Opel Omega 3000

Opel Omega 3000 Opel Omega 3000

Opel Omega 3000

— 07.09.2007

Ein starkes Stück Omega

Der technisch weit entwickelte Omega 3000 24V ließ sogar Sportwagen rechts liegen, nur mit dem Image ging es fast noch schneller bergab. Kurzum, ein Auto zwischen doll und proll.

Im Frühjahr 1990 kommt es für die Porsche-Gemeinde zum Super-GAU, zur "Größten anzunehmenden Ungeheuerlichkeit": Im Vergleichstest wird der 944 S2 vom Omega 3000 24V mit 242 zu 238 km/h abgeledert. Ein Porsche unterliegt einem Opel, ein Sportwagen einer viertürigen Limousine mit weniger PS, die auch noch 25.000 Mark billiger ist. Horror, und die Opel-Freunde kichern. Seit September 1986 heißt Opels Einheitsmittelklasse Omega, was schwer nach Digitaluhr-Zeitalter klingt. Während Menschen mit asymmetrischen Problemfrisuren und Adidas-Allstar-Turnstiefeln die öffentliche Wahrnehmung bestimmen, greifen die Opel-Stylisten zum Geodreieck und entwerfen die konturlose Omega-A-Karosserie.

Blitz-Karriere: die Markengeschichte von Opel

Opel schneller als ein Porsche: Das kam bei den Fans gut an. Der Omega 3000 trägt dick auf mit Spoilern und Fuchs-Felgen.

Immerhin steckt erstmals eine rundum laufende Einzelradaufhängung mit hinteren Schräglenkern drunter, die Starrachse ist passé. So wie der sprichwörtliche Ruf des Zuverlässigen: Die Verarbeitung ist lasch, Besitzer früher Exemplare können ihrem Auto beim Rosten zuschauen, und innen rappelt die Armaturenbrett-Landschaft. Immerhin wird 1987 die Vierzylinder-Palette um den aus Senator und Monza bekannten Dreiliter-Reihensechszylinder mit 177 PS (mit Kat 156 PS) ergänzt, jetzt summt es wieder schön unter der Haube. Omega 3000 steht am Heck, aber der alte Sechser müht sich noch. Er bietet mehr Komfort denn Kraft. Was sich mit dem 3000 24V radikal ändert.

Kein Hauch von Noblesse, graue Plastikwüste der 80er beherrscht das Cockpit. Der Funktionalität tut das keinen Abbruch.

Die Ingenieure legen los, alles muss auf einmal rein: Alu-Zylinderkopf mit 24 Ventilen, zwei kettengetriebene obenliegende Nockenwellen, Bosch Motronic und das in zwei Stufen arbeitende Ansaugsystem "Dual Ram". Der Motor ist ein Sahnestück, selbst der Benzinverbrauch hält sich in Grenzen. Und als die großen Limousinen zum Vergleich antreten müssen, stellen sich BMW 535i sowie Lancia Thema 8.32 hinten an. 204 PS und 520 Liter Kofferraumvolumen in einem Auto: Keine Frage, dieser Omega für Eilige hatte es damals faustdick unter den Hauben. Und sieht als Kind der 80er-Jahre leider auch genau danach aus.

Günstig – und sauschnell

Die Verspoilerung ist durchgehend, das Fahrwerk 25 Millimeter tiefer, ein Aerodynamik-Paket signalisiert bemüht Technik-Kompetenz. Und die Fuchs-Räder passen auf diesen Opel wie Leggins zur Kittelschürze. Im Nachhinein betrachtet ist der Omega 3000 jedoch, gleich ob mit oder ohne 24V-Kürzel, dann doch stilsicher und bescheiden. Im Vergleich zu den geflügelten Batmobil-Varianten des Omega A – dem 230 PS starken DTM-Homologationsmodell Omega Evolution 500 3.0i 24V und dem per Biturbo aufgeladenen Lotus-Omega mit 377 PS – ist er nahezu gediegen und zurückhaltend. Und noch heute unverschämt günstig – vor allem im Vergleich zum langsameren Porsche 944. Zum Kichern.

