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Pro & Kontra: Kompromissloser Konsumentenschutz

— 04.12.2016

Verbraucherschutz um jeden Preis?

Das aggressive Vorgehen von US-Verbraucherschützer Nader war stets umstritten. Verbraucherschutz ohne Rücksicht auf Verluste? Zwei Redakteure streiten über das Für und Wider.

Umfrage

'War es richtig von Nader, den Verbraucherschutz durchzuboxen?'

Ist Ralph Nader ein profilneurotischer Bürokrat oder ein Anwalt der Menschlichkeit, ein Egomane oder Weltverbesserer? Hätte die Autoindustrie, von Einsicht getrieben, nicht auch freiwillig ihre Sicherheitsstandards erhöht – ohne das strenge Korsett der Nader’schen Gesetze? War es überhaupt segensreich, was er auf den Weg gebracht hat? Ralph Nader polarisiert noch heute. Man darf ihn jedoch nicht auf seinen Einfluss auf die Auto­-Gesetzgebung reduzieren. Als Verbraucheranwalt hat er viel für die Rechte der Konsumenten getan und sogar US­-Präsidentschaftswahlen beeinflusst. Er gilt daher als eine der wichtigsten Personen der jüngeren Geschichte. Und beim Auto? Für die US­-Hersteller war dieser Mann der Paragrafen jedenfalls wie ein Aufprall auf ein stehendes Hindernis. Hatte Ralph Nader recht? Hier zwei Positionen.

AUTO BILD-Gebrauchtwagensuche

"Im Kapitalismus geht Gewinn meist vor Mensch"

Bernhard Schmidt sieht bei der US-Autoindustrie in der Zeit vor den 80er-Jahren schwere Fehler im System.

Allein 1965 starben in den USA
 50.000 Menschen im Straßenverkehr. Nicht hinnehmbar, fand
 der Jurist Ralph Nader, zumal technische Lösungen für Unfallprävention und besseren Insassenschutz längst existierten. Dass mit seinen Sicherheitsgesetzen schließlich
 die gesamte US-­Autobranche in die Krise stürzte, mag erstaunen, 
ist bei näherem Hinsehen aber 
kaum verwunderlich.
 Der damalige Turbo-­Kapitalismus des Landes förderte kurzfristiges Gewinnstreben, nicht Qualitätsbewusstsein. Positive Produkteigenschaften wurden daher oft nur vorgespiegelt – das war billiger. Mit dieser Denke wurden die USA Weltmeister der "Images", also der wunderbaren Verpackungen, die das Kleinhirn angenehm bespielen. Bei­spiel Harley­ Davidson: ein lautes, durstiges, unhandliches und lahmes Motorrad, das nur eines hat – ein Image. Bei Autos war es lange nicht anders. Gegen die geballte Technikkompetenz und Qualität aus Japan und Deutschland war die US-­Fahrzeugindustrie chancenlos, als Nader ihr den letzten scharfen Zahn zog: das auf Styling basierende Image, das so viele Menschen das Leben kostete.

Reif fürs H-Kennzeichen: Klassiker von 1987

VW T1 Bulli VW T1 Bulli VW T1 Bulli

"Beim Auto zählt neben Sicherheit auch Sinnlichkeit"

Nein, danke: Christian Steiger hält nichts von Sicherheits-Hysterie.

Wir müssen gar nicht streiten: In den Autos, die heute unsere Herzen wärmen, starben die Leute früher sinnlose Tode. Ralph
 Nader hat die schwachen Stellen
 entdeckt und angeprangert. 
Lange vor ihm hatten das in Old Germany schon Autotester wie Fritz B. Busch oder 
Alexander Spoerl getan. Das war richtig und rettete unzählige Menschenleben. Aber natürlich
 hatte auch ein Ralph Nader nicht immer recht. Einfach deshalb, weil das wichtigste Teil des Autos immer noch das Hirn seines Fahrers ist. Fatalerweise ging die Sicherheits­-Bewegung der 60er-­ und 70er­-Jahre von dümmstmöglichen Lenkern aus und hätte am liebsten jeden VW Käfer, jeden britischen Roadster, überhaupt jedes Auto ohne fette Sicherheits­-Stoßstangen verboten. Weiß noch jemand, wie albern so ein früher Volvo 244 DL aussah? Und wie nah das Sterben der Cabriolets war, ausgelöst von Hysteri­kern, die am liebsten auch im Aufzug einen Sturzhelm getragen hätten? Beinahe hätten sie in ihrer Angst auch die letzten Lieblingsautos der Romantiker gekillt. Jener Leute, die beim Fahren ans Fahren denken. Und nicht ans Sterben. Soweit die Meinung der beiden Redakteure. Was meinen Sie? Stimmen Sie oben ab!

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