Mercedes W 123

Pro & Kontra: Klassiker im Kino

— 02.11.2016

Retten tolle Autos einen schlechten Film?

Autos machen Filme sehenswert, finden viele. Aber kann ein interessantes Auto einen schlechten Streifen retten? Zwei Redakteure streiten darüber.

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'Retten tolle Autos einen schlechten Film?'

Sagen Sie uns, wen Lieutenant Bullitt beschützen soll und warum. Außerdem wollen wir den Namen der Enkelin von Omi Steinmetz wissen und warum Froschauge mitten in der Nacht ein Musketierheft, einen Vierfarbenstift, Taschenlampenbatterien und Trockenfleisch in der Tüte kauft. Keinen Plan? Wir nehmen allerdings an, dass Sie sich an das Dunkelgrün von Bullitts Ford Mustang so gut erinnern können wie an die Startnummer des tollen Käfers Herbie und das finale Rennen zwischen Falfa und Milner auf der Paradise Road in "American Graffiti". Dass Sie selbst bei "Grease" auf die Autos geschielt haben. So ist das mit Autofreaks: Sie erinnern sich zuallererst an die Wagen und dann (oder nie) an den Rest. Die Frage ist, wie wichtig der ist. Zwei Kollegen streiten, ob coole Autos einen schlechten Film sehenswert machen können?

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"Die Stimmung macht's, nicht nur die Handlung"

Ja, bitte: Christian Steiger bekennt sich zum B-Movie.

Wenn Sie mal ein richtig schönes Kino sehen wollen, ich weiß da eines, Baujahr 1954, ganz im Originalzustand, mit goldenen Kronleuchtern im Foyer und der Originalbestuhlung von ... Ach so, ja, ich schweife ab. Passt aber trotzdem. In meinem Lieblingskino könnte der größte Mist laufen (und das tat er in den Achtzigern), ich würde trotzdem immer wieder hingehen – weil die Stimmung zählt. Deshalb sitze ich manchmal vor dem Fernseher und bleibe nur deshalb an deutscher B-Ware der Fünfziger hängen, weil O.W. Fischer im DKW 3=6 sitzt oder Peter Alexander aus dem Studebaker steigt. Stört mich nicht, dass das verfilmte Groschenhefte sind, im Gegenteil. Ich erfreue mich an den Straßenszenen, den Autos und der Architektur – und nehme die behämmerten Dialoge als das, was sie heute sind: Stimmen aus einer vergangenen Zeit. Soll ich mich dafür schämen? Nö. Ich weiß ja, dass es auch damals Avantgarde gab (sogar in Deutschland!), trotzdem kann mir auch der Kitsch noch interessante Geschichten erzählen. Mein Lieblingskino war früher übrigens am vollsten, wenn der seichte Kram lief. Und jetzt entschuldigen Sie mich bitte: Gleich läuft "Nachtschwester Ingeborg" (Deutschland 1958) mit Claus Biederstaedt, Immy Schell und Porsche 356.

Autos im Fernsehen: Wir sind TV-Stars!

"Wegen eines Autos gucke ich doch nicht 90 Minuten fern"

Nein, danke: Henning Hinze will interessante Geschichten.

Am 17. November 1985 habe ich wegen eines Autos den Fernseher eingeschaltet. Die "Schwarzwaldklinik" hatte mein Interesse mit ihrer V.A.G.-Leistungsschau mit Golf Cabrio und Audi 200 geweckt, und in Folge 7 sollte auch noch ein aufwendig inszenierter Überschlag mit einem Nissan 300ZX zur Handlung gehören. Das hatte ich in Mamas "Funk Uhr" gelesen (denn lesen hatte ich gerade gelernt). War okay, gelangweilt habe ich mich trotzdem. Seitdem weiß ich intuitiv: Ein einfältiger Film bekommt nicht dadurch Tiefe, dass ein Auto durchs Bild fährt. Ist auch logisch, wenn man drüber nachdenkt. Was macht einen guten Film aus? "Ein guter Film hat weniger mit seiner Herkunft zu tun als mit der Haltung derjenigen, die ihn machen", sagt der deutsche Regisseur Tom Tykwer. Regionale, historische oder kulturelle Bezugspunkte sind wichtig, interessieren aber am Ende nur wenige. Ein guter Film berührt stattdessen die Massen mit einer Auseinandersetzung mit einem der großen Themen der Menschheit: Liebe, Hass, Hoffnung, Vertrauen, Entscheidungen. Es ist natürlich kein Fehler, wenn dabei ein schönes Auto durchs Bild fährt (also vielleicht auch nicht gerade ein Nissan 300ZX). Aber entscheidend ist nicht die Kulisse, sondern die Handlung! Soweit die Meinung der beiden Redakteure. Was meinen Sie? Stimmen Sie gern oben ab!

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