Porsche 911 S

Porsche 911 S: Klassik-Test

— 28.02.2011

Hier fährt der Super-Käfer

Unter seinem Blech steckt ein wild gewordener VW, der 911 kann seine Wurzeln nicht verleugnen. Im Wettbewerb "Deutschland sucht den Superkäfer" hätte dieser Porsche beste Chancen.

Seine VW-Wurzeln kann der Porsche 911 S zu keinem Zeitpunkt verbergen. Nicht nur die stehenden Pedale und die Hebel zur Bedienung der Heizung zwischen den Sitzen wecken das Käfer-Feeling im 911, auch das Brummen im Heck. Im luftgekühlten Wirtschaftswunder-Sound der 50er- und 60er-Jahre schnattert der Boxermotor bis 3500 Touren von seinen Erlebnissen auf dem Supermarktparkplatz. Wo der 911 übrigens gar nicht so fehl am Platz ist, wie es der Name Porsche – der eher nach Rennpferd als nach Einkaufswagen klingt – vermuten lässt. Im Alltag zwischen Brötchen und Büro wirft er überzeugende Talente in die Waagschale: Seine Lenkung dreht sich leicht, denn der Heckmotor entlastet die Vorderräder. Die Übersicht der Karosserie ist im filigranen Porsche ordentlich, und die Schaltung findet zwar hölzern, aber zielsicher ihren Weg durch die fünf Gänge.

Inbegriff des klassischen deutschen Sportwagens: Der Porsche 911 aus den 60er-Jahren. Hier in der S-Version.

So richtig wild wird der Käfer im Porsche indes erst jenseits von 3500 Touren. Dann steigen seine sechs Zylinder zum munteren Schlagabtausch in den Boxer-Ring, und Leben kommt ins Elfer-Heck. Die Maschine verliert ihren freundlichen Unterton, kreischt wild auf, schreit mit jeder Umdrehung schriller und erinnert schließlich an eine Motorsäge, die sich verbissen durch einen Baumstamm frisst. Lohn des Lärms: beachtliche Fahrleistungen. Knapp zehn Sekunden bis auf 100 km/h und beeindruckende 220 km/h Spitze. Trotzdem kann ein 911 S-Fahrer einen Vollgaspiloten im Fiat Dino auf gerader Strecke nicht abschütteln. Dass der Porsche härter als andere abgestimmt ist – Ehrensache. Steifbeinig rollt er über Buckelpisten, poltert unbeholfen durch Schlaglöcher und knufft seinen Fahrer gern mal ins verlängerte Rückgrat.

Doppelt luftgekühlt: Porsche 911 S Targa

Ganz nebenbei ist der 911 S immer zu Scherzen aufgelegt. Das beweist er, wenn die Straße ihren geraden Kurs verlässt. Lange spielt der Porsche in Kurven artig mit, bleibt leicht untersteuernd lammfromm. Doch dann – urplötzlich – lässt er seinem Heck freien Lauf. Juhu, die Rutschpartie beginnt, und damit ist der Könner am Lenkrad gefragt. Wer jetzt nicht abfliegen will, sollte schleunigst gefühlvoll gegenlenken. Dann machen solche Drifteinlagen richtig Spaß. Nicht umsonst ist der 911 der deutsche Sportwagen schlechthin. Welcher Mann träumt nicht vom eigenen Elfer? Entsprechend teuer ist er leider – und bleibt es auch.
Fahrzeugdaten Porsche 911 S
Motor Bauart/Zylinder Sechszylinder-Boxer
Ventile/Nockenwellen 12/2
Nockenwellenantrieb Kette
Hubraum 1991 ccm
kW (PS) bei U/min 125 (170)/6800
Nm bei U/min 181/5500
Höchstgeschwindigkeit 220 km/h
Getriebe Fünfgang, manuell
Antrieb Hinterrad
Bremsen vorn/hinten Scheiben/Scheiben
Testwagenbereifung 185/70 VR 15
Radgröße 6,0 x 15“
Verbrauch (Werksangabe) ca. 16,0 l
Tankinhalt/Kraftstoffsorte 62 l/Super
zulässiges Gesamtgewicht 1400 kg
Kofferraumvolumen 200 l
Außengeräusch 74 dB (A)
Abgas CO2 (berechnet nach Werksverbrauch) 379 g/km
Messwerte
Beschleunigung 0–50/0–80 km/h 4,0/7,5 s
0–100/0–130 km/h 9,7/14,6 s
Elastizität 60–100 km/h 8,9 s
Bremsweg aus 100 km/h 50,8 m
Leergewicht/Zuladung 1034/366 kg
Gewichtsverteilung vorn/hinten 40/60 %
Wendekreis 11,0/10,9 m
Innengeräusch bei 50/100 km/h 68/74 dB (A)
Testverbrauch – CO2 15,8 l – 374 g/km
Reichweite 390 km
Kosten
Steuern pro Jahr 191 Euro
Versicherung (HPF/100 %) 96 Euro
Werkstattintervalle 10.000 km
Kosten Ölwechsel/Inspektion 180/420 Euro
Zeitwert (Zustand 3, Stand 3/2011) 35.500 Euro
Andreas Borchmann

Andreas Borchmann

Fazit

Laut muss er sein und hart. So mögen die Fans den 911 S. Und genau das bietet unser 68er Modell. 911 in seiner reinsten, unverfälschten Form. Nur die enge Verwandtschaft zum VW Typ 1 kann er nicht leugnen. Wie er brummt, wie er federt, wie sein Heck nach außen drängt – wie ein durch­gedrehter VW Käfer.

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