Mercedes W 123

Pro & Kontra: Preise für günstige Oldtimer steigen

— 02.06.2016

Sollten Einstiegsklassiker teurer werden?

Neuerdings steigen die Preise auch für die billigsten Oldtimer. Ist diese gehobene Wertschätzung für die Szene gut oder schlecht? Hier die Meinung zweier Redakteure.

Noch vor wenigen Jahren war die Eintrittsschwelle ins Klassi­kersegment sehr niedrig, doch die Zeiten sind vorbei. "Es gibt keine wirklich guten Autos mehr für unter 1000 Euro“, sagt Marius Brune vom Marktbeobachter Classic Data, "mehr als 2.000 Euro muss man inzwischen eigentlich immer ausgeben." Zwei AUTO BILD KLASSIK-Redakteure streiten, ob die gestie­gene Wertschätzung für Einstiegsklassiker für die Szene eher gut oder schlecht ist.

"Klassiker sollen günstig sein - aber nicht spottbillig!"

Ja, bitte: Christian Steiger warnt vor Dumpingpreisen.

Ach, ist das traurig, es gibt keine Oldtimer mehr, die weniger kos­ten als ein Mittelklasse-Fahrrad! Traurig? Nö, find ich nicht. Ich denke, es ist gut für unser Hobby, wenn ein Klas­siker zwar günstig ist, aber nicht spottbillig. Und zwar deshalb, weil es im Um­gang mit Oldtimern ums Erhalten geht, nicht ums Aufbrauchen. Das mag onkelhaft klingen, aber mal ehrlich: Wie viele rich­tig gute Brot-und-Butter-Autos sind im Alltag verröchelt, weil sich das Investieren in ordentliche Wartung und gescheite Karosserie-Reparaturen finanziell nicht lohnte? Und: Erinnert sich noch jemand an die rentnergepflegten VW Jetta, Ford Sierra oder Volvo 340, die vor ein paar Jahren der Verschrottungsprämie zum Opfer fielen? Eben: Deshalb, weil sie nur selten waren, auf dem Papier aber fast nix wert. Ja, es wird ein paar Leute geben, die sich jetzt einen Youngtimer nicht mehr ganz locker leisten können: Gerade die jun­gen Einsteiger müssen neuerdings ein paar Wochen länger sparen. Sie haben mein Mitleid. Aber nur ein bisschen: Denn das war schon früher so, in den Achtzigern, als ein Monat TÜV beim halbwegs seriösen Mercedes /8 oder Ford Granada noch einen Hunderter kostete. Das war richtig viel Geld. Ge­nau so viel, um die alte Kiste dann auch wirklich zu lieben.

"Die gesellschaftliche Akzeptanz ist in Gefahr"

Nein, danke: Henning Hinze fürchtet Elitenbildung.

Klassiker sind wie Drogen. Kaum je­mand entscheidet sich bewusst für das Eintauchen in die zugehörige Szene, die meisten rutschen irgendwie rein. Die Klassikerszene braucht also "Einstiegsklassiker", wenn man so will. Bisher gab es die. Man­che Menschen kauften aus Stilempfinden oder einer Laune heraus ei­nen Gebrauchsklassiker für den Alltag. Andere stellten irgendwann über­rascht fest, dass sie sich trotz Bau­sparvertrag ihren Traumwagen leisten konnten. So wurde die Klassikerszene konstant aus allen Teilen der Gesell­schaft genährt. Sie wurde über die Jah­re immer breiter, bunter, kreativer. Das ist in Gefahr! Zufallskäufer finden heute oft kein Auto mehr. Bei vielen Traumwagenkäufern bleibt der Kaufimpuls aus, weil "ihr“ Auto eben nicht mehr erreichbar ist. Es sind ja nicht nur ganz billige Klassiker teu­rer geworden; nein, die Flut hebt alle Schiffe. Seit jeher steigen Men­schen aus der Klassikerszene wieder aus oder sterben weg. Durch die hohen Preise rutschen aber aus einem immer klei­neren Teil der Bevölkerung noch Menschen neu rein. Wer jetzt kommt, hat oft Geld. So wird aus einer breiten Bewegung eine spitze. Das macht sie ein­tönig. Und es wird die gesellschaftliche Akzeptanz untergraben.

Das ist die Meinung der beiden AUTO BILD KLASSIK-Kollegen zur den steigenden Preisen bei Einstiegsklassikern. Wie sehen Sie das?

Umfrage

'Sollten Einstiegsklassiker teurer werden?'

Autoren: Christian Steiger, Henning Hinze

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