Zubehör

Pro und Kontra: Zubehör

— 28.08.2013

Zubehör - schön oder spießig?

Windschott am Porsche 356, Weißwandreifen am 90er-Jahre-SL – das findet fast jeder schrecklich. An zeitgenössischem Autozubehör scheiden sich die Geister schon eher.

Wer einen normalen Gebrauchtwagen fährt, hat die ganz große Auswahl. Allein auf Ebay werden 35 000 Chrom-Anbauteile feilgeboten, 64 000 Radios, 92 000 Spoiler, fast 200 000 Aufkleber und Folien und unfassbare 1,2 Millionen Zubehörsets für den Auto-Innenraum. Klassiker-Fahrer müssen da schon länger stöbern, um Teile zu finden, die zur Epoche und zum Stil ihres Wagens passen – da sind Teilemärkte immer noch die beste Quelle. Ursprünglich hatten Zubehörteile den Zweck, die Funktionalität zu verbessern. Im Laufe der Jahrzehnte griffen immer mehr Kunden zu Teilen, die die Optik individualisieren. Im Klassiker kommt beides zusammen. Funktionelle Teile geben ihm den speziellen Look.


"Hübsch oder hässlich? Ganz egal: Zeitdokument!"

Christian Steiger mag alte Extras.

Christian Steiger, stellvertretender AUTO BILD-Chefredakteur
: Wäre es 1957: Ich wäre dagegen. Natürlich fände ich eine Porzellan-Blumenvase am Armaturenbrett spießig und Weißwandreifen völlig bescheuert, weil es keinen Sinn ergibt, das schmutzigste Teil am Auto blütenrein zu halten. Doch es ist 2013, und als Nachgeborener leiste ich mir den Luxus, den Nachrüst-Klimbim am alten Auto zu mögen. Nicht weil ich Scheinwerfer-Zierblenden, beleuchtbare DSchilder und Lenkradbezüge im Tigerfell-Dekor schön oder praktisch finde, nein – das alte Zeug rührt mich einfach an. Ich mag die Autos der 50er- und 60er-Jahre, ich mag deren Stil, der Aufbruch und Naivität spiegelt, ich mag die alberne Freude, die Autofahrer damals am Zubehör gespürt haben. Mich schüttelt’s nicht mal, wenn ich heute einen Ovalkäfer oder Opel Rekord sehe, der fast nicht mehr erkennbar ist vor lauter Zubehör-Geraffel, denn ich weiß: Das hat’s damals schon gegeben. Hübsch oder hässlich? Völlig egal: Zeitdokument! Ebenso wie die Sportlenkräder der 60er-, die Schwanenhals-Radios der 70er-, die Spoiler der 80er- und die Teddybärchen-Aluräder der 90er-Jahre. Das alles ist Automobilgeschichte. Schade, wenn später keiner mehr darüber diskutieren würde.

"Scheußlich? Gern. Aber nicht vor meiner Haustür."

Frank B. Meyer mag das geschmackvolle Maß.

Frank B. Meyer, stellvertretender Chefredakteur AUTO BILD KLASSIK
: Irgendwer schrieb mal: Eine einzelne Schneekugel im Regal zu haben ist spießig – eine Schneekugelsammlung ist schon wieder cool. Finde ich auch. Aber mit Autozubehör geht es mir umgekehrt: Ein einzelnes Anbauteil oder Accessoire unterstreicht den Charakter des Wagens, ein Dutzend davon ruiniert den Auftritt. Ein Rover mit der Times aus dem Baujahr auf der Hutablage – perfekt. Sobald ein Auto aber überladen ist mit Zubehör, scheint es zu brüllen: „SIEH! MICH! AN!“ Und was sehe ich? Lauter Bäume statt des Waldes – der ganze Kram lenkt vom Eigentlichen, dem Auto, nur ab. Wie schade. Wenn Rennsport-Extras und Komfort-Plüsch im selben Auto mitfahren, wird’s auch noch unsinnig. Ich empfinde das als so geschmackvoll wie ein Karnevalskostüm. Auf der Creme 21 und anderen lustigen Partys passt das, im wirklichen Leben schätze ich an vielen Klassikern gerade die optische Ruhe, die den fratzenhaften Neuwagen abhandengekommen ist. Ja, der Zubehör-Kult war mal ganz groß – fahrende Christbäume haben ihren Wert als Zeitdokumente. Ich käme nicht auf die Idee, das jemandem zu verbieten – dies ist zum Glück ein freies Land. Aber ich muss nicht alles mögen, nur weil es alt und original ist.


Wie ist Ihre Meinung? Mögen Sie mit Zubehör dekorierte Klassiker? Stimmen Sie hier ab!

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