

— 01.09.2010

Ein Fisch für alle Fälle

Ein Symbol für Opels goldene Epoche: Der Manta A war einer der Superstars der 70er-Jahre. Populär, gut aussehend – und ein Coupé ohne große Allüren. Denn in Sachen Zuverlässigkeit blieb der Manta stets bodenständig.



Unglaublich, mit welcher Selbstverständlichkeit sie in Rüsselsheim vor 40 Jahren die Bestseller rausgehauen haben. Autos wie Opel GT, Ascona, oder den Commodore. Sportler, Mittelklasse, Konkurrenz für die Großen von BMW und Benz. Alles Volltreffer, stilsicher und unprätentiös zugleich. Mit Schwung und Elan ließ Opel den Ruf der Spießer-Marke hinter sich und emanzipierte sich von GM – die neuen Autos waren echte Europäer und keine klein gezeichneten Amis mit Einfachst-Technik mehr. So viel Aufbruch war nie. Der Manta A ist ein Symbol dieser gut gelaunten Tage, als Opel anscheinend alles gelang: ein dufter Typ, den einfach jeder gern hatte. Weil er so war, wie jeder ihn sich wünschte. Laut und wild oder brav und vernünftig, gern auch bunt und optimistisch.

Blitz-Karriere: die Firmengeschichte von Opel

Rundherum stimmig: Der Manta A hat ausschließlich Schokoladenseiten.

Über 56.000 Manta A verkaufte Opel im ersten Verkaufsjahr 1970, fast eine halbe Million Nischen-Produkte in den fünf Jahren des Modellzyklus. Opels Coupé war einer für alle und alle Fälle. Eigentlich gab es den Manta ja nur, weil Erzfeind Ford seit Kurzem mit dem Volks-Coupé Capri im neu entstandenen Segment den Rahm abschöpfte. Opel reagierte umgehend auf die Bedrohung aus Köln: Aus dem bereits in der Entwicklung befindlichen Kadett C wurde der Ascona A – man sah es dem schmalen Burschen später an. Aus der Coupé-Variante des Kadett erwuchs mit neuer, sportlich-grimmiger Front der eigenständige Manta. Was für ein Kunstgriff! Ein kompaktes Coupé mit fünf ernst gemeinten Sitzplätzen und einem großen Kofferraum zu konstruieren, das so chic wie praktisch, solide und bezahlbar war.

Schräg: Furnier-Folie um die Instrumente, knallrote Sitze im mattschwarzen Interieur.

Neu waren die 1,6-Liter-Motoren mit 68 PS und 80 PS. Den für das sportliche SR-Modell angebotenen 1,9-Liter-S-Motor kannten alle aus dem Rekord, die wirkliche Überraschung war die Allgemeingültigkeit des neuen Opel-Coupés. Der Manta gefiel dem jung-dynamischen Feuilleton-Redakteur ebenso wie der lustigen Witwe in ihrem Schleiflack-Bungalow. Er fuhr den SR in Monzablau mit optionalen 185er-Reifen, sie den citrusgelben Manta mit Automatik und kleiner 1,2-Liter-Nähmaschine. Als sie ihre Autos in Zahlung gaben, um auf Commodore B Coupé und Kadett City umzusteigen, begann für den schönen Manta eine hässliche Zeit.

Bei den Zweit- und Drittbesitzern verlor der Manta seine Unschuld

Runtergereicht in die Tiefen der Testarossa-Kiemen-Szene, mit absurden Breitreifen und Airbrushs verunziert, verlor der Manta A jene Unschuld, die wir heute so vermissen. Unverfälschte Typen sind rar geworden. Der Calibra versuchte sich noch einmal an den Tugenden seines Vorgängers, war aber längst nicht so massenkompatibel wie dieser. Die gut gelaunten Tage waren ohnehin gezählt. GT, Ascona, Commodore, pfiffige Mittelklasse – vorbei und ohne Nachfolger. Auf einen Manta C warten wir bis heute.

