Pro und Kontra

Pro und Kontra: Italo-Design

— 31.07.2012

Italiener – die besseren Designer?

Was ist dran an italienischer Formgestaltung? Ist sie grundsätzlich anders, besser als Design aus Skandinavien, Deutschland oder Amerika? Ein Streit über Geschmack.

Gucci, Pucci und Versace dürfen in keiner Boutique von L.A. bis Peking fehlen. Luxus-Faulpelze pendeln zwischen Poltrona-Frau-Sofa und Zanussi-Kühlschrank. Ja, selbst dem Teufel wird nachgesagt, Prada zu tragen. Fakt ist: Mailand gilt als eine der Mode-Hauptstädte der Welt, das hat das Analyse-Institut Global Language Monitor aus Texas wissenschaftlich bewiesen. Aber warum? Der weltweit gute Ruf, so vermutet Design-Expertin Wava Carpenter aus Miami, hat auch damit zu tun: Nach dem Zweiten Weltkrieg war Italiens kostbarstes Exportgut das Design – die Italiener konnten es gut vermarkten, und vor allem Amerikaner griffen begeistert zu. AUTO BILD-Chef Bernd Wieland auch. AUTO BILD-Veteran Karl-August Almstadt eher nicht. Hören wir ihre Argumente:

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Bernd Wieland braucht es.

Bernd Wieland
: Zwei Drittel aller von der UNESCO weltweit gelisteten Kunstschätze liegen in Italien. Damit sind die Michelangelos und die Botticellis gemeint, ebenso wie die Kirchen und Paläste. Beim Auto ist es ähnlich: Die meisten Höhepunkte des Autodesigns stammen aus Mailand, Modena oder Turin. Die italienische Leichtigkeit des Designs hat epochemachende Skulpturen geschaffen. In den Vierzigern war es der Cisitalia 202, mit dem Bella Italia die Pontonform erfand. Deutsche Autos hatten damals noch frei stehende Kotflügel und Trittbretter. Der Cisitalia war das erste Auto, das im Museum of Modern Art in New York ausgestellt wurde. Genauso wegweisend war der Lamborghini Countach von Bertone aus den Siebzigern: eine atemberaubende Skulptur, bei der die Funktion der Form folgt – und nicht umgekehrt. Das entspricht ganz der italienischen Lebensphilosophie: Wenn man abends ausgeht, ist es wichtiger, wie man aussieht, als wohin man geht. Wie feinstes Carpaccio zergehen schon die Namen der italienischen Autos auf der Zunge: Touring Superleggera, Iso Rivolta, Alfa Romeo Villa d’Este – einfach fantastico. Und vielleicht lieben wir „La macchina“ schon ganz einfach deshalb, weil sie weiblich ist. Grazie, Italia: Die Leichtigkeit des Designs!

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Karl-August Almstadt kann auch ohne.

Karl-August Almstadt
: Natürlich: Bella Figura war in Italien schon wichtig, als wir noch in Fellen rumliefen. Italien hat nun mal besseres Wetter und mehr Erfahrung im Posen maximaler Körper. Aber schön sah das neulich bei der EM nach dem 2:0 wirklich nicht aus. Keine Ahnung, warum so viele Deutsche angesichts italienischer Drohgebärden schwarz sehen, unterwürfig reagieren und bei Mamma Mia um die Ecke selbst das billige Keramik-Huhn schön finden. Scusi, Italo-Stylisten: Ihr seid genauso überbewertet wie Poli-Grappa und Chianti Riserva. Schöne Fiat? Kenne ich nicht, den Chrom-Lada 2101 vielleicht. Anmut und Stil bei Ferrari? Sehe ich nicht. Die meisten sind aufdringlich, peinlich und auf vulgäre Weise laut. Zagato: hängt sich nur noch an große Namen, verunstaltet selbst BMW und Bentley. Giugiaro: hat mal richtig Wind gemacht beim Scirocco, aber auch Fiat Punto und Hyundai Pony verbrochen. Pininfarina? Okay, Peugeot 403 (1955) und 404 sind stimmig, Borgward hat so was allerdings 1949 gebracht. Gutes Design entsteht durch Weglassen, hat BMW 507-Gestalter Albrecht Graf Goertz mal gesagt. Zudem ist es nie den Launen der Mode ausgesetzt. Der Italiener an sich ist viel zu eitel, um auch mal unmodern zu sein. Scusi, Italo-Stylisten: Ihr seid viel zu eitel!

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