Pro & Kontra: Soll man sterbende Marken retten?

Pro & Kontra: Soll man sterbende Marken retten?

— 02.03.2016

Ist das Kunst, oder kann das weg?

Sollte man eine sterbende Automarke wie Lancia wiederbeleben? Oder den Stecker ziehen, wenn niemand mehr die Autos kauft? Hier Standpunkte zweier Kollegen.

Das waren Zeiten, als der Integrale in der Rallye-Weltmeisterschaft alles in Grund und Boden fuhr.

Manche Autohersteller mit großem Namen hatten oder haben ein Problem: Der Glanz von gestern überstrahlt den matten Lack der Gegenwart. Oldtimerfans schwelgen in glorreicher Geschichte. Doch Großserien-Einerlei wirkte als Liebestöter, Missmanagement erledigte den Rest: Pontiac, Simca, Plymouth, Oldsmobile – alle verblichen. Bei Rover erwies sich die englische Krankheit nach dem BMW-Ausstieg als nicht mehr heilbar; seit 2005 liegt der stolze Hersteller auf dem Friedhof der Automobilgeschichte. Saab aus Schweden ist am Ende, die chinesischen Erben der Marke dürfen zwar den 9.3 weiterbauen, aber nicht unter dem Namen Saab. Und jetzt Lancia: Ende des Jahres zieht sich die Marke, die einmal Italiens feinste war, vom deutschen Markt zurück. Dass Mutter Fiat bald komplett den Stecker zieht, gilt unter Insidern als sicher. Darf man das? Zwei Kollegen diskutieren – nicht unbefangen, aber voller Leidenschaft.

Fiat/Chrysler: Zukunft von Lancia

Lancia Ypsilon Lancia Delta Lancia Flavia

"Ein neuer Retro-Integrale brächte die Wende"

Bernd Wieland will Lancia als sportliche Marke wiederbeleben.

Es war ein historischer Fehler der Fiat-Konzernmanager, Lancia rein auf Luxus zu trimmen und das werbewirksame Thema Sport komplett für die Marke Alfa Romeo zu reservieren. Dabei haben die vielfachen Rallye-Siege des Delta Integrale mehr für die Marke Lancia getan als jede noch so schicke Alcantara-Innenausstattung. Und Lancia hat sich noch einen schlimmen Patzer geleistet: die tolle Fulvia-Retro-Studie von der IAA 2003, mit wundervollen Anklängen an das berühmte Fulvia Coupé von 1965, nicht in Serie zu bauen. Fertig designt war daneben eine Zagato-Variante, die den Fulvia Sport hätte wiederauferstehen lassen, den meistverkauften Zagato aller Zeiten. Hätte Lancia bloß diese beiden Autos in Serie gebracht! Der Erfolg wäre ebenso sicher gewesen wie beim Fiat 500, den Fiat als Retroauto mit Riesenerfolg umgesetzt hat. Ich bin mir sicher: Brächte Lancia heute wieder einen Delta Integrale im Klassik-Look, auf dem Allradchassis des Fiat 500X mit dem 1750er Motor aus dem Alfa 4C – es würde funktionieren. Denn den Delta Integrale kennt jeder, nicht nur die in der Wolle gefärbten Freaks. Den Integrale lieben auch junge Autofans, weil der rassige Italiener häufig in Auto-Rennspielen auftaucht und deshalb weltweit eine feste Größe ist.

Lancia Delta Integrale: Rendering

Delta HF Integrale Concept Delta HF Integrale Concept Delta HF Integrale Concept

"Habt Erbarmen, bevor Lancia völlig auf den Hund kommt"

Bernhard Schmidt will Lancia vor der Lächerlichkeit bewahren.

Als letzter Lancia bleibt nun der Ypsilon übrig, und der möge auch das Licht ausknipsen. Manchmal ist es einfach besser, einer Marke das Lied vom Tod zu singen. Lancia war mal voller Pracht und Avantgarde. In meinen Träumen hätte der Jahrgang 2016 eine mich schmachtend anguckende Pininfarina-Karosserie, Leichtbau, smarte Hybride, bei denen Vier- und Sechszylinder die Hinter- und E-Motoren die Vorderräder antreiben, und einen Innenraum wie eine Lounge im Park Hyatt. Das wäre der gute Geist Lancias ins Heute interpoliert. Aber dann steht da der Ypsilon als letzter Mohikaner. Dieser billig aufgedonnerte Fiat 500, der in Polen gebaut wird und eine abgesetzte Heckschürze trägt, damit es nach Diffusor aussieht wie bei einem Ferrari. Aber das ist kein Ferrari, das ist eine rollende Einkaufstasche mit einem schnatternden Zweizylindermotörchen! Mamma mia! Es gibt Auto-Bosse, die begreifen einfach nix und richten in ihrer gleichgültigen Arroganz eine Marke zugrunde. Dann besser zusperren und von wahrhaft Liebenden den Ruf Lancias in Ehren halten, bevor auch der zu Klump geritten wird von Managern wie Sergio Marchionne, die nur die Gewinnausschüttungen für die Shareholder im Sinn haben, in diesem Falle die Agnelli-Familie. Habe fertig!So stehen die beiden AUTO BILD KLASSIK-Kollegen zu Lancia. Was meinen Sie?

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Autoren: Bernd Wieland, Bernhard Schmidt

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