Peel P50/Peel Trident

Peel

Peel P50/Peel Trident

— 15.06.2010

Die kleinsten Autos der Welt

Es ist zu eng, es ist zu laut, es ist zu heiß: Eine Fahrt in den Winzigwagen Peel P50 oder Peel Trident von der Isle of Man ist eine Tortur – und gerade deshalb ein einmaliges Erlebnis.

Die Maßstäbe verändern sich, wenn man mit Ferdi Tillmanns unterwegs ist. Dass die Begriffe klein und groß bei ihm ganz andere Bedeutungen haben, okay, das ist irgendwo logisch. Aber auch nah und fern definiert der 50-Jährige auf seine eigene Art. "Zu Aldi?", fragt Tillmanns beim Fotografen nach und guckt dabei so überrascht, als hätte man ihm gerade einen Ausflug zum Mars vorgeschlagen. Dann murmelt er: "So weit bin ich schon lange nicht mehr gefahren. Aber, na gut, ich mach's." Dann zwängt sich der Kneipenwirt aus Willich bei Düsseldorf ans Steuer und beginnt seine "Fernfahrt" – der Supermarkt ist gerade mal drei Straßenblocks entfernt. Etwa 1000 Meter weit ist die Strecke, und das beschreibt ziemlich genau die maximale Entfernung, die man ohne größere Schäden an Körper und Seele in einem Peel zurücklegen kann. Weil der 50 Kubikzentimeter große DKW-Motor direkt neben dem Fahrer sitzt und unfassbar viel Lärm und Hitze produziert.

Ferdie Tillmanns wirkt wie ein Reisender aus einer anderen Galaxie

Besitzer Tillmanns sammelt neben Peel auch Kabinenroller.

Weil sich das Auto mit dem hohen Schwerpunkt in jeder schnell gefahrenen Kurve auf die Seite zu legen droht. Und weil sich schon ein 1,80 Meter großer Fahrer zusammenfalten muss, um in dem Kleinstwagen überhaupt sitzen zu können. Sie merken schon: Es gibt irrsinnig viele Gründe, keinen Peel zu fahren. Aber, um ehrlich zu sein, die zählen alle nicht. Weil der P50 zwar das kleinste Auto der Welt ist – aber auf der anderen Seite auch schlichtweg großartig. Eine Fahrt durch Tillmanns' Heimatstadt in dem 1,35 Meter kurzen P50, Baujahr 1963, oder in dem 1,83 Meter langen Zweisitzer Trident von 1964 ist jedenfalls ein Erlebnis. Hier, wo zu Schützenfestzeiten fast jedes Haus beflaggt ist und ein Schild an Markttagen das Mitführen von Fahrrädern verbietet, wirkt Ferdi Tillmanns mit seinem blauen P50 oder dem roten Trident wie ein Reisender aus einer anderen Galaxie. Ein Junge mit Skateboard knallt vor lauter Staunen fast gegen eine Laterne. Eine Frau stürzt aus dem Haus und erzählt, dass auch sie Oldtimer liebe und ein altes Adler-Motorrad im Keller habe.

Peel P50 oder Trident: Nur 48 von 120 Fahrzeugen haben überlebt

Berechtigte Frage: Wie lange halten es zwei Erwachsene mit Beckenknochen-Kontakt unter einer Plexiglashaube aus?

So ein P50 oder Trident ist eine Rarität: Gerade mal 48 Fahrzeuge sollen überlebt haben, die Firma Peel hatte auf der Isle of Man (Großbritannien) einst 120 Stück gebaut – und sich später auf den Bootsbau konzentriert. Die 4,2 PS starken Miniautos waren als motorisierte Einkaufswagen für die Stadt gedacht und dementsprechend einfach gestaltet. Rückwärtsfahren erlaubt das schlichte Dreigang-Getriebe zum Beispiel nicht. Stattdessen hat der P50 einen Griff am Heck, an dem der Fahrer sein Auto anheben und in die Parklücke ziehen kann – schließlich wiegt der Wagen nur 62 Kilo. Der Zweisitzer Trident bringt es immerhin auf 90 Kilo und erlaubt das spannende Experiment, wie lange es zwei Erwachsene mit Beckenknochen-Kontakt unter einer Plexiglashaube aushalten, die zwar UV-Strahlen reinlässt, aber keine Hitze wieder heraus.

"Beim letzten Peel-Treffen auf der Isle of Man sind zwei Verrückte im Trident aus Liverpool angereist", brüllt Tillmanns durch den Lärm des Zweitakters. Engländer eben. Er selbst hat die Dreiräder erstmals 1987 auf einem Kleinwagentreffen gesehen. "Ich wusste sofort: So'n Ding musst du haben." Die wenigen vorhandenen Exemplare werden allerdings nicht gehandelt, daher gibt es offiziell auch keine Preise. Kleiner Trost: Der Engländer Andy Carter bietet Nachbauten an. Sie kosten ab 9000 Pfund, etwa 13.300 Euro. Ferdi Tillmanns denkt derweil über das zweite große Abenteuer nach. Nach der Fahrt zu Aldi sagt der Peel-Besitzer: "Vollgas habe ich mich noch nicht getraut." Es wären stolze 70 km/h.

Technische Daten

Peel P50/Peel Trident Einzylinder-Zweitaktmotor • Hubraum 49 ccm • Leistung 3 kW (4,2 PS) bei 6800/min • Hinterradantrieb (Kette) • Dreigang manuell ohne Rückwärtsgang • Dreieckquerlenker vorn, Schwingarm mit Schraubenfedern hinten • Seilzugbremse vorn • Reifen 3,50 x 5 (Kart) • Länge/Breite/Höhe P50: 1346/990/939 mm; Trident: 1829/1070/1219 mm • Leergewicht P50: 62 Kilo; Trident: 90 Kilo • Tank ca. 8 Liter • Gemisch 1:25 • Höchstgeschwindigkeit ca. 70 km/h

Die Historie der Zwergautos und Fiberglas-Boote auf der Isle of Man

Funktionen wie Licht oder Hupe werden über einen Kombi-Schalter am Dreispeichen-Lenkrad bedient.

Dass die Isle of Man in der Irischen See überhaupt auf eine Automobilhistorie verweisen kann, das verdankt sie der Peel Engineering Company. Das Unternehmen aus der gleichnamigen 4000-Seelen-Stadt stellte zunächst vor allem GFK-Verkleidungen für Motorräder und Autos her und baute 1955 das erste Miniauto – den Peel Manxcar. 1962 folgte der Einsitzer P50, zwei Jahre später der Trident mit zwei Plätzen. Alternativ war der Wagen auch mit herausnehmbarem Einkaufskorb an Stelle des Beifahrersitzes zu haben, durfte so schon mit 16 Jahren gefahren werden. Auf Basis des Mini entstand zudem 1966 der Peel Viking Sport – von ihm wurden 25 Exemplare gebaut. Ein Jahr später stellte Peel die Produktion von Autos ein, konzentrierte sich wieder auf Motorrad-Verkleidungen und – unter dem Namen West Marine Ltd. – auf den Bau von Fiberglas-Booten, vor allem auf kleine Fischerboote mit Außenbordmotor wie den Peel Inshoreman 18.

Autor: Alex Cohrs

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