Ratgeber: Käfer-Restaurierung

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Ratgeber: Restaurierung

— 07.07.2014

Die Rückkehr des Maykäfers

AUTO BILD-Reporter Andreas May erweckte seinen VW Käfer Cabrio zu neuem Leben – vier lange Jahre. Es war ein langer Weg zum perfekten Auto. Hier ist die ganze Erfolgs-Geschichte!

Vor gut vier Jahren, der Maykäfer macht sich nackig. Start der Restaurierung.

Mein Name ist Andreas May, ich bin pleite, aber glücklich. Pleite, weil ich ein Käfer Cabrio restauriert habe. Glücklich, weil die Kiste läuft. Vier Jahre hat mein Werkstatt-Wahnsinn gedauert. Ich habe viel gelernt, viel geflucht, viel gezahlt. Während aus meinem bröseligen Maykäfer ein Klassiker im Zustand 2+ wurde, ist mein FC St. Pauli in die Bundesliga auf- und gleich wieder abgestiegen, Bundespräsidenten kamen und gingen und mehrere große Lieben. Rückblick. Im September 2008 kaufe ich ein schwarzes VW Käfer Cabrio, Typ 1303, Baujahr 1976, Zustand passabel, äußerlich, Preis okay, wenn man das bei 6500 Euro so sagen darf. Ich besuche alle sechs Vorbesitzer und klöne mit ihnen bei Kaffee und Kuchen. Jetzt weiß ich: Irgendeiner von denen hätte mal ein paar Mark fuffzich in die Hand nehmen und den Käfer von innen wachsen sollen. Dann hätte ich nicht dieses löchrige Drama erlebt. Na ja, es ist, wie es ist.
Der ältere Käfer-Bruder: Das Hebmüller-Cabrio

Bestandsaufnahme

Kumpel Dennis baut das Lenkgetriebe aus dem alten Käfer. Der Rest wird zu Konservendosen.

Monate später: Ich stehe mit Kumpel Dennis in dessen Schrauberhalle in meiner Heimatstadt Ziegenhain (Hessen). Dennis ist Kfz-Meister, er will den Maykäfer über’n TÜV schweißen, irgendwie, wird schon gehen. Ich habe mir den Blaumann angezogen und strippe meinen Käfer. Ein Fehler! Mit jedem Teil, das ich abschraube, wird das Elend größer. Als ich die Schrauben der Trittbretter mit den Fingern rauspulen kann, zuckt Dennis mit den Schultern: "Wir könnten das mit Unterbodenschutz Marke Bauernglück zuschmieren. Oder wir machen es richtig." Wir machen es richtig! Kurze Bestandsaufnahme: Schweller durch, beidseitig. Cabrioholme: dito. Spritzblech am Vorderwagen: bröselig wie Knäckebrot. Der Unterboden: Hier wurde bereits derart rumgebrutzelt und auch am Rahmenkopf geschweißt, dass man sich schon fragen kann, ob sich Werkstattmeister und Prüfingenieur vielleicht aus dem Swingerclub kennen. Erst mal abmelden, die Karre. Wie lange? Bis nächsten Sommer. Ich bin optimistisch, noch. Vier Wochen später, Dennis ruft an. "So, Häuschen ist runter von der Bodenplatte", sagt er, und dann schiebt er diesen Satz hinterher, den ich nie, nie hören wollte: "Alles noch viel schlimmer!" Zu allem Überfluss muss Dennis die gemietete Schrauberhalle besenrein übergeben. Die Anbauteile des Maykäfers lagern inzwischen in einer Scheune auf dem Dorf, das Häuschen hängt an Ketten in Dennis’ Garage, die Bodenplatte haben wir auf einen Hänger gehievt.

"Meister Käfer" macht sich an die Bodenplatte

Der Meister bei der Arbeit: Käferschrauber Frank Sachse trennt mit der Flex die rostige Außenhaut eines Seitenteils raus.

Abfahrt zu Frank Sachse nach Giflitz am Edersee. Irgendein Kumpel hatte den Namen ins Spiel gebracht. Sachse ist Mechaniker mit Meistertitel