Pro und Kontra: Traktoren

Pro und Kontra: Traktoren

— 07.09.2012

Kann denn Traktor Sünde sein?

Die Entdeckung der Langsamkeit – oder der Langeweile: Zwei gegensätzliche Antworten auf die Frage, ob Traktoren echte Auto-Alternativen oder doch nur etwas für Landeier sind.

Sie sind laut und spucken aus ihren manchmal ofenrohrdicken Auspuffrohren schwarze Rauchschwaden. Traktoren faszinieren alte und junge Fans von Feld-Wald-und-Wiesen-Mechanik. Glühkopf-Lanz oder Mercedes MB trac sind längst Kult. Die Preise für einen guten Lanz Eilbulldog liegen im sechsstelligen Bereich. Die wachsende Zahl junger Fans tendiert zu großen Sechszylinder-Traktoren der 60er- bis frühen 80er-Jahre, zum Beispiel von Deutz, Hanomag oder Güldner. Aber kann die gemächliche Fahrt im unbequemen Schlepper tatsächlich den Ausflug im Auto-Klassiker ersetzen? Oder sind Traktoren doch nur was für Hartgesottene mit Sitzfleisch und dem Hang zur asthmatischen Fortbewegung?

"Alte Trecker pflügen mit mir durch die Zeit"

Jan Horn hat auch Diesel im Blut.

Jan Horn:
Altes Blech gleich alte Zeiten. So sehe ich das. Einen im Grunde lahmen und hässlichen Renault 4 liebe ich, weil er uns in den frühen 80ern zur Disco brachte. Einen VW Fridolin besitze ich, weil einer dieser VW-Quader meine Grundschule "belieferte" – großes, unvergessenes Kino für einen Siebenjährigen. Und geweckt wurde ich in dieser Zeit von einem Fendt FW 237. Der schleppte frühmorgens das Melkgeschirr von Bauer Brandt zur Kuhkoppel – stets um kurz vor sechs. Das Rasseln des Zweizylinders – "woterköelt, veeruntwintig Pee Ess", wie Bauer Brandt mir später mal die MWM-Maschine erklärte – nagelte sich tief in meine Seele. Längst kommt ein weiterer Aspekt hinzu. Einen Trecker (so heißen Schlepper bi uns to Hus) zu bedienen, zu starten ist bereits die pure Freude. Konzentriert, ritualisiert – wie ein Samurai sein Schwert mit Nelkenöl poliert –, so müssen die Vorbereitungen laufen. Zum Beispiel an meinem Porsche Standard 218 von 1960: Gashebel auf voll, Regulieranschlag hoch, beide Einspritzpumpenhebel 20- bis 30-mal (!) ziehen, glühen – und nach laaanger Meditationsphase den Anlassknopf herausziehen. Dwwwwdwwwdwwwock – tock-tock-tock! Herrlich. Läuft, qualmt, lebt! Fahren? Muss ich gar nicht. Das tue ich in Gedanken, als Kind, auf Bauer Brandts Koppel.

"Kein Tempo, kein Design – Traktoren lassen mich kalt!"

Christian Steiger scheut die Scholle.

Christian Steiger:
Ich hab’ beim Klassiker-Kauf schon viel Unfug angerichtet. Kaufte Groß-Kombis, ohne Familie zu haben, und fuhr die kleine Tochter später im engen Fond eines Coupés spazieren. Kaufte mir einen Bestatter, ohne depressiv zu sein, einen Allrad-Oldie, ohne durchs Gelände zu pflügen, und ein Cabriolet für den Hamburger Sommer. Alles ohne Sinn, aber mit größtem Vergnügen. Einen Reisebus hätte ich gern noch, einen kreischfarbigen Buggy und ein Wohnmobil aus den 70ern. ABER KEINEN TRAKTOR. Weil ich viel zu ungeduldig bin für die Entdeckung der totalen Langsamkeit. Und zu feige, das Ärgernis jeder Landstraße zu sein. Weil selbst Nutzfahrzeug-Pragmaten wie Tempo Matador oder Krupp Büffel noch Designerautos sind gegen die Formlosigkeit eines Treckers. Weil zum Klassiker eine richtige Karosserie gehört, die vom Stilgefühl und den Sehnsüchten ihrer Zeit berichtet. Weil ich den Wohnwert einer Innenausstattung schätze, die nicht nur aus einem Metallteller zum Draufsitzen und einem Lenkrad zum Festhalten besteht. Vielleicht auch deshalb, weil ich da aufgewachsen bin, wo der Spruch mit den dümmsten Bauern und den dicksten Kartoffeln viel zu oft stimmte. Ein Traktor in meinem Leben? Unfug.

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