Pro und Kontra: Auto als Geldanlage?

Pro und Kontra: Auto als Geldanlage?

— 04.07.2014

Wertzuwachs – juckt er echte Fans?

Wer Klassiker kauft, folgt seinem Herzen. Manch einer auch den Preiskurven. Ist das ehrenrührig? Darf ein Oldtimer als Wertanlage dienen? Hier sind zwei Meinungen aus der Redaktion – und wie ist Ihre?

Sie nennen sich DOX, HAGI, OTX oder KFLII: Indizes, die mehr oder minder kompetent die Wertentwicklung von Oldtimern verfolgen und in Kurven zusammenfassen. Wie ein Aktienindex. Kalt, seelenlos – und irreführend, wenn sie sich, wie die meisten, nur auf wenige Modelle oder auf Luxusschlitten beziehen. Wer sich mit Klassikern auskennt, versucht die Preisentwicklung des einzelnen Modells einzuschätzen und rechnet die festen Kosten und das Reparatur-Risiko dagegen. Oder es ist ihm schnuppe, weil er seinen Lieblingsklassiker nie verkaufen möchte. Hier zwei Meinungen von Redakteuren, die viel Erfahrung mit dem Thema haben.

"Es gibt bessere Wertanlagen als Klassiker. Aber nicht viele."

Christian Steiger nimmt die Rendite erfreut zur Kenntnis.

Christian Steiger, Stellvertreter des Chefredakteurs AUTO BILD:
Wertanlage, puh. Ich mag das Wort nicht, wenn es um Klassiker geht. Das hier ist mein Hobby, ich will nicht an Renditen und Deckungsbeiträge denken, und überhaupt habe ich immer nur Autos gekauft, die ich mochte, egal was die Preistrends sagten. Und trotzdem waren es prima Wertanlagen. Keine zum Reichwerden, nix zum Protzen am Stammtisch. Aber ein junger alter Mercedes, der seinen Marktwert in acht Jahren verdoppelt hat, ist doch dabei. Oder ein Borgward, der dasselbe Kunststück in zwölf Jahren geschafft hat, obwohl er kein Isabella Coupé ist. Es kann mir egal sein, denn verkaufen will ich sie beide nicht. Und doch – es gibt blödere Wertanlagen. Solche, bei denen vor allem der Finanzberater verdient, weil er nicht verkauft, was ihn überzeugt, sondern das, was ihm der Chef befiehlt. Oder solche, die mich zu endlosen Eigentümerversammlungen in miefigen Nebenzimmern nötigen. Manche haben sich Gold in den Keller gelegt oder fahren mit Barem in der Türverkleidung nach Liechtenstein, ich freue mich am Flüstern des Reihensechszylinders. Womöglich hätte ja eine Maisonette-Neubauwohnung in Unterhaching eine noch bessere Rendite. Dass es mich nicht kümmert, das empfinde ich als Wert an sich.

"Normales Altmetall wird nicht mehr zu Garagengold."

Martin Puthz warnt vor zu hohen Erwartungen.

Martin Puthz, AUTO BILD Klassik-Autor:
Wer seinen Oldie gekauft hat, als das Klassikerhobby noch keine Modeerscheinung war, ist fein raus. Nicht selten hat das günstig und ohne Gewinnabsicht erworbene Altmetall über die Jahre eine hübsche Rendite eingefahren. Zwar bringt ein altes Auto nach wie vor mehr Zinsen als ein Sparbuch – was ja auch kein Kunststück ist. Wer jedoch schon bei der Fahrzeugauswahl Dollarzeichen in den Augen hat, sollte sich nichts vormachen. Nur im absoluten Hochpreissegment werden Oldtimer noch zu Garagengold. Bei dem, was wir uns als Normalverdiener leisten können, kann man froh sein, wenn der Wertzuwachs die laufenden Kosten für Stellplatzmiete, Wartung und Reparaturen ausgleicht. Gut beraten ist zwar nach wie vor, wer zuschlägt, wenn die Preise im Keller sind. Durch die Goldgräberstimmung am Markt wird der Spielraum für Renditejäger aber immer kleiner, denn selbst Verkäufer mittelprächtiger Gebrauchter versuchen ja inzwischen, aus dem Preis-Hype für Klassiker Kapital zu schlagen. Ich empfehle daher, das Thema Wertsteigerung nicht zu hoch zu hängen. Am besten taugt es dazu, sich selbst das teure Hobby schönzureden. Oder dazu, den nächsten Lustkauf vor der Ehefrau zu rechtfertigen. Aber auch das ist ja was wert.
Soweit unsere Kontrahenten. Wie ist ihre Meinung? Sollen Oldtimer Geldanlage-Objekte sein? Stimmen Sie bitte hier ab – vielen Dank!

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