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Pro & Kontra Oldtimer-Kennzeichen

— 07.11.2014

Brauchen wir das H-Kennzeichen noch?

Immer mehr Autos mit Kat und günstiger Steuer werden 30. Wozu dann noch die H-Zulassung für historische Wagen? Zwei Meinungen aus der AUTO BILD KLASSIK-Redaktion.

Noch ist das H begehrt. Die Zahl der Oldtimer mit H-Kennzeichen in Deutschland steigt laut dem Verband der Automobilindustrie (VDA) um acht bis zehn Prozent im Jahr. Zum Jahreswechsel waren es 279.250 Pkw – mit Lastwagen und Motorrädern sogar 314.000 Fahrzeuge. Aber längst nicht alle Autos über 30 Jahre tragen das H, sondern nur gut 62 Prozent. Der Rest fährt ohne Anerkennung als historisch wichtiges Fahrzeug. Die einen, weil ihr Zustand nicht gut genug ist fürs H, andere, weil die Besitzer lieber das originale DIN-Kennzeichen am Auto lassen. Eine dritte Gruppe verzichtet, weil die Einheits-Kfz-Steuer von 191 Euro im Jahr höher wäre als die, die sie jetzt zahlen. Das gilt für Kleinwagen und Saisonkennzeichen – und für immer mehr Autos mit Kat; denn deren reguläre Steuer ist oft niedriger als die fürs H-Kennzeichen.

"Das H-Kennzeichen signalisiert: Dies ist nicht irgendeine Karre."

Frank B. Meyer erinnert daran: H heißt historisch.

Fran
k B. Meyer, stellvertretender Chefredakteur von AUTO BILD KLASSIK: Sie sehen das pragmatisch mit dem H-Kennzeichen? Können Sie ja. Spare ich Steuer, gebe ich Geld fürs H-Gutachten aus, will ich in die Umweltzone – legitime Fragen. Aber wenn Sie durch und durch pragmatisch wären, dann läsen Sie AUTO BILD KLASSIK nicht. Wer sich der Oldtimerei widmet, hat entweder egoistische oder selbstlose Motive. Oder, meistens, beides. Zu den egoistischen Beweggründen gehört, geben wir es zu, ein kleines bisschen Spaß an der Selbstdarstellung. Perfekt dafür ist ein Oldtimer, der stimmig aussieht. Mit einem profanen Euro-Kennzeichen tut er das nicht. Mit einem zeitgenössischen DIN-Schild schon. Oder eben mit dem H – es signalisiert: Dies ist nicht irgendeine Karre. Alter und Zustand dieses Autos sind so besonders, dass der Staat es offiziell "historisch" nennt. Die Grundidee hinter dem H-Kennzeichen ist eine selbstlose: Es ist nicht dazu da, den Besitzer vor Steuern zu schützen, sondern das Auto vorm Verfall. Weil es ein Stück technisches Kulturgut ist. Eine tolle Regelung. Die sollten wir unterstützen. Wer das rein pragmatisch sieht, behandelt Kulturgut nach den gleichen Kriterien wie einen x-beliebigen Gebrauchtwagen.

"Ich verzichte auf den Ritterschlag der Zulassungsbehörde."

Mario Pukšec will fürs H nicht draufzahlen.

Mario Pukšec
, stellvertretender Chef vom Dienst, AUTO BILD: Ich geb’s ja zu: So ein H am Ende des Nummernschilds beeindruckt auch mich, bescheinigt es doch einen erhaltenswerten Zustand. Aber zu welchem Preis? Mein Auto ist weder Kat-loser Umweltsünder noch Hubraumriese. Sein 1,8-Liter-Motor schafft Euro 2, kostet 132 Euro Kfz-Steuer fürs ganze Jahr. Einen praktischen Nachteil habe ich durch die normale Zulassung nicht. Dank grüner Umweltplakette darf ich sogar in jede Umweltzone. Der Nachteil ergibt sich erst beim Versicherer. 30-Jährige mit H bekommen Rabatt, mein 30-Jähriger ohne H nicht. Deshalb dürften die 191 Euro keine Pauschale sein, sondern der Höchstsatz. Wenn das Auto konventionell zugelassen günstiger ist als 191 Euro, muss das H genauso günstig sein. Sonst ist der Sinn des Oldie-Kennzeichens bald nicht mehr der Erhalt historischen Kulturguts, sondern nur eine weitere Einnahmequelle für den Finanzminister. So aber verzichte ich auf den Ritterschlag der Zulassungsbehörde. Ob mein Auto historisch wertvoll ist oder nicht, bewerte ich für mich selbst. Und da ich dem jungen Klassiker Streusalz und Minusgrade erspare, zahle ich für die Saison 4–10 sogar nur 77 Euro. Auch das funktioniert mit dem obligatorisch ganzjährigen H-Kennzeichen nicht.

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