Pebble Beach 2012

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Pebble Beach 2012: Best of Show

— 24.08.2012

Altes Auto, großer Ruhm

Der "Best of Show"-Titel beim Concour d'Elegance von Pebble Beach kommt einer Heiligsprechung gleich. 2012 hat ein 1928er Mercedes 680S das Rennen gemacht.

Für die einen ist es einer der schönsten Golfplätze der Welt. Und für die anderen ist das Green von Pebble Beach nicht weniger als der "Gottesacker der Automobilgeschichte". Schließlich kommen nirgendwo mehr edle und vor allem teurere Oldtimer zusammen als beim gleichnamigen Concours d'Elegance auf der steinreichen Halbinsel vor der kalifornischen Pazifikküste. Über 200 PS-Pretiosen aus mehr als 100 Jahren haben sich deshalb dort am 19. August 2012 den neugierigen Blicken von vielen Tausend Besuchern und vor allem den kritischen Augen von rund 100 Juroren gestellt. Denn ein Klassensieg in Pebble Beach ist so etwas wie ein Ritterschlag für einen Oldtimer, und die "Best of Show"-Prämie kommt beinahe einer Heiligsprechung gleich. 2012 ging die begehrte Trophäe an einen Mercedes-Benz 680S Saoutchik Torpedo (Baujahr 1928). Mehr Ruhm kann es für ein altes Auto und seinen Besitzer nicht geben. Das ist nicht nur eine Sache der Ehre, sondern auch eine Frage des Geldes: Mit dem Siegertitel steigt auch der Wert des Wagens.

Die Auktionen in Pebble Beach: Die schönsten Autos

Schöne alte Autos und hübsche junge Frauen erwarteten den Besucher beim Concours d'Elegance in Pebble Beach.

Und Geld ist neben aller Faszination für Leistung, Lack und Leder eine entscheidende Triebfeder im Umgang mit Oldtimern: Denn das mobile Alteisen ist ein gutes Geschäft. Je unsicherer die Aktien werden, desto mehr Investoren versuchen es mit einem Klassiker und machen in der Regel gute Geschäfte. Denn die mittlerweile zahlreichen Auto-Indizes sind zuletzt stärker gestiegen als DAX & Co. Nicht umsonst wurden am Wochenende bei den vielen Auktionen rund um den Concours zahlreiche Rekordpreise erzielt. Allein R&M hat zwei Dutzend Autos für jeweils mehr als eine Million Dollar versteigert und für den Ford GT40 aus dem Steve McQueen-Film "Le Mans" elf Millionen erlöst. Und der Mercedes 540K von 1936 zählt jetzt zu den teuersten Oldtimern der Welt.

Pebble Beach 2012: Die teuersten Autos

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Einmal in der Pebble Beach-Jury sein und seine Traumautos bewerten: Davon träumt wohl jeder Klassiker-Fan.

Weil es für die Branche kein wichtigeres Treffen gibt als den Concours d'Elegance in Pebble Beach, ist das Fahrzeugfeld entsprechend hochkarätig besetzt. Und vor allem ist es international: Denn längst stehen auf dem Green vor der Lodge nicht nur Autos aus amerikanischen Kollektionen. Sondern auch Sammler aus Asien, Südamerika und Australien haben ihre Schätzchen nach Kalifornien geflogen und dabei einen solchen Bedarf an Spezialtransportern entwickelt, dass schon Wochen vor dem Concours im großen Kreis um San Francisco kein einziger Truck mehr zu mieten ist. Und natürlich sind auch die Europäer gut vertreten: Man hört Deutsch und Italienisch auf dem Rasen, Spanisch und Französisch.

Bilder Pebble Beach 2012

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Die vielleicht wichtigste PS-Party des Jahres beginnt schon im Morgengrauen: Minutiös geplant und choreographiert wie ein Ballett der Boliden nehmen innerhalb weniger Stunden über 200 PS-Pretiosen aus mehr als 100 Jahren Aufstellung auf dem kurz geschorenen, von der Pazifik-Brandung umtosten Grün der Millionärshalbinsel – und die allermeisten davon sind zumindest die letzten Kilometer auf eigener Achse gefahren und haben dabei den vielleicht teuersten Stau der Weltgeschichte produziert. In den undurchdringlichen Nebel mischt sich so ein wundervoller Duft von allerlei Brennstoffen, der aus Hunderten von Auspuffrohen wabert. Klimaschützern mag das die Zornesröte ins Gesicht treiben, doch für Autofans gibt es kein schöneres Parfüm als den Geruch von Benzin und heißem Motoröl, der sich in Pebble Beach mit dem Salz der See vermischt.

Klassik-Auktion: Fiat

Fiat 302/6 Transporter Fiat 302/6 Transporter Fiat 302/6 Transporter
Mit jeder Minute lichtet sich ein wenig der Nebel, und die Pracht wird deutlicher: Kotflügel an Kotflügel stehen fein sortiert nach Themen, Epochen und Herkunft historische Rennwagen neben Luxuslimousinen aus der Vor- und Nachkriegszeit, neben Schauferln von der Jahrhundertwende und wunderbaren Prototypen aus den frühen Fünfzigern, italienischen Sportwagen, deutschen Roadstern oder den legendären  "Woodies" von General Motors. Zwar liegt noch der Tau auf Motorhauben, Cabrioverdecken, Kühlerfiguren und Chromfelgen. Doch überall wird gewienert und poliert und mit Lappen, Druckluft und Zahnbürsten auch noch das allerletzte Staubkorn in der hintersten Ecke entfernt, um die Klassiker auf Hochglanz zu polieren.

