Opel Rekord B von Sepp Herberger

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Opel Rekord B: Fahrt in Herbergers Auto

— 12.04.2016

Im Rekord vom "Chef"

Der grüne Opel Rekord B von Sepp Herberger, dem WM-Bundestrainer von 1954, ist immer noch gut in Schuss. Eine Runde zeigt die Qualitäten des großen Opel.

Die Heckansicht erinnert an die heute legendären Doppel-Rundleuchten der Corvette.

Das waren noch Zeiten, als Fußball-Helden noch bescheidene Menschen waren. Heute sind die Balltreter diesseits des grünen Rasens oft nicht mehr viel mehr als Reklameflächen auf zwei Beinen und deshalb auch bei der Wahl ihrer Autos alles andere als frei. Statt um Mobilität geht es um Medienpräsenz. Doch das war nicht immer so. Obwohl er es sich vermutlich als erster einigen Luxus hätte erlauben können, ist Sepp Herberger ein bescheidener Mensch geblieben. Selbst nachdem er die deutsche Elf 1954 zum Wunder von Bern geführt hatte und ihn die deutsche Automobilindustrie großzügig mit Einladungen zum "dauerhaften und unentgeltlichen Testfahren" bedachte, bewahrte der Fußballphilosoph die Bodenhaftung und blieb stattdessen seiner Hausmarke Opel treu. Sein letztes Auto war ein Opel Rekord B "L", den er zwölf Jahre nach seinem Triumph in der Schweiz und zwei Jahre nach seinem Rücktritt als "Chef" der Nationalmannschaft am 8. Februar 1966 im Autohaus Sporer in Weinheim-Lützelsachsen vor den Toren Mannheims kaufte. Für 9564 Mark und 50 Pfennig – bar und ohne jeden Rabatt. Mittlerweile hat Opel den Wagen zurückgekauft und den rüstigen Rentner wieder aufpoliert. Im guten Geist von gestern waren wir damit kurz vor der WM noch einmal auf Tour.

Zünftige Sonderausstattung in Herbergers Rekord

Der "Chef" mochte es bequem: Opel Rekord "L" mit Sonderausstattung.

Dabei macht der tundragrün lackierte Viertürer noch immer eine ausgesprochen gute Figur. Der über die volle Breite verchromte Kühler glänzt in der heißen Sommersonne und der Lack wirkt satt wie ein gut gewachsener Fußballrasen. Nur die Weißwandreifen, die dazwischen leuchten könnten wie die Spielfeldmarkierung im Strafraum, sind dem Zahn der Zeit mittlerweile zum Opfer gefallen. Innen dagegen sieht Herbergers Dienstwagen beinahe aus wie am ersten Tag: Aus dem Becker-Radio vom Typ "Mexico" singt Lale Andersen als wäre es erst gestern gewesen, und die Auslegeware in den Türen oder im Fußraum versprüht noch heute den Charme der guten alten Zeit. Dabei war Herbergers Rekord kein spartanisches Auto. Die Platzverhältnisse sind üppig, und ein bisschen Luxus durfte es für den bescheidenen Diplomsportlehrer doch sein: So weist der Kaufvertrag neben den 395 Mark Aufpreis für den 90 PS-Motor auch 95 Mark für das Viergang-Getriebe, 85 Mark für den Rückwandfenster-Trockner, und 395 Mark für das Stahlschiebedach aus.

Auto-Werbung zur WM 2014

Der Sitz des Weltmeistertrainers. Von hier aus steuerte Sepp Herberger ab 1966 seinen Opel Rekord.

Obwohl der Wagen nun schon fast 50 Jahre auf dem Buckel hat, meldet sich der 1,9 Liter große Vierzylinder bereits beim ersten Versuch mit einem freundlichen Tuckern im Hier und Heute zurück. Am dünnen Hebel der Lenkradschaltung den ersten Gang eingelegt, mit dem Fuß das Gaspedal gestreichelt und der Rekord setzt sich ohne Murren in Bewegung. Schnell nimmt der bunte Streifen im Balkentacho eine neue Farbe an und signalisiert auf diese Weise sehr auffällig, dass man nun den "grünen Bereich" verlässt und in der Stadt wieder auf Starenkästen achten muss. Wer danach den Fuß weiter beherzt auf dem kleinen Pedal lässt und zügig hoch in den vierten Gang schaltet, den beschleunigen die 90 PS auf 160 km/h, mit denen der nur 1000 Kilo schwere Wagen auch heute im Verkehr noch munter mitschwimmt.

WM-Teambusse 2014

Neben einer überlebensgroßen Kopie des Original-Fahrzeugscheins ist dieser handsignierte Atlas eines der offensichtlichsten Erinnerungsstücke im Auto.

Besonders angestrengt wirkt der Weltmeister-Rekord auf dieser Fahrt nicht. Und auch für den Fahrer ist die Zeitreise eine einfache Übung. Eine frische Brise Sommerwind fächelt durch die kleinen Ausstellfenster hinter der A-Säule herein und macht eine Klimaanlage überflüssig. Durch das Schiebedach lacht die Sonne wie ins Maracana-Stadion von Rio beim Finale. Und die hellbraun bezogenen Sitze sind tief und bequem wie der alte Fernsehsessel daheim im Wohnzimmer. Kein Vergleich zur harten Trainerbank am Spielfeldrand. Zugegeben, man muss das spindeldürre Lenkrad mit dem vornehmen Hupenring schon mit etwas festerer Hand führen als heute. Doch einem Fußballlehrer wie Herberger, der auch mit seiner Mannschaft nicht immer zimperlich umgegangen ist, dürfte das nicht schwer gefallen sein. Und weil die Bremsen nicht die besten sind, ist eben auf der Straße ein wenig von jener Weitsicht und Intuition gefragt, die einen guten Stürmer auszeichnet.

Umfrage: WM-Stars im Autokorso

Zwar wurde die zweite Auflage der Opel Rekord nur von Augusgt 1965 bis Juli gebaut, aber in diesen elf Monaten entstanden immerhin fast 300.000 Exemplare der populären Familien-Limousine. Wenn man allerdings heute mit dem Auto auf Tour geht, sind einem mehr Blicke sicher als in jeder teuren Luxuslimousine auf dem Mannschaftsparkplatz. Und selbst Werbepartner Jürgen Klopp könnte da nochmal das Umparken im Kopf üben.

Autor: Thomas Geiger

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Oldtimer

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