Historie

25. September 1970: "Der Tag, an dem der Manta kommt", Vorstellung am Timmendorfer Strand. Fahrwerk und Bodengruppe sind identisch mit dem später vorgestellten Ascona A. Angeboten werden CIH-Vierzylinder mit 1,6 und 1,9 Liter Hubraum. 1.6 (68 PS), 1.6 S (80 PS) und 1.9 SR (90 PS). 1972: Einsteigermodell mit OHV-Vierzylinder (1,2 Liter, 60 PS) und Luxus-Version "Berlinetta". Modelljahr 1973: Facelift, unter anderem mit mattschwarzem Kühlergrill. 1974: Debüt des Manta GT/E (1,9 Liter, 105 PS), des ersten Opel mit elektronischer Benzineinspritzung. 1975: Motoren mit reduzierter Leistung. 1.6 N (60 PS), 1.6 S (75 PS), 1.9 S (88 PS). Sondermodelle "Swinger", "Sommer Bazar 75" und "Black Magic". Sommer 1975: Produktionsende. Gesamtstückzahl des Manta A: 498.553.

Technische Daten

Opel Manta 1900
Reihenvierzylinder, vorn längs • zwei Ventile pro Zylinder, über seitlich im Kopf liegende Nockenwelle (CIH: camshaft in head) und Duplex-Steuerkette betätigt • Fallstromvergaser Solex 32 DIDTA-4 • Hubraum 1897 ccm • Leistung 66 kW (90PS) bei 5100/min • max. Drehmoment 149 Nm bei 2500–3100/min • Hinterradantrieb • Viergangschaltgetriebe (auf Wunsch Dreistufenautomatik) • Einzelradaufhängung an Doppelquerlenkern und Schraubenfedern vorn, Starrachse an Schraubenfedern hinten • Reifen/Räder 165 SR 13 auf 5,5x13" • Radstand 2430 mm • Länge/Breite/Höhe 4292/1626/1355 mm • Leergewicht 970 kg • 0–100 km/h 13 s • Spitze 170 km/h • Verbrauch 9 l Super • Neupreis 1970: 8559 D-Mark.

Plus/Minus

Einst Massenware, heute nicht mehr beliebig verfügbar: der millionenfach bewährte 1,9-Liter-Vierzylinder mit 90 PS.

Einer der schönsten Opel der letzten 50 Jahre, ausgerüstet mit millionenfach produzierter Technik eines soliden Baukastens, gepaart mit jeder Menge Nutzwert. Der Manta A schreibt heute wie damals Alltagstauglichkeit ganz groß: Vier Personen samt Gepäck finden problemlos Platz. Der durch Tuning-Exzesse der geschmacksbefreiten 80er-Jahre ramponierte Ruf ist längst wiederhergestellt, der Manta ist ein anerkannter Klassiker. Und bezahlbar ist er auch noch. Gute und originale Autos sind allerdings selten geworden, eine Sanierung der rostanfälligen Karosserie lässt die Kosten schnell in den roten Bereich drehen. Schlecht für Käufer: Die begehrenswerten SR- und GT/E- Topmodelle sind bereits in fünfstellige Preisregionen abgewandert.

Ersatzteile

Auch bei populären Opel-Modellen der 70er-Jahre stockt die Ersatzteil-Versorgung: originales Blech, Teile für den Innenraum, Chrom und Zierrat, all das ist längst nicht mehr einfach oder gar billig verfügbar. Sogar der ewig gebaute 1,9-Liter-Vierzylinder ist aus den Regalen der Verwerter verschwunden. Veteranen-Märkte und Internet sind bei der Teile-Suche die erste Wahl.

Marktlage

Hoppla, wo sind sie denn alle? Manta A aus dem Mittelfeld sind derzeit ausverkauft, es bleiben Reste-Rochen und restaurierter Edel-Fisch. Wie konnte sich ein fast 500.000-mal gebautes Volks-Coupé derart unbemerkt davonstehlen? Interessenten sollten abwarten, bis das richtige Auto auftaucht, denn die Restaurierung lohnt (noch) nicht.

Empfehlung

Ganz klar, die plüschig-luxuriöse Berlinetta-Version sowie die sportlichen SR- und GT/E-Typen sind die interessantesten Manta der ersten Generation. Die extrem seltenen, außer Haus gebauten Turbo und 2800-TE-Varianten sind teure Raritäten. Autos mit 1,9-Liter-Maschine repräsentieren die goldene Mitte: Sie sind standesgemäß motorisiert, zum 90-PS-Motor passt dann auch die optionale Automatik. Freunde des Originalen seien vor Umbauten auf größere Motoren aus Commodore, Omega und Co. gewarnt, auch Getriebe wurden häufig getauscht.

Autor: Jan-Henrik Muche



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