Pro & Kontra Scheunenfund-Restauration

Pro & Kontra: Ehrenamt

— 03.06.2015

Brauchen wir das Ehrenamt?

In Oldtimerclubs sorgen viele Ehrenamtliche dafür, dass alte Autos auf unseren Straßen fahren. Doch brauchen wir das Ehrenamt noch? Zwei Meinungen aus der Redaktion.

Der "Homo oeconomicus" ist ein stets streng rational den eigenen Vorteil suchendes Individuum. Viele Modelle vom menschlichen Zusammenleben basieren auf der Annah­me, dass Menschen so sind. Was für ein Glück, dass das nicht stimmt! Wir sind im Gegen­teil durchaus bereit, ohne Ge­genleistung anderen etwas Gutes zu tun. Bei der Oldtimerei ist nicht nur die Beziehung des Enthusiasten zu seinem Auto von Emotionalität geprägt. Auch der Umgang miteinander zeugt davon: Wir bauen und schrauben gemeinschaftlich, wir denken uns Ausfahrten aus, wir in­vestieren Zeit und Energie in Projekte an­derer. Offiziell heißt das "Ehrenamt". In diesem Begriff liegt eine Spannung: Ei­nerseits finden wir darin einen gewisser­maßen hoheitlichen Auftrag, das "Amt"; andererseits beschränkt sich die Form der Entlohnung auf ein Dankeschön. Daher die Frage: Brauchen wir das Ehrenamt noch?

Concorso d'Eleganza 2015 in Bildern

Concorso d'Eleganza 2015: Galerie Concorso d'Eleganza 2015: Galerie Concorso d'Eleganza 2015: Galerie

"Ehrenamt hält zusammen, was zusammengehört"

Für Till Schauen ist freiwiliges Engagement für die Oldtimerei von zentraler Bedeutung.

AUTO BILD KLASSIK-Redakteur Tll Schauen:
Es ist keine Schande, dass man sein Herzensauto nicht selbst aufbauen kann. Manch einem fehlen einfach die Mög­lichkeiten: Zeit, Platz, Talent. Ich selbst zum Beispiel habe das Schrauben aufgegeben, nachdem ich einsehen musste, dass guter Wille allein nicht genügt. Also bleibt mir nur, auf die Hilfe von Leuten zu vertrauen, die sich auskennen und als Lohn für ihre Unterstützung nur wünschen, dass ich ihrem Club beitrete. Das Ehrenamt hält zusammen, was zu­sammengehört. Es stellt das Hobby in einen großen Rahmen und lädt andere ein, daran teilzuhaben. Das kann reicher Lohn sein. Die Menschen, die wir stell­vertretend für viele tausend Engagierte vorgestellt haben, leisten Beachtliches, oft auf hohem Niveau – mitunter so hoch, dass in anderen Kontexten saftige Ho­norare fällig wären. Das bleibt natür­lich manchen Marketing-Pro­fis nicht verborgen, die dann dieses Engagement gern als festen Posten zum Nulltarif einpla­nen. Das bringt eine ge­schäftsmäßige Kälte, die manchen Ehrenamtler schaudern lässt. Freiwilliges Engagement ist für die Oldtimerei von zentraler Bedeutung. Es ist zugleich ein zartes Pflänzchen, das besonderen Schutz braucht. Daran mö­ge bitte jeder denken, der dieses Enga­gement in Anspruch nimmt.

Messerundgang Techno Classica Essen 2015

Messerundgang Techno Classica Essen 2015 Messerundgang Techno Classica Essen 2015 Messerundgang Techno Classica Essen 2015

"Ehrenamt muss man sich leisten können"

Christian Steiger hat's versucht - und aufgegeben.