Historie

1987 ergänzt der Omega 3000 (177 PS, 46.250 Mark) als Sechszylinder die Baureihe. 15.917 werden gebaut. 1989 wird daraus der Omega 3000 24V mit neu entwickeltem DOHC-24V-Triebwerk (204 PS, 52.930 Mark), gebaut werden bis 1993 knapp 15.400 Einheiten. 1990/91 folgt das DTM-Homologationsmodell Omega Evo 500 (230 PS, 89.400 Mark). 1990–92 folgt der Über-Opel Lotus Omega (377 PS, 125.000 Mark) mit 3,6-Liter-Biturbo, Spitze 283 km/h, Stückzahl 907.

Technische Daten

Opel Omega 3000 24V
Sechszylinder, Reihe, vorn längs, zwei oben liegende Nockenwellen • Hubraum 2996 ccm • 150 kW (204 PS) bei 6000/min • maximales Drehmoment 270 Nm bei 3600/min • Fünfganggetriebe • Hinterradantrieb • Länge/Breite/Höhe 4768/1790/1530 mm • Leergewicht 1465 kg • Reifen 205/65 ZR 15 • Scheibenbremsen rundum, vorn belüftet • Einzelradaufhängung rundum • Höchstgeschwindigkeit 240 km/h • 0–100 km/h in 8,0 s • Verbrauch 10,4 l Super/100 km • Neupreis 1989 52.930 Mark

Plus/Minus

Einer der besten Sechszylinder seiner Zeit: der 204 PS starke Dreiliter-Reihensechser im Omega 3000 24V.

Die schlampige Machart der frühen Baujahre trifft auf die ab 1990 gebauten 3000er-Modelle nicht mehr zu. Rost ist aber leider bei allen Omega A ein Thema. Das Triebwerk, als Omega 3000 mit seitlicher Nockenwelle, im 3000 24V als DOHC, wurde auch im Opel Senator B eingesetzt. Es ist ein prächtiges und typisches Stück Opel-Motorenbau. Reichlich Platz und ordentlichen Komfort bietet der Omega 3000 ebenfalls. Minus: Der Imagefaktor liegt außerhalb der Fraktion der Opel-Sportfreunde nahe null. Der leicht unseriöse Auftritt ist ansonsten wenig szenekompatibel. Bis man mit einem Omega 3000 zum Oldtimer-Meeting fahren darf, wird es noch dauern.

Marktlage

Es gibt sie noch, die guten Stücke aus erster oder zweiter Hand, für teilweise recht kleines Geld. Sie tauchen bei Privatleuten, seltener beim Händler auf. Zwischen 1000 und 5000 Euro ist alles drin. Neben gut behüteten Omega 3000 24V im Originalzustand stehen übel verbastelte Tuning-Derivate, deren Daseinsberechtigung allenfalls das Marken-Treffen sein kann. Fast alle sind Limousinen, der Caravan ist selten geworden. Kein Grund zur Verwirrung: Im letzten Baujahr 1993 steht nur noch ein schlichtes "24V" am Heck.

Ersatzteile

Ersatz für die meisten Karosserie- und Technikteile ist noch recht gut verfügbar. Eng dürfte es in Zukunft für die spezifischen Aerodynamik-Teile aus Kunststoff werden. Und: Spielereien wie das Digital-Cockpit sind praktisch nicht zu reparieren. Bei den Alt-Opel-Spezialisten ist der Omega noch nicht angekommen. Teile gibt es überwiegend beim Händler, im freien Zubehörhandel sowie im Internet. Selbermacher suchen natürlich auch beim Verwerter.

Empfehlung

Auch wenn der Omega A mit seinem 80er-Jahre-Design viele wohl nie begeistern wird, sind die 3000er aufgrund ihres Strickmusters mit luxuriös-sportlicher Ausstattung und starkem Motor Klassiker im Wartestand. Bei Youngtimern zählt die Qualität der Ausstattung, Wertzuwachs werden nur unverfälschte Autos erzielen. Das Originalexemplar ist unbedingt der bessere Kauf, und ein Omega 3000 24V Caravan mit Fuchs-Rädern dürfte bald eine Rarität sein.

Autor: Jan-Henrik Muche

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