Porsche 944 Renault Alpine V6

Porsche 944 gegen Renault Alpine V6

— 25.10.2010

Ich geb’ Gas, wer macht mehr Spaß?

AUTO BILD Archiv-Artikel 48/1986: AUTO BILD-Tester Roger Wehde fuhr den Renault Alpine V6 und den Porsche 944. Ihre Gemeinsamkeiten: Turbostärke, Spitze über 250 km/h. Wer hat die flache Schnauze vorn?

Porsche-Fahrer mögen mir verzeihen: Aber als ich die ersten Kilometer mit den beiden Konkurrenten dieses Vergleichstests hinter mir hatte, kam es mir vor, als würde ich einen Formel 1-Rennwagen mit einer Luxussänf­te vergleichen. Der Porsche 944 wirkte plötzlich ungeheuer komfor­tabel, geradezu unsportlich. Renault-Fahrer bitte ich um Vergebung: Denn nach Beendi­gung des Tests ist mir klar, dass ich den Porsche immer vorziehen würde. Im Gegensatz zur Alpine wird er mich nämlich auch an schlechten Tagen immer gut ans Ziel bringen. Aber beginnen wir von vorn. Die Konzepte der Kontrahenten sind grundverschieden. Der Re­nault: Flach, gestreckt, die Karos­serie ganz aus Kunststoff - da hat der Rost keine Chance, - und der laufruhige Sechszylinder im Heck.

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Der Porsche: Rund, etwas pummelig, das Blechkleid ver­zinkt – Rostgefahr besteht nur, wenn die Schutzschicht durch Steinschlag oder Kratzer beschä­digt wird. Der raue Vierzy­linder vorn, das Getriebe aber hinten (Transaxle-Bauweise). Ähnlichkeiten gibt's nur bei den Räumlichkeiten und der Lei­stung. Beide sind 2+2-Kinder-Sit­zer. Höchstens im Alpine halten es Erwachsene hinten mal für kürzere Zeit aus. Dafür passt in den Porsche-Kofferraum auch wirklich ein Koffer, während der Franzose unter der Fronthaube nur Platz für ein Täschchen hat. Auf beiden Fahrer-Schalensit­zen fühlt man sich wohl. In der Alpine sitze ich wie im Flugzeug.

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Scheinbar eingegossen zwi­schen Getriebetunnel und Tür habe ich alle Bedienungselemen­te und das handliche Lederlenk­rad (höhenverstellbar) gut im Griff, die orangefarbenen Instru­mente, den Bordcomputer und die zahlreichen Kontrollanzeigen jederzeit im Blick. Im 944 ist's da­für fast wie zu Hause. Gemütlich, weil geräumiger. Sofort vertraut, weil mit den Rundinstrumenten und ihren weißen Zahlen schnell überschaubar. 200 PS leistet der Renault-­Turbo. Das reicht für beeindruc­kende 6,7 Sekunden bei der Be­schleunigung von 0 auf 100 km/h und für beängstigende 255 km/h Spitze. Da hat sogar der sonst überlegene Porsche (220 PS, 6,1 Sekunden 0 bis 100 km/h) das Nachsehen. Aber 253 km/h sind ja wohl auch genug.

Reise-Renner

Ich jedenfalls fühle mich bei diesem Tempo nur noch auf abgesperrten Teststrecken wohl. Und so richtig im Porsche. Denn der Stuttgarter läuft auch dann noch schnurgeradeaus. Über­haupt ist der 944 fast kinderleicht zu fahren. Weder die enorme Kraftentfaltung, wenn bei 2500 Touren der Turbolader einsetzt, noch die bei Bedarf sehr kräftig zupackenden Bremsen treiben ihn aus der Bahn. Auch in Kurven hat der Fahrer immer das Sagen (Übertreibungen ausgeschlos­sen). Und die Lenkung ist trotz Servounterstützung nie gefühl­los. Das alles wurde mit einer sportlich straffen Fahrwerksabstimmung erreicht, die auch für Reisen ausreichenden Komfort bereithält.

Anders der Renault: Da darf man keinen schlechten Tag haben. Zum Beispiel wenn der Kopf schmerzt. Das Fahrwerk ist so hart, dass es jeden Kiesel­stein an die Wirbelsäule weiter­gibt. Oder wenn es regnet. Dann genügt ein Tick zuviel aufs Gas­pedal, und der rennunerprobte Fahrer fährt kostenlos Karussell. Oder wenn es mal sehr schnell gehen muss. Ab Tempo 200 braucht der Renault starke Hände, sonst sucht er eigene Wege. Was für die Alpine spricht: Mit 59.500 D-Mark ist sie deutlich billi­ger als der Porsche (74.980 D-Mark). Und: Wenn es trocken und die Strecke frei ist, kann man mit ihr Formel 1 live erleben. Dann klebt sie förmlich am Asphalt, folgt der direkten Lenkung (ohne Servo) wie ein Go-Kart und er­laubt so schnelle Kurvenge­schwindigkeiten, wie sie sich wohl kein Normalfahrer zutraut. Zugegeben, das hat auch seine Reize. An guten Tagen ...

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