Mercedes W 123

Pro & Kontra: regelkonforme im Oldtimer?

— 04.02.2016

Sollten Oldie-Fahrer Vorbilder sein?

Wer Klassiker bewegt, will Spaß haben. Aber wo hört der auf? Sollte man einen Oldtimer ganz besonders regelkonform fahren, oder muss man nicht?

Mit dem Oldie auf der Überholspur. Auch Klassiker-Besitzer müssen sich an die Spielregeln halten.

8.630.000 -  das ist nicht das Auktionsergebnis für einen Ferrari, sondern die Zahl der Personen, die am 1. Ja­nuar 2015 im Fahreignungsregister des Kraftfahrt-Bundes­amts in Flensburg registriert waren. Für 2014 (neuere Zah­len lagen bei Redaktionsschluss nicht vor) verzeichnet die KBA-Statistik 4.293.000 Ordnungswidrigkeiten, 233.000 Straftaten, 176.000 Drogen- und Alkoholverstöße sowie Unfallflucht in 34.000 Fällen. Häufigste Ordnungswidrigkeit bei Männern und Frauen: Sie fuhren zu schnell, Männer 2.241.000-mal, Frauen 648.000-mal. Zwar gibt es keine ge­sonderte Erhebung, die Rückschlüsse auf das Fahrzeugalter zulässt - aber mal ehrlich: Uns Klassiker-Fahrern kribbelt es doch gern im rechten Fuß! Andererseits: Sollte man sich nicht doch lieber besonders streng an die Verkehrsregeln halten, um das gute Image der Oldie-Gemeinde nicht zu gefährden?

Vergleichstest: Power-Oldies mit 286 PS

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"Warum denn Protest gegen Privilegien provozieren"

Ja, bitte: Peter Michaely warnt vor zu viel Übermut.

Neulich wollte mir ein Kollege einen Orden verleihen. Der Grund: Ich überschritt die zulässige Höchst­geschwindigkeit innerhalb geschlossener Ortschaften um 6 km/h, wie es im Protokoll heißt. Oder sagen wir besser: nur um 6 km/h, noch dazu in einer Tempo-30-Zone. Denn das war der Grund, weshalb besagter Kollege meinte, ich hätte anstatt einer Strafe eine Belohnung für meine eiserne Disziplin verdient. Finde ich nicht. Mir geht jeder Strafzettel nah, ob ich ihn nun für ein Vergehen im Klassiker oder im Neuwagen bekomme. Darauf, dass ich noch nie Punkte in Flensburg hatte, bin ich mächtig stolz. Aber mich ärgern nicht nur die 15 Euro für 6 km/h zu viel. Mich ärgert auch die Grundeinstellung meines Kollegen. Gerade Oldtimerbesit­zer sollten sich bewusst sein, dass sie fahren, als säßen sie auf dem Präsen­tierteller. Schließlich gibt es genug Neider und Nörgler, für die ein Klassiker nicht mehr als ein öf­fentliches Ärgernis ist, das die Umwelt verpes­tet. Warum also Protest gegen Privilegien wie zum Beispiel das H-Kennzeichen provozieren, weil man Verkehrs­regeln als lästige Bevormundung emp­findet? Da bin ich lieber sicher, entspannt und möglichst unauffällig unterwegs. Dafür, finde ich, hätte ich wirklich mal einen Orden verdient.

"Risikofahrer sitzen nur selten in klassischen Autos"

Nein, danke: Christian Steiger warnt vor zu viel Furcht.

Neulich wäre ich am liebsten aus­gestiegen und hätte diesen Typen zurechtgewiesen. Den im Audi TT, der mich mit 80 in der Tempo-50-Zone überholt hatte und dann an der roten Ampel vor mir stand. Ich hab’s gelassen, weil mir die Zeit und mein Seelenfrieden zu kostbar waren. Aber nicht, weil ich im Oldti­mer saß und ein besse­rer Mensch sein wollte. Dazu macht mich der Auf­enthalt hinter einem dünnen weißen Lenkrad sowieso, und jeder Versicherungsstatistiker wird mir ni­ckend zustimmen. Ich kenne die Verzö­gerungswege von Trommelbremsen, die Wisch-und-weg-Neigung einer Pendel­achse und das Risiko des Fahrens ohne Sicherheitsgurte, das macht mich auto­matisch wach und aufmerksam. Über Sicherheit und Fahrphysik habe ich dabei reichlich nachgedacht, aber, ganz ehrlich: nicht über meine Rolle als Vorbild. Einfach deshalb, weil ich meine alten Autos zu meiner persönlichen Er­bauung betreibe, nicht fürs Publikum. Und ja, ich bin im Oldtimer auch schon mal geblitzt worden. Nicht im Wohn­gebiet wie dieser Audi-TT-Typ neulich an der Ampel, sondern auf der leeren Autobahn. Dort, wo es so oft die anderen sind, die mir im Nacken sitzen, die mich schneiden oder aus­bremsen, weil sie sich am sanften Tem­perament meines Klassikers stören.

Das ist die Meinung der beiden AUTO BILD KLASSIK-Kollegen zur Vorbild-Funktion von Oldie-Fahrern. Wie sehen Sie das?

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'Sollten Oldie-Fahrer im Verkehr Vorbild sein?'

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