Meinung: Am Golf scheiden sich die Geister

Pro und Kontra: Der Golf I – ein liebenswertes Auto?

— 07.03.2014

Ist der Golf ein Auto zum Lieben?

Der Golf brannte sich einer Generation als Alltagsheld ins kollektive Gedächtnis. Und sonst? Am Golf scheiden sich die Geister – selbst in der Redaktion der AUTO BILD KLASSIK. Hier sind zwei konträre Meinungen.

Vor vier Jahrzehnten beginnt in Wolfsburg die Zukunft, als der Golf den Käfer ablöst. Der Neue macht damals systematisch alles anders als sein großer Vorgänger: Kanten statt Kurven, Reihenmotor und Wasserkühlung statt Luftboxer im Heck, Vorder- statt Hinterradantrieb. 1974 ist der Golf das bessere Auto, keine Frage. Doch stellen wir an einen Neuwagen nicht ganz andere Erwartungen als an einen Oldie? Und kann den Golf überhaupt lieben, wer keine Kindheit auf seiner Rücksitzbank hatte? Macht Vollkommenheit automatisch sexy? Kann ein Erbsenzähler cool sein? Zwei AUTO BILD KLASSIK-Jungs diskutieren am Geburtstagstisch.

"Das Feindbild von gestern macht ihn heute liebenswert."

Christian Steiger, Stv. des Chefredakteurs: Wir haben den Golf I gehasst, er war ein Symbol des Bösen. Wir, das waren die Autoverstrahlten auf dem Oberstufen-Schulhof des Kleinstadt-Gymnasiums, und der Golf war alles, was wir nie werden wollten: vernünftig, effizient, verwechselbar. Nur eine Steigerung gab es, die hieß Golf Cabrio, am besten in Berufssohnweiß mit lackierten Alus: Wer so was gut fand, war gleich erledigt. Keiner von uns hat sich später einen Golf I gekauft, aber jeder würde ihn heute wohl nehmen, wenn er sich in Omas beheizter Garage finden würde. Am liebsten einen ganz frühen mit Chromstoßstangen, einen Zweitürer in Textmarker-Gelb oder Knallgrün, mit braunen Polstern, die sich nach Nylonstrumpf anfühlen, und den Instrumenten mit den Eistüten-Spitzen. Nicht mal ein GTI müsste es sein, um Liebesgefahr auszulösen. 70 PS wären genug, um zu spüren, wie sich für Normalos der 70er die Zukunft anfühlte. Albern, ihm vorzuwerfen, dass er ein Massenartikel war – mit demselben Killerargument lässt sich auch ein Ovalkäfer verschmähen, eine Ente schlachten oder ein Ford T blöde finden. Und wenn es früher auch nicht die allercoolsten Typen waren, die sich einen Golf L mit Radio Emden kauften: Das können wir heute ja nun wirklich ändern.

"Der Golf ist ein Pragmatiker, den ich niemals lieben könnte."

Lukas Hambrecht, freier Autor: Es ist noch nicht so lange her, dass ich einen Golf I gefahren bin. Und ich hatte Spaß. Weil mich so ziemlich jedes Auto entschleunigt, das mich nicht mit Parkpiepsern nervt oder sich mit meinem iPhone verbinden will. Wenn die Frage aber lautet, ob ich den Golf I lieb haben, ihm einen süßen Namen geben oder ihm mehr abgewinnen könnte, als um seine historische Bedeutung zu wissen – eher nicht. Doch warum lässt er mich so kalt, er ist ja kein schlechtes Auto? Nun, das liegt vermutlich auch daran, dass ich zu spät geboren bin, als dass der Ur-Golf für mich ein rollendes Familienalbum sein könnte. Zudem markiert er für mich den Beginn der Gleichmacherei unserer Autos. Wenn mich jemand fragt, ob ich ihm zu einem VW Golf 1.4 TSI oder eher einem Ford Focus 1.6 EcoBoost rate, ist das, als würde er mich nach meiner Lieblingssocke fragen. Denn die Wahrheit ist: Es gibt keine wirklich schlechten Neuwagen mehr zu kaufen. Und gefühlt fing das Sterben der Charakterkisten mit dem Golf I an, der so viel besser war als sein Vorgänger, der Käfer. Dem pragmatischen Giugiaro-Entwurf fehlt die Skurrilität, die Käfer, Ente und R4 so liebenswert macht, auch für junge Leute wie mich. Als die Moderne im Automobilbau begann, blieb der Kuschelfaktor auf der Strecke.

Soweit unsere Kontrahenten. Wie ist ihre Meinung? Könnten Sie einen VW Golf lieb haben, oder tun Sie es schon? Stimmen Sie bitte hier ab – vielen Dank!

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