Porsche 911 Turbo gegen 928 S4

Porsche 911 Turbo gegen 928 S4

— 18.09.2010

Welcher Porsche ist der beste?

Luftgekühlter Sechszylinder-Boxer gegen wassergekühlten V8, Frontmotor gegen Heckmotor, komfortabler Gran Turismo gegen brettharten Sportler: zwei Porsche – und zwei Welten.

AUTO BILD Archiv-Artikel 45/1986: Der neue Porsche 928 S4 hat den 911 Turbo im Preis (125.000 D-Mark) eingeholt. In der Leistung (320 PS) hat er ihn (300 PS) überholt.  Für diese Einsicht brauchte ich nur wenige Minuten. Im engen 911er ist es rich­tig gemütlich. Links lehnt der Arm an der Fahrertür, und rechts gehe ich mit dem Beifahrer auf Tuchfühlung. Das klappt im modernen 928 nicht so gut. Hier fühle ich mich verloren. Eine synthetische Raum­schiff-Atmosphäre lullt den Fahrer ein, ein breiter Mitteltunnel schottet ihn vom Mit­fahrer ab. "Ergonomie" nennen das die Fachleute und meinen damit, dass ich alle Bedienungselemente ohne die kleinste Verrenkung erreichen kann. Und tatsäch­lich, das haben sie gut hingekriegt. Mit den Druckschaltern und Drehknöpfen kann man sich kaum vertun.

Das Original: Der Artikel von 1986 als kostenlosen Download

Verwechslungsgefahr besteht im 911 Turbo schon eher. Da sind unzählige kleine Schalter wahllos übers Armaturen­brett verstreut. Das erfordert Konzentra­tion aufs Wesentliche – eine Tugend, die der 911-Pilot zwingend besitzen sollte, um die Launen des mittlerweile 22 Jahre alten Sportwagens zu tolerieren. Das wichtigste bei einem Sportwagen ist der Motor. Und der sitzt samt Getriebe beim 911 im Heck. Da drückt er mit seiner ganzen Last auf die angetriebene Hinter­achse. Das bringt beste Beschleunigungs­werte, aber auch ein kritisches Kurvenver­halten. Wenn der volle Schub einsetzt, wird aus starkem Untersteuern kräftiges Über­steuern. Dann wischt der Elfer giftig mit dem Heck nach außen. Ruhige Nerven und gefühlvoller Gasfuß sind dann angeraten.

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Ein ausgeglicheneres Naturell offenbart der 928. Seine Antriebsquelle wanderte unter die lange Fronthaube, das Getriebe sitzt vor der Hinterachse (Transaxle-Bau­weise). Eine mit Motordrehzahl laufende Welle transportiert die Kraft von vorn nach hinten. Das Ergebnis ist eine bessere Gewichtsverteilung. Und die bringt Vortei­le im Fahrverhalten. Der 928 liegt insge­samt satter auf der Straße. Ich habe nie das Gefühl der Unsicherheit – weder bei engen, schnellen Kurven noch beim Wahnsinnstempo 265 auf der leeren Auto­bahn. Stur zieht der Super-Porsche seine Bahn. Und ich sitze lässig und völlig entspannt in den bequemen Ledersesseln. Der Motor brummt angenehm, der Wind zischelt zurückhaltend um die Dach­pfosten. Wenn ich da an den 911 denke……

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Autor: Jürgen von Gosen

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