AUTO BILD KLASSIK-Redakteur Christian Steiger:
Respekt. Tiefer Respekt für jeden, der sich im Clubleben engagiert, der Treffen organisiert, Home­pages programmiert, Clubzeitschriften redigiert, am besten alles zusammen. Ehrenamtliche Traditionspfle­ge ist eine große, schöne Aufgabe – und eine, die manchmal Nerven wie Schaltseile braucht. Ich hab’s versucht, vor vie­len Jahren schon, als Mitgründer eines Clubs, den es noch heute gibt. Viele Freundschaften haben sich seit damals gehalten, obwohl ich die Marke ge­wechselt habe und nur noch Zaungast bin. Aber ich erinnere mich auch an die finsteren Momente der Clubarbeit. An die ungezählten Wochenenden, die ich zu Hause verbrachte, das Clubheftchen zusammenpuzzeln. Ich erinnere mich an Anrufe am späten Abend, nicht immer waren angenehme Typen am Apparat, und manche konnten fordern, als seien sie mein Chef. Und ich weiß noch, dass fast kei­ner "Danke!" sagte. Es war ein abendfüllender Nebenjob. Ich kenne Leute, die ihn seit Jahr­zehnten machen, obwohl es gar nicht mehr notwendig ist, Mitglied in einem Club zu sein – unsere digitale Welt macht vieles möglich. Vor diesen Idea­listen verneige ich mich voller Ehrfurcht. Denn auch daran erinnere ich mich: Mein Hobby hatte ich erst zurück, als ich das Ehrenamt wieder los war.

Bodensee-Klassik 2015 – Tag 2: Eine Frage der Farbwahl

Bodensee-Klassik 2015: Tag 2 Bodensee-Klassik 2015: Tag 2 Bodensee-Klassik 2015: Tag 2
Soweit unsere Kontrahenten. Wie ist Ihre Meinung? Brauchen wir das Ehrenamt? Stimmen Sie hier ab!

Klassik-Umfrage: Brauchen wir das Ehrenamt?

'Brauchen wir das Ehrenamt?'

"Engagement braucht Anerkennung"

Und hier die Meinung von Peter Schneider (Mitglied der Alt-Opel-IG, Präsident des DEUVET): Jeder Oldtimerclub ist auf die ehrenamtliche Tätigkeit seiner Mitglieder angewiesen, sonst kann das Leistungsspektrum von Mitgliederbetreuung, Finanzen, Messen, Veranstaltungen und Clubmagazin nicht funktionieren. Als Delegierter der Alt-Opel-IG beim DEUVET lernte ich schon vor Jahren den Bereich des Hobbys ken­nen, der nicht nur zur unmittelbaren Pflege automobilen Kulturguts gehört. Denn um den Oldtimer zu erhalten und zu fahren, brauchen wir die entsprechenden Gesetze, für die wir vom DEUVET uns einsetzen. Auch unsere Arbeit ist ehrenamtlich, sie nutzt allen Oldtimerbesitzern. Jede Mühe braucht ihren Lohn, und der ist umso wich­tiger, als er nicht in Euro ausgezahlt wird. Ehrenamt braucht Anerkennung, sonst geht unserem Hobby der Boden verloren.

Bodensee-Klassik 2015 – Tag 3: Prüfung in der Höhe

Bodensee-Klassik 2015: Tag 3 Bodensee-Klassik 2015: Tag 3 Bodensee-Klassik 2015: Tag 3

Autoren: Till Schauen, Christian Steiger

Diesen Beitrag empfehlen

Kommentare

Datenschutz

Die Technik der Kommentarfunktion "DISQUS" wird von einem externen Unternehmen, der Big Head Labs, Inc., San Francisco/USA., zur Verfügung gestellt. Weitere Informationen, insbesondere darüber, ob und wie personenbezogene Daten erhoben und verarbeitet werden, finden Sie in unseren Datenschutzbestimmungen

comments powered by Disqus
Anzeige

Automarkt

Finden Sie im Automarkt von autobild.de Ihren Gebrauchtwagen.

Bei autohaus24.de Neuwagen günstig kaufen und Geld sparen.