Peugeot 205 CTi Cabriolet im Klassik-Test
— 22.06.2011
Windiger Geselle
Der offene Peugeot 205 kam 1986 als Ersatz für den Talbot Samba. Gebaut wurde er beim Hauslieferanten Pininfarina. Bis 1994 blieb das erfolgreiche Cabrio im Programm.
Bei
Peugeot hatten sie es gut, damals in den 70ern und 80ern. Für Sonderwünsche war traditionell der Hausschneider Pininfarina aus dem Turiner Vorort Grugliasco zuständig. Ein Coupé vom
504? Bitte schön. Oder ein Cabrio vom erfolgreichen Kleinwagen
205? Dauert etwas länger, aber hier ist es! Der 205 erschien 1983, er löste so kantige Autos wie Talbot Samba oder Peugeot 104/
Citroën LN ab, und er rettete den französischen Autokonzern vor der Pleite. 1986 kam das Cabrio, nachdem PSA und Pininfarina bereits mit dem offenen, aber erfolglosen Samba versucht hatten, das Bügel-Rezept des
Golf zu kopieren. Französische Lässigkeit und italienischer Stil sind zwar gut für Design und Temperament eines Cabrios, jedoch weniger nützlich für die Verwindungssteifigkeit. Verglichen mit den deutschen Konkurrenten ist der 205 ein windiger Geselle, der sich schon auf harmlosen Hubbeln spürbar verbiegt und ächzt wie die Kellertür in einem Horrorfilm.
Im luftigen Peugeot mit seinen grazilen Dachsäulen weht eine steife Brise.
Das schadet dem 205 jedoch keineswegs. Er folgt gierig dem Lenkeinschlag und turnt hurtiger um die Pylonen als
Golf,
Kadett und
Escort, die allesamt im Vergleich dazu etwas verschlafen und träge wirken. Wer den 205 kennt, ist bei schneller Kurvenfahrt aber auf der Hut: Er mag es gar nicht, wenn der Fahrer in forsch gefahrenen Biegungen zu schnell vom Gas geht. Dann teilt er wilde Heckschlenker aus. So unreifes Gehabe ist der Konkurrenz fremd. Leider gönnten die Peugeot-Strategen dem Cabrio nur die 102-PS-Version des 1,9-Liter und nicht die spätere Version mit 120 PS. Dennoch ist der 205 ein munteres Auto: Er beschleunigt zügig, hängt munter am Gas und würde noch viel mehr Freude bereiten, wenn das Getriebe sich besser schalten ließe. Der offene 205 blieb bis 1994, Nachfolger war der bügellose, seriöse
306. Chance vertan, Peugeot und Pininfarina.
| Fahrzeugdaten |
205 CTi Cabrio |
| Motor |
Vierzylinder, vorn quer |
| Ventile/Nockenwellen |
8/1 |
| Nockenwellenantrieb |
Zahnriemen |
| Hubraum |
1891 ccm |
| kW (PS) bei U/min |
75 (102)/6000 |
| Nm bei U/min |
142/3000 |
| Höchstgeschwindigkeit |
185 km/h |
| Getriebe |
Fünfgang, manuell |
| Antrieb |
Vorderrad |
| Bremsen vorn/hinten |
Scheiben/Trommel |
| Testwagenbereifung |
195/50 R 15 V |
| Radgröße |
6,0 x 15“ |
| Verbrauch (Werksangabe) |
8,7 Liter/100 km |
| Tankinhalt/Kraftstoffsorte |
50 Liter/Normal |
| zulässiges Gesamtgewicht |
1265 kg |
| Kofferraumvolumen |
216 Liter |
| Vorbeifahrgeräusch |
74 dB (A) |
| Abgas CO2 (berechnet nach Werksverbrauch) |
206 g/km |
|
| Messwerte |
| Beschleunigung 0-50/-80 km/h |
3,0/7,9 s |
| 0–100 km/h |
9,7 s |
| Elastizität 60–100/80–120 km/h |
8,4/16,3 s |
| Bremsweg aus 100 km/h |
42,8 m |
| Leergewicht/Zuladung |
932/333 kg |
| Gewichtsverteilung vorn/hinten |
62/38 Prozent |
| Wendekreis (links/rechts) |
10,7/11,0 m |
| Innengeräusch bei 50/100 km/h |
69/76dB (A) |
| Testverbrauch - CO2 |
10,2 Liter - 242 g/km |
| Reichweite |
490 km |
|
| Kosten |
| Steuern pro Jahr |
287 Euro |
| Versicherung (HPF/100 %) |
701 Euro |
| Werkstattintervalle |
10.000 km |
| Kosten Ölwechsel/Inspektion |
100/300 Euro |
| Zeitwert (Zustand 3, Stand 7/2011) |
2600 Euro |
Autor:
Heinrich Lingner
Fazit
Früher warfen wir ihm seine luschige Verarbeitung und die wabbelige Karosserie vor, schon damals konterte der 205 alle Kritik mit seinem Charme. Den hat er sich bis heute bewahrt, betört noch immer mit seinem quirligen und fröhlichen Charakter. Aber Perfektion? Non, Chérie!
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