Pro und Kontra: Patina-Restaurierung

Pro und Kontra: Patina-Restaurierung

— 06.02.2014

Patina erhalten – oder nicht?

Wie restauriert man richtig Soll das Endergbnis ein alter Neuwagen oder ein neuer Altwagen sein? Die Charta von Turin liefert neuen Zündstoff für eine alte Debatte. Zwei Meinungen.

Zerknautschtes Leder, stumpfer Lack und mattes Chrom: Was in den Ohren vieler Altauto-Enthusiasten wie blanker Horror klingt, ist die Marschrichtung der Charta von Turin. Das Papier des Oldtimer-Weltverbands FIVA stärkt mit seiner Forderung, die Spuren der Geschichte zu erhalten, all jene Klassik-Liebhaber, die Originalität vor Vollrestaurierung stellen und damit einen Trend ausgelöst haben. Auf Auktionen erzielen naturbelassene Fahrzeuge mit sichtbaren Spuren der Geschichte mittlerweile meist höhrere Preise als Oldtimer im wiederhergestellten Neuzustand. Wie macht man's richtig? Hier streiten Redakteur und Restaurator.

Patina ist nicht bäh, sondern historisch korrekt!

Christian Steiger, Stellvertreter des AUTO BILD-Chefredakteurs: Ich bin kein begnadeter Schrauber, und mein Respekt vor dem Restaurator, der den Neuzustand zurückzaubern kann, ist grenzenlos. Dennoch liebe ich patinierte Klassiker. Ich will kein Auto, das nicht altern kann. Mich reizen auch keine Frauen mit Botox-Gesichtern und gemachten Brüsten. Und in einem alten Haus, das aussieht wie beim Erstbezug, will ich nicht wohnen. Wie lange waren unsere Klassiker damals im Ladenneuzustand? Spätestens bei der ersten Inspektion hatten sie ihre ersten Gebrauchsspuren. Liebe Aseptiker, schaut Euch doch mal die alten Fotos aus dem Straßenalltag der 50er und 60er an! Fast keine Kiste ohne Kratzer oder Schramme, und das gilt nicht nur für Käfer und Rekord, sondern auch für Porsche 356 und Mercedes SL. Das ist nicht bäh, das ist original! Und deshalb historisch korrekt. Ganz im Gegensatz zu vielen Neulackierungen, deren superglatten Oberflächen nicht viel mit dem Werkszustand zu tun haben. Noch immer gibt es Oldtimer- Fans, die sich für matten Originallack schämen und leicht abgewetzte Polsterstoffe aus dem Klassiker reißen, weil sie's lieber wie neu haben wollen. Das ist ihr gutes Recht – aber Respekt vor ihrer Entscheidung kann ich nicht haben.

Spuren von Verschleiß zu erhalten, ergibt keinen Sinn.

Klaus Kienle, Inhaber des größten unabhängigen Mercedes-Restaurierungs-Fachbetriebs: In der Charta von Turin fordert die Oldtimer-Weltorganisation FIVA, "Zeugnisse der Fahrzeuggeschichte" sollten erhalten bleiben. Die Restaurierung eines historischen Objekts erfordere nicht, sein Aussehen und seine technischen Merkmale ins Erscheinungsbild des ursprünglichen Baujahres zurückzuversetzen. Damit macht es sich die FIVA zu leicht. Um es klipp und klar zu sagen: Es ergibt keinen Sinn, bei einer Restaurierung eines Serienautos die Spuren von mangelnder Pflege, Unfallschäden, Materialermüdung oder technischem Verschleiß zu konservieren. Man erhält damit lediglich den Zustand, den das Auto zu einem x-beliebigen Zeitpunkt – zum Beispiel beim Auffinden in einer Scheune – hatte. Doch das Ziel einer guten Restaurierung sollte mehr sein als nur die Erhaltung der Substanz. Ich möchte den Originalzustand wiederherstellen, und den hat jedes Auto nur einmal, nämlich bei seiner Auslieferung. Bei wenigen Ausnahmen – Rennwagen mit besonderer Historie zum Beispiel oder bei Autos aus prominentem Vorbesitz – mag die Konservierung der Historie sinnvoll sein. Bei Großserienautomobilen sollte der Nachwelt das technische Kulturgut jedoch so erhalten bleiben, wie es früher war.

Soweit die Standpunkte zweier Fachleute. Wie ist ihre Meinung? Bitte stimmen Sie ab!

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