Porsche 984: Roadster-Prototyp

Porsche 984: Der streng Geheime Porsche 984: Der streng Geheime Porsche 984: Der streng Geheime

Porsche 984: Verlorene Prototypen, Teil 2 von 4

— 23.10.2014

Porsche 984: Der streng Geheime

Dass niemand mit dem Porsche 984 etwas anfangen kann, ist Absicht. Nicht nur die Entwicklung des Mittelmotor-Roadsters geschieht im Verborgenen, auch seine Existenz wird streng geheim gehalten.

Statt eines flattrigen Faltdachs findet ein versenkbares Hardtop hinter den Sitzen Platz.

Als der fahrbare Prototyp vom Porsche 984 im März 1988 mit geleertem Tank, ausgebauter Batterie und konservierten Fahrwerkteilen weggestellt wird, hat Porsche nämlich vor, sein jüngstes Kind irgendwann vielleicht doch zu verkaufen. Mit dieser Idee betritt Porsche Neuland, denn als die Vorentwicklung 1984 beginnt, haben die Ingenieure einen Sportzweisitzer auf Seat-Basis im Kopf. Im Auftrag der Spanier hat Porsche für den Ibiza bereits einen 85 PS starken 1,5-Liter-Vierzylinder entwickelt, der sich – quer gestellt – gut als Mittelmotor eignen würde. Als Seat abspringt, machen sie das Beste daraus: einen Porsche! "Junior" nennen sie ihn, weil Spitznamen für neue Modelle und Prototypen bei Porsche Tradition haben und weil der 984, in der zukünftigen Modellpalette zwischen 924 und 944 verortet, ein fahraktiver, kompakter, leichter und agiler Zweit-Porsche sein soll. Da der Neue den Namen Porsche trägt, muss etwas Besonderes geboten werden, das die Konkurrenz nicht hat: Statt eines flattrigen Faltdachs findet ein versenkbares Hardtop hinter den Sitzen Platz, Hinterradantrieb ist Pflicht, ausreichend Platz für einen optionalen Allradantrieb wird bereits bei der Entwicklung eingeplant, der Rest munter improvisiert.

Vergessene Prototypen von Porsche

Porsche-Prototypen der 60er bis 80er Porsche-Prototypen der 60er bis 80er Porsche-Prototypen der 60er bis 80er
Serie: Die vergessenen Porsche
Ohne die Prototypen von gestern gäbe es die Autos von heute nicht. Porsche hob sie auf, zahllose frühe und späte Um- und Abwege der eigenen Entwicklungsgeschichte. Ihnen blieb die Serienfertigung verwehrt, sie wurden allenfalls in Teilen Realität. Geschichte schrieben sie trotzdem. In dieser Serie zeigen wir Porsche- Prototypen – hier folgt der zweite von vieren.

Der kleine, echte Porsche wird als zu teuer abgelehnt

Bei der Inneneinrichtung des 984 half ein Griff ins Teileregal – Grüße vom 944!

Der Innenraum besteht aus 944-Teilen, die Bremsen stammen vom alten Elfer, die Lenkung von dessen Nachfolger 964, die Steuerelektronik vom 928 und das überarbeitete Getriebe vom 912 E, der ja auch schon eine Notlösung war. Ausgerechnet beim Motor hakt es, O-Ton: "Luftgekühlter Porsche-Heckmotor als Neuentwicklung. Ausführung als Boxermotor mit 4-Ventiltechnik, 4 Nockenwellen und 2 l Hubraum. Turbolader und Weiterentwicklung zum Flugmotor möglich." Die kühne Innovation verendet schon in der Konzeptphase, vermutlich ist einfach kein Geld für ein kostspieliges Randgruppen-Triebwerk da. Stattdessen wird ein steinalter, beim Tuningbetrieb Willibald immerhin frisch frisierter Vierzylinder aus dem 914 verbaut. Aus 2,4 Liter Hubraum holt der Boxer, dessen Lüfterrad per Abtriebswelle angetrieben wird, schmale 135 PS. Im Juni 1987 startet der Prototyp zur Jungfernfahrt, es finden sogar Messungen im Straßenverkehr statt. Der 984 fährt nicht nur, er wirkt sogar schon leidlich ausgereift! Am 17. September ist Vorführung beim Vorstand. Der senkt rasch den Daumen: zu teuer! So wird der Typ 984 im März 1988 nach vierjähriger Entwicklungszeit weggestellt, und weil ihn niemand kaufen wird, kommt von den zehn Millionen Mark Entwicklungskosten keine einzige Mark wieder rein. Trotzdem: Die Idee eines kleinen, echten Porsche ist in der Welt.

Technische Daten

Der versteckt liegende Motor ist ein getuntes Volksporsche-Triebwerk.

Vierzylinder-Boxermotor, luftgekühlt, hinten längs eingebaut • zwei Ventile pro Zylinder, Benzineinspritzung • Hubraum ca. 2400 ccm • Leistung 99 kW (135 PS) bei k. A. • max. Drehmoment k.A. • Hinterradantrieb • Fünfgang-Schaltgetriebe • Reifen 195/50 VR 16 (vorn), 205/50 VR 16 (hinten) • Radstand: 2272 mm, L/B/H 3800/1590/1170 mm • Spitze: ca. 230 km/h, 0–100 km/h: ca. 8 Sekunden

… und was wurde daraus?

Tja, vermutlich der Boxster. Vieles spricht für diese zumindest ideelle Verwandtschaft der beiden Junior-Modelle: Die Idee eines kompakten, leichten und agilen Roadsters, eines "echten" Porsche als Einsteigermodell unterhalb des 911, die Mittelmotor-Konzeption, die Abmessungen. Mit großer Wahrscheinlichkeit haben Ingenieure, Stilisten und Vertriebler einen Blick auf den 984 geworfen, bevor sie das weiße Blatt Papier für den Boxster herausholten. In Ausführung und Design scheinen jedoch keine fünf, sondern 15 Jahre zwischen dem finalen 984-Entwicklungsstand und der Boxster Studie von 1993 zu liegen.

Porsche 984: Geheimer Roadster-Prototyp

Porsche 984: Der streng Geheime Porsche 984: Der streng Geheime Porsche 984: Der streng Geheime


Autor: Jan-Henrik Muche

Fotos: G. von Sternenfeld

Stichworte:

Cabrio Prototyp Roadster

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