Pro und Kontra: VW Käfer
— 27.02.2013Ist der Käfer ein gutes Auto?
21,5 Millionen VW Käfer wurden verkauft. Ein dermaßen erfolgreiches Auto kann unmöglich schlecht sein – oder? Zwei Redakteure haben dazu sehr unterschiedliche Ansichten.
"Der Käfer hat uns allen das Schrauben beigebracht"
AUTO BILD-Redakteur Andreas May: Keine Ahnung, ob der Käfer wirklich das beste Auto der Welt ist. Vielleicht ist er hinterm Bulli auch nur Zweiter. Jedenfalls liebe ich den Käfer, kann mich an seiner kugelrunden Form nicht sattsehen, kriege nie genug vom Gebrabbel seines Heckmotors. Ja, sogar an seine Schrullen habe ich mich gewöhnt; dass er erst wieder mit mir spielen will, wenn ich ihm mit dem Hammer einen Klaps auf den Anlasser gebe. Der Käfer hat mir und Millionen anderen Hobbybastlern beigebracht, wie einfach ein Auto funktioniert. Lampenwechsel? Neue Lichtmaschine? Der Käfer sagt uns: Ihr kriegt es hin! Dass einige den Motor in der Mittagspause gewechselt oder den Keilriemen durch eine Perlon-Strumpfhose ersetzt haben, muss ich nicht extra erwähnen, Sie wissen es ja selbst. Ach ja, ich wollte Ihnen noch erklären, warum der Käfer für mich das beste Auto der Welt ist. Weil er mir das Sprechen beigebracht hat. Irgendwann 1973 kam mein Onkel Horst mit einem hellblauen 1200er ums Eck, vermutlich wie immer auf zwei Rädern. Ich habe das Auto am Klang erkannt und meinen ersten vollständigen Satz gesagt: „Hock, brumm-brumm.“ Seitdem heißt mein Onkel Hocky, und ich habe beschlossen: Ein Leben ohne Käfer ist möglich, aber sinnlos."Im Grunde war dieses Auto eine Frechheit am Kunden"
AUTO BILD-Redakteur Wolfgang König: Was gibt es da zu feiern? Jetzt erzählen Sie mir bitte keine Märchen: Ich fuhr ihn jahrelang viele, viele Kilometer, damals in den Siebzigern. Erst besaß ich ein gebrauchtes 1200er-Cabrio, dann einen neuen, Oettinger-frisierten 1500, dann den 1303 S. Der Letzte war der Furchtbarste. Aber im Grunde waren sie alle eine Frechheit. Denn das, was ein Auto beherrschen sollte, konnten sie nicht. Sie hatten kaum Platz, waren denkbar unpraktisch, heizten und belüfteten schlecht und stanken nach Sprit. Innen weckten sie Gedanken an den Archipel Gulag. Aber vor allem waren sie gefährlich. In Anbetracht der prekären Straßenlage und der miserablen Sicherheit war es ein Glück, dass sie kaum vom Fleck kamen. In serienmäßigem Zustand sah der Boxermotor seine Hauptaufgabe nämlich darin, Benzin zu verbrennen. Außer Sprit fraßen sie aber auch gern Kupplungen, oder der Kolben des dritten Zylinders fraß – so viel zum Thema Zuverlässigkeit. Vorteile? Die solide Verarbeitung, und auf Schnee konnten sie Spaß machen. Aber das war’s dann auch. Dass es durchaus auch anders ging, zeigt mir übrigens seit 17 Jahren das englische Pendant, mein Morris Minor: Der fährt sich wie ein richtiges Auto.Was halten Sie vom VW Käfer? Bitte stimmen Sie ab, hier auf der rechten Seite, ein Stück weiter oben!
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Kommentare zum Artikel (4)
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Ich liebte meinen Käfer , er war der zweite wagen den ich besaß nach meinem DKW Junior de luxe
Ich war stolz auf ihn , und richtete ihn innen wie außen mit allerlei unnützen zeug aus . Ich vertraute meinem Käfer weil er so robust war , was Motor und Fahrwerk betraf ., und es gab überall Teile zu kaufen und jemand der am Käfer was reparieren konnte , wenn man es nicht selbst konnte . Leider war die Heizung bescheiden und auch der Kofferraum , sonst wäre es der perfekte Kleinwagen gewesen . Aber mit Rückbank , Dachgepäckträger , und Heck Kofferhalter ging es , es hatte immer so ein Hauch von auswandern wenn man in den Urlaub fuhr . Ob der Käfer ein gutes oder schlechtes Auto war muss jeder für sich entscheiden der einmal einen sein eigen nennen durfte . Damals war er " Das Auto "
Wenn der Herr König drei Volkswagen benötigt um schließlich zu erkennen, dass sie eine Frechheit für den Kunden waren, na dann Respekt vor seiner technischen Urteilsfähigkeit. Man könnte auch sagen, wer schimpft der kauft-oder?
Der VW ist immer im Spiegel seiner Zeit zu betrachten. Offensichtlich überwogen seine Vorteile, sonst hätten ihn die Leute nicht gekauft. Dazu zählen nicht nur die spezifischen Fahrzeugeigenschaften sondern auch das Service, Ersatzteilversorgung, Wiederverkauf etc. Jedenfalls war der Wagen ehrlich. Er hat niemandem etwas vorgegaukelt das er nicht war. Da passt der mexikanische Spruch -Feo, fuerte y formal“ – „Er war hässlich, stark und hatte Würde.
Mit meien nunmehr 65 Jahren habe ich schon maches Auto besessen, bzw. gefahren. Darunter befanden sich "Exoten", wie z. B. der CITROEN SM oder der Alfa Romeo "Duetto". Ich glaube, mir ein Urteil erlauben zu dürfen. Ich begann meine Karriere mit einem Käfer, Bj. 1956 Und habe in den folgenden Jahren mehrere VW 1200, 1300 u. 1500 gefahren, z. T. aus beruflichen Gründen.Diesen verdammten Dingern, die, zugegebenermassen, für ihre recht bescheidenen Fahrleistungen viel Sprit soffen, konnte man zutrauen, dass sie einen ohne Probleme von A nach B brachten. Sollte man wirklich einmal liegengeblieben sein, konnte man sie, selbst ohne nennenswerte Vorkenntnisse, selbst wieder flottmachen, im Gegensatz zu den heutigen Panzern mit elektronischem Geschiss, der z. T. so überflüssig ist wie ein Kropf.
Der 1302er und 1303er mit 1300 cm3 und 44 PS waren wirklich Benzinschlucker, besser waren da schon die 1600er Motoren mit 50 PS. Aber in den Siebzigern war der Benzin ja noch etwas günstiger. Wenn Herr Wolfgang König aber meint dass die Heizung schlecht war bzw. der Käfer nach Sprit roch dann hat er wohl mal zu wenig auf den Rost geschaut. Durchgerostete Wärmetauscher bzw. Heinzungskanäle stinken leider. Bei entsprechender Pflege kann man aber solche Sachen unterbinden. Ist natürlich mit Kosten verbunden! Einer meiner Käfer ist 58 Jahre und läuft und läuft und läuft und läuft...............................
Werner Robin aus Seeboden am Millstättersee,
Kärnten, Österreich