Pro und Kontra: Mille Miglia

— 30.04.2013

Braucht die Welt eine Mille Miglia?

Die Mille Miglia gilt als schönstes Oldtimerrennen der Welt, trotzdem spaltet sie die Gemüter. Zwei Redakteure liegen mit ihren Meinungen deutlich weiter als 1000 Meilen auseinander.



Der Mythos Mille Miglia entstand zwischen 1927 und 1957, als es auf öffentlichen Straßen nonstop von Brescia über Rom nach Brescia ging. Ein Unfall bedeutete das Ende. 1977 kam die Mille zurück – als dreitägige Gleichmäßigkeitsfahrt und Medienspektakel. Dafür rollen die Hersteller ihre Schätze aus den Museen und lassen bevorzugt Wirtschaftsbosse, Ex-Rennfahrer und Promis ans Steuer. Die übrigen Teilnehmer müssen ein Mille-Miglia-fähiges Auto vor- und 7500 Euro Startgeld überweisen. Viele Begleit-, Presse- und Werbefahrzeuge blähen den Renn-Tross auf. Unter dem Mille-Hype leidet die Tradition: Erstmals lassen die Veranstalter neben den üblichen 375 Fahrzeugen 25 Zusatzautos starten.

"Mille Miglia – das ist Jahrmarkt für die Sinne"

Michael Struve

Michael Struve liebt die Mille im Mai.

Die Mille Miglia? Ein Traum! Es ist doch so: Viele der schönsten und seltensten Oldtimer stehen in Museen und privaten Sammlungen. Auf die Straße kommen sie nur zu ganz besonderen Anlässen. Und so einer ist die Mille Miglia. Bei der Mille kann ich die Autos aus nächster Nähe erleben, also nicht nur sehen, sondern auch hören und riechen. Ein Jahrmarkt für die Sinne, den man nicht verpassen sollte. Besonders zu empfehlen ist der erste Tag mit technischer Abnahme und Start in Brescia. Ich liebe diese unbeschreibliche Atmosphäre. Jede Menge hochkarätige Klassiker vor malerischer Kulisse. Dazu Italiens Mai-Sonne, noch nicht zu heiß für Mensch und Maschine. Überall röhrende, drehzahlgierende Motoren, kostbare Karossen, perfekt restauriert oder wunderbar patiniert. Beim Start dann jubelnde Menschen am Straßenrand, winkende Teilnehmer. Ganz Italien scheint im Ausnahmezustand zu sein, herrlich! Klar ist das Ganze auch ein exklusives Event für die Reichen  und Wichtigen dieser Welt. Aber ich gönne es jedem, der hier seinen Klassiker zeigt und das Abenteuer Mille Miglia genießt. Die Promis am Steuer und ihr Getue sind mir egal. Mir geht es nur um die vielen fantastischen Autos. Forza Mille Miglia!

„Selbst Berlusconi würde vor Scham erröten“

Martin Puthz mag nicht mehr zur Mille.

Gibt’s denn irgendwas Sinnloseres als die Mille Miglia? Selbst der Stammtisch der Opel-Freunde Stuckenbostel ist ein Feuerwerk der Inspiration neben diesem schauerlichen Aufguss einer einstmals knallharten Veranstaltung. Am 17. Mai versammeln sich wieder all die, die nicht wissen, wohin mit ihrem Geld, auf der Piazza della Loggia von Brescia, um – was eigentlich? Um zu zeigen, wer die dickste Hose hat, natürlich. Tagsüber strunzen sie herum, dass selbst Berlusconi vor Scham erröten würde. Abends springen die Burschen in ihre Autos (bei denen die meisten nicht einmal den Vergaser finden könnten) und treten ihnen auf den Kopf, dass es einem den Magen umdreht. Je teurer die Karre, desto härter bekommt sie ins Kreuz – denn nur so kann man dem neureichen Unsympathen nebenan zeigen, wie egal einem Geld ist. Mein Alfa 8C 2300 ist am Ziel eine rauchende Ruine? Ach. Das Geld für die Rundum-Sanierung nehm’ ich aus der Portokasse. Wer davon keinen Durchfall bekommt, der kriegt am Büffet die Ellbogen irgendwelcher Oligarchen zu spüren. Spätestens dann ist es so weit, dass ein Normalo die Flucht vor so viel Sinnleere antritt. „Mille Miglia Storica“? Richtig wäre: Mille Miglia Histerica.

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