Mercedes W 123

Pro & Kontra: Brot-und-Butter Autos verschrotten?

— 04.02.2016

Sind Mauerblümchen erhaltenswert?

Einige Oldtimer-Liebhaber bewahren Alltagsautos von früher, die kaum große Gefühle wecken. Sollte man diese Autos erhalten? Zwei Kollegen diskutieren über die Liebe zum gewöhnlichen Stahl.

Für manche Leute ein nichtiges Auto, für andere ein erhaltenswerter Klassiker: Renault 11.

Sie standen mal an jeder Ecke, die viel gefahrenen und selten geliebten Alltagsautos von früher. Schon damals haben wir sie nicht beachtet, Als Oldtimer haben sie es nicht viel leichter. Denn wer nimmt sich eines Autos an, dessen An­schaffung schon früher nichts mit Leidenschaft zu tun hatte? Das Hobby Oldtimer ist und bleibt nun mal ein Herzensthema – wie passt das also zusammen? Wer kümmert sich um Mazda 323 (BD), Opel Ascona C, Volvo 343 und VW Jetta II? Sind es ahnungslose Nerds, sind es Roman­tiker, die mit diesen Autos Erinnerungen verknüpfen? Sind es Mainstream-Hasser oder einfach nur wahrhaft coole Typen, die keine Statussymbole brauchen? In der Redaktion von AUTO BILD KLASSIK ist der Reiz des reizlosen Autos beliebter Diskussionsstoff. Die Kollegen Martin Puthz und Lukas Hambrecht debattieren leidenschaftlich.

Vergessene Bestseller der 80er-Jahre

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"Die Flöhe und die Wanzen gehören auch zum Ganzen"

Ja, bitte: Martin Puthz hat ein Herz für simple Anti-Helden.

"Die Flöhe und die Wanzen gehören auch zum Ganzen." Was ein Schul­freund meiner Frau als Kind ins Poesiealbum geschrieben hat, sollte der Altblech-Szene eine Mahnung sein. Brot-und-Butter-Autos wie lästige Insekten von der Schrottpresse zermal­men zu lassen, ist Frevel – und zwar an techni­schem Kulturgut, für dessen Pflege Vater Staat uns Privilegien einräumt. Kulturgut? Ja! Dieses Prädi­kat verdienen nicht nur luftgekühl­te Sportwagen und V8-Boliden in glän­zender Chromrüstung, auch wenn es auf vielen Klassikertreffen den Anschein hat. Natürlich soll jeder nach seiner Fas­son selig werden: Wer lieber Elfer oder Mustang fährt als Tercel oder Derby - bitte sehr! Trotzdem wird es Zeit, dass wir uns der Mauerblümchen stärker an­nehmen. Gerade bei Autos der 80er - Sportwagen und Oberklasse ausge­nommen – haben fehlende Sammlergunst und Ab­wrackprämie den Be­stand bedrohlich dezi­miert. Ich ziehe meinen Hut vor allen, die solche Anti-Helden gegen jede wirtschaftliche Vernunft restaurieren und sich sogar noch Spott dafür gefallen lassen. Eine Alltagskarren-Schwemme braucht übrigens niemand zu fürchten: Es gibt schon jetzt nur noch so wenige davon, dass selbst die größten Langweiler von gestern heute richtig spannend sind.

"Für mich hat Auto viel mit Faszination zu tun"

Nein, danke: Lukas Hambrecht empfindet nichts für automobile Helden des Alltags.

Schön, dass es Menschen gibt, die sich für einen Fiat Regata, Seat Ronda oder VW Derby II aufopfern. Aber ganz ehrlich: Autos müssen für mich faszinierend sein, das war schon als Kind auf dem Autoteppich so. Da waren ein Ferrari F40 von Matchbox oder ein Phantom Corsair von Hot Wheels auch schon coo­ler als ein Renault 25 von Majorette oder ein VW Passat Variant von Siku. Ich kann es verstehen, wenn aufgrund von Kindheitserinnerun­gen eine Bindung zu einem für den Rest der Welt langweiligen Auto besteht. Damit wir uns nicht falsch verstehen, liebe Tercel-oder Derby-Fans: Ich ver­neige mich vor eurem Idealismus. Aber ich habe den Selbstversuch natürlich schon gemacht und bin mit dem Audi 80 der Nachbarswitwe einfach nicht warm geworden. Ich will von Big Sur träumen, nicht vom Urlaub im Harz. Ich will bei einem Liebhaberauto Formen, Farben und Technik, die mich aus den Schuhen hauen. Wenn ich mit der Hand über das Dach ei­nes 67er Ford Mustang Fastback streichle, be­komme ich Gänsehaut. Wenn ich am Zündschlüssel drehe und der Big-Block-V8 er­wacht, gleich noch mal. Wenn es da drau­ßen jemanden gibt, der mit dem glei­chen Gefühl in seinen Derby oder Renault 11 steigt, freue ich mich auf Ihre Meinun­gen und Leserbriefe!

So stehen die beiden AUTO BILD KLASSIK-Kollegen zu gewöhnlichen Oldies. Wie sehen Sie das?

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