Turbopanzer unterm Hammer

1972 Porsche L&M 917/10 Spyder 1972 Porsche L&M 917/10 Spyder 1972 Porsche L&M 917/10 Spyder
Den schönsten Wagen jeder Klasse wählen die Juroren aus. Jeweils zu dritt gehen sie wie die Inquisitoren durch die Reihen. Das Klemmbrett vor der Brust und die Brille auf der Nase prüfen sie bei jedem Auto etwa 20 einzelne Kriterien von Kleinigkeiten wie einem funktionierenden Blinker bis hin zur Qualität der Restaurierung und der Nähe zum Original. "Denn nur wenn ein Auto echt und zeitgemäß ist, hat es in Pebble Beach eine Chance", sagt ein Juror.

McLaren X-1 Concept: Pebble Beach 2012

Margaret Dunning mit ihrem Packard 740 Custom Eight Roadster (Bj. 1930). Die Amerikanerin ist stolze 102 Jahre alt und besitzt das Auto seit 60 Jahren.

Kandidaten dafür gibt es eine ganze Reihe. Bei den Maharadscha-Autos zum Beispiel, die früher mal den indischen Königshäusern gehört haben, gibt es ein, zwei extrem seltene, gut restaurierte Fahrzeuge wie den Rolls-Royce 18EX mit einer einzigartigen Geschichte. Ein Mercedes 540K hat immer das Zeug zum Gewinner, und wenn Karosseriebauer wie Jaques Saoutchik im Spiel sind, wird die Sache richtig spannend. Und meist auch erfolgreich: Jedenfalls war es nicht der in den frühen Fünfzigern getunte Timbs-Roadster, der beim Publikum so gut angekommen ist, der anachronistische Hoffmann X-8 als blaue Knutschkugel aus einer Zeit, als Oldtimer noch groß und ausladend waren oder über der 80 Jahre alte Packard von Margaret Dunning, die noch 20 Jahre älter ist als ihr Oldtimer und den Wagen eigenhändig nach Pebble Beach gefahren hat. Sondern im Konfettiregen stand am Ende der 1928er Mercedes 680S mit einer Torpedo-Karosserie von Saoutchik, der nun den Ehrentitel "Best of Show" tragen darf.

Da geraten Oldtimer-Fans ins Schwärmen: Rolls-Royce Phantom II "Star of India" (Bj. 1934) bei der Ausfahrt während des Concours d'Elegance 2012.

In der traditionellen Preiszeremonie auf dem Golfrasen gipfelt eine PS-Party, die mittlerweile eine ganze Woche dauert und mehrere hunderttausend Gäste anzieht. Denn lange bevor in Pebble Beach der große Concours startet, gibt es fast auf jedem Golfplatz in der Umgebung eine kleinere aber nicht minder prominent besetzte Schönheitskonkurrenz. Mal treffen sich Ferrari, Fiat & Co zum Concorso Italiano, mal ringen Mercedes, Audi und BMW um den Ehrentitel "Legend of the Autobahn", und mal geht es um den schönsten Hotrod oder den urigsten Woodie. Und wer die Autos mal im Einsatz sehen will, der schaut bei der Tour d’Elegance der Concorso-Fahrzeuge zu oder geht nach Laguna Seca und sieht die alten Rennwagen rasen, als könne man Ersatzteile für Cobra, Porsche 356 oder BMW M1 an jeder Ecke kaufen.

Mein lieber Schwan! Dieser niedliche Brooke 25/30 HP Swan Car (Bj. 1910) war eine Leihgabe des Louwman Museums aus dem niederländischen Den Haag.

Das wahrscheinlich exklusivste Vorspiel zum Concours ist das Event auf der Quaile-Lodge. Dort stehen neben den teuersten Oldtimern auch die teuersten Neuwagen der Welt, weil die Sammler schließlich auch irgendwie durch den Alltag kommen müssen. Weil sie ihre Zielgruppe nirgends so treffsicher ansprechen können wie dort, haben vor allem die Luxushersteller auch jede Menge neuer Autos mit gebracht: Eine Sonderserie des Rolls-Royce Phantom im Stil früherer Rekord-Flugzeuge, eine seriennahe Studie des Bentley Mulsanne als Cabrio, der BMW Z4 im Zagato-Design, eine Neuinterpretation des Porsche 550 oder ein abgedrehtes Art-Deco-Design für den McLaren MP4 12C – mit dem nötigen Kleingeld ist da einiges zu machen. Und damit es da erst gar keine Missverständnisse gibt, sorgen die Veranstalter schon über die Eintrittspreise für eine gewisse Exklusivität: Über 400 Dollar kostet der Eintritt zum "Motorsport Gathering" bei The Quail – und natürlich war der Platz wie immer ausverkauft.

Glücklich und zufrieden? Es sieht ganz danach aus! Der indische Kronprinz Mandhatasinh von Rajkot und seine Gattin beim Concours d'Elegance 2012.

Dass man nicht unbedingt reich und berühmt sein muss und auch kein teures Auto braucht, wenn man in Pebble Beach seinen Spaß haben will, das sieht man ein paar Meilen weiter beim "Concours de Le Mans". In einem eher schmuddeligen Vorort von Monterey küren dort mit viel Humor und noch mehr Spaß ein paar schräge Vögel um Initiator Jonathan Klinger aus Fahrzeugen wie dem Sunbeam Tiger, dem Fiat 500, dem Chrysler New Yorker, dem VW Phaeton oder einem Mazda 323 "hässlichsten Autos der Welt".  Klinger hat zwar ständig einen frechen Spruch auf den Lippen und ein Lachen im Gesicht. Doch was er zur Preisverleihung sagt, das meint er ganz ernst und schlägt damit die Brücke rüber auf den Rasen von Pebble Beach: Kein Auto ist so schlimm, schräg oder erfolglos, dass es nicht auch ein paar Liebhaber hat.

Autor: Thomas Geiger

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