Mercedes W 123

Pro & Kontra: Mercedes W 123

— 04.12.2015

Verdient der 123er so viel Liebe?

Für die einen ist der Mercedes W 123 blechgewordene Perfektion, für die anderen ein lahmer, lauter Gaul. Wo liegt die Wahrheit? Zwei Meinungen aus der Redaktion. 

2.696.915. So viele Mittelklasse-Mercedes der Baureihe 123 liefen von 1976 bis 1985 vom Band. Nur der direkte Nachfolger wurde ein paar Tausend Mal häufiger gebaut. Heute ist der 123er der zweitpopulärste Oldtimer nach dem VW Käfer: 15.523 Exemplare waren in Deutschland 2014 zugelassen. Noch – oder wieder, denn ein Zuwachs von 32,6 Prozent beim H-Kennzeichen zeigt, dass viele ausrangierte Exemplare nach einer Restaurierung wieder zurück auf die Straße kommen. Warum eigentlich? Ist es die Sehnsucht nach der Quintessenz des "Made in Germany", für die die "Mutter aller Mittelklassen" geradezu symbolisch steht? Oder lassen sich auch viele Oldtimerfans allzu leichtfertig vom Glanz des Sterns verführen?

"Der W 123 ist der Prototyp eines perfekten Mercedes"

Ja, bitte: Lars Busemann fährt seinen 200 D seit 1994.

Wer behauptet hier, Autokenner konnten damals keinen Mercedes fahren? 2,7 Millionen Käufern des 123ers zu unterstellen, sie seien sternenglanzgeblendete Autolaien, ist eine Frechheit! Der Mittelklasse-Mercedes war als Neuwagen kein Revoluzzer, sondern stellte das maximal Machbare an Sicherheit, Solidität und technischer Perfektion dar. In den 70ern gewann er fast jeden Vergleichstest – keiner seiner Konkurrenten war so ausgewogen wie er. Was die Qualität von Verarbeitung und Materialien angeht, konnte keiner seiner zeitgenössischen Konkurrenten mithalten – nicht der BMW 5er (E12) und schon gar nicht der anfangs lausig zusammengesteckte Audi 100 (Typ 43). Na gut, ein Erstserien-123 konnte nach sechs Jahren durchgerostet sein – damit war er aber in allerbester Gesellschaft, denn Rostschutz gewann überall erst in den 80er-Jahren an Bedeutung. Doch die massive Konstruktion und die Wartungsfreundlichkeit eines Einszwodrei machen ihn zum Langzeitauto, Abertausende Exemplare mit teils siebenstelligen Kilometerständen in westafrikanischen Ländern belegen dies – übrigens nicht alles Diesel! Ein W 123 fährt immer, wo eine Straße ist.

"Schluss mit dem Märchen vom Ewigkeits-Automobil"

Nein, danke: Martin Puthz findet den W 123 überschätzt.

Liebe 123-Freunde, bevor Ihr mich zur Fahndung ausschreibt: Im Grunde mag ich Euer Auto. Einen Großteil meiner Kindheit hab ich auf der Rückbank eines signalroten 200 D verbracht. Und wenn die eigene Karre streikte: Vaters 123er sprang immer an. Trotzdem war mir schon früh klar, dass der Mercedes überschätzt wird. Gemütlich – ja, das ist er. Um ihn als Klassiker zu mögen, reicht das auch. Trotzdem ist es eine Frechheit, was man den Kunden seinerzeit für teures Geld an Kargheit und an nicht vorhandener Fahrdynamik zugemutet hat! Ein Wunder, dass die so was mit sich machen ließen. Okay, der Wiederverkaufswert, aber präzise Lenkungen, kultivierte Benziner, anständige Sitze? Autokenner konnten damals eigentlich keinen Mercedes fahren. Komme mir jetzt niemand mit der Qualität! Ein Ewigkeitsauto ist der W 123 nie gewesen. Für den Rost war er ein gefundenes Fressen. Die Technik ist allenfalls beim Diesel unkaputtbar. Von dessen gutem Ruf zehrt die gesamte Baureihe. Dass der lahme, laute, anspruchslose Ackergaul heute im Schatten der Benziner steht, zeigt mir, wie wenig auch ein Teil der Szene den 123er verstanden hat.
So stehen die beiden Redakteure zum W 123. Wie sehen Sie ihn?

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'Mercedes W123: Perfekt oder überschätzt?'

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