Range Rover 3.9i
Kronjuwel zum Glasperlen-Tarif

Fahren nach Gutsherrenart – da kann einem Range Rover kein anderer Geländewagen das Wasser reichen. Was wenige wissen: Überzeugende Exemplare finden sich heute für 10.000 Euro.
Bild: A. Harder
- Wolfgang König

Stadt, Land, Fluss: Ein Range Rover Classic fühlt sich
in jeder Umgebung zu Hause. Seine Geländequalitäten
halten auch heute noch jedem Vergleich stand.
in jeder Umgebung zu Hause. Seine Geländequalitäten
halten auch heute noch jedem Vergleich stand.
Bild: Alfred Harder

Was den Range Rover von den meisten Vertretern der modernen SUV-Generation unterscheidet? Er liebt es, im Dreck zu wühlen. Und er besitzt das Talent dazu.
Bild: Alfred Harder
Range Rover Turbo Diesel gegen Mercedes 300 GD
Spencer King, das Technik-Genie von Rover, zeichnete verantwortlich, im harten Clinch mit Gordon Bashford, Land-Rover-Urgestein. Erfindungen wie Schraubenfedern, Scheibenbremsen oder Permanent-Allradantrieb hielt der nämlich für neumodisches Zeug, eines Land Rover unwürdig. Ebenso wie diese bequemen Sitze, die ja nur dazu verleiteten, abseits der Straße zu schnell zu fahren. Und so dem Achsenbruch und sonstigen Defekten Vorschub zu leisten. Doch King setzte sich durch, für Bashford blieb als Trostpflaster der Verzicht auf die Servolenkung und das spartanische Kunstlederinterieur zum Ausspritzen mit dem Gartenschlauch. Verfeinert werden musste der Laderaum. Ein Fuhrparkmanager des Buckingham Palace monierte den offen liegenden Wagenheber: Die Corgis der Queen könnten sich daran verletzen.
Offen für jede Strapaze: Land Rover Defender

Beim Gebrauchtkauf empfiehlt es sich, Exemplare mit
extremer Geländevergangenheit zu meiden. Entsprechende Spuren lassen sich kaum vertuschen.
extremer Geländevergangenheit zu meiden. Entsprechende Spuren lassen sich kaum vertuschen.
Bild: Alfred Harder
Für die Ewigkeit: Mercedes-Benz G-Klasse
Es folgte beständiges Feilen am Konzept. Der letzte Range Rover Classic verließ erst im Februar 1996 das Werk in Solihull, ein Vierteljahrhundert und nur ein bisschen greise ging das Erfolgsmodell in Rente. Dabei blieb der Range Rover im Grunde immer der Alte. Ja, der Hubraum wuchs (bis auf 4,2 Liter), die Leistung auch (bis zu 200 PS), die V8-Motoren bekamen Einspritzung und Katalysatoren, wahlweise gab es ab 1986 sogar eine vierzylindrige Dieselvariante. Bei der Federung ersetzte Luft bisweilen Stahl (Vogue LSE), aber es blieb doch stets das gleiche Auto. Eines mit massivem Rahmen und mit schweren Starrachsen vorn und hinten. Und eines, das sich dank Reduktionsgetriebe und großer Federwege selbst in schwerstem Gelände keine Blöße gibt.
Sie suchen auch so einen Range Rover? Schauen Sie mal hier!

Reichlich Platz für alles, was man bei einer Landpartie braucht! Die praktische Doppelklappe am Heck eignet sich auch als überdachte Sitzgelegenheit.
Bild: Alfred Harder
Technische Daten
Range Rover 3.9i: Motor: V8, vorn längs • eine unten liegende Nockenwelle, über Kette angetrieben, zwei Ventile pro Zylinder, elektronische Einspritzung • Hubraum 3914 cmÍ • Leistung 127 kW (173 PS) bei 4550/min • maximales Drehmoment 291 Nm bei 3250/min Antrieb/Fahrwerk: Fünfgang-Schalt getriebe (auf Wunsch Vierstufenautomatik) • zweistufiges Untersetzungsgetriebe • permanenter Allradantrieb • Starrachse vorn und hinten mit Längslenkern, Schraubenfedern, Teleskopstoßdämpfern • Reifen 255/60 R 15 Maße: Radstand 2540 mm • L/B/H 4450/1818/1800 mm • Leergewicht 1981 kg Fahrleistungen/Verbrauch: 0–100 km/h in 13,9 s • Spitze 173 km/h • Verbrauch 15,9 l pro 100 km • Neupreis: 79.850 Mark (1990).
Historie

Der Blick in den großzügigen Innenraum zeigt: Das Cockpit ist angenehm aufgeräumt und die erhabene Sitzposition ermöglicht ungetrübte Weitsicht.
Bild: Alfred Harder
Plus/Minus

Bild: Alfred Harder
Ersatzteile
Die Fangemeinde von Land (und Range) Rover ist groß, das sichert auch für die frühen Baujahre eine gute Ersatzteilversorgung. Vieles ist erfreulich günstig zu haben, gerade im Vergleich zu modernen Autos. Obendrein herrscht an gebrauchten Teilen kein Mangel, zumal wenn man sich in der Range-Rover-Heimat Großbritannien umsieht. Aber natürlich gibt es auch ein paar Schocker – klassisch ist hier der leicht rostende Rahmen des Oberteils der Heckklappe: 530 Euro für ein paar Metallleisten.
Marktlage
Der Range Rover, den wir für einen vierstelligen Euro-Betrag finden werden, dürfte so verschlissen sein wie eine gut benutzte Barbour-Jacke. Das muss uns nicht abschrecken, verlangt aber beim Kauf eine zeitaufwendige und mit Sachkenntnis durchgeführte Prüfung. Saubere, topgepflegte Exemplare werden dagegen auf dem Markt zunehmend seltener gesichtet und kosten inzwischen wieder mehr als 10.000 Euro. Immer noch günstig.
Empfehlung
Wer den Range Rover als Gebrauchsauto zu nutzen gedenkt, sollte die 3,9-Liter-Varianten mit Kat bevorzugen. Ansonsten gilt: Objekt immer auch von unten studieren, Luftfederung meiden und prüfen, ob alle Schalter funktionieren. Reparaturen an der Komfortelektrik sind teuer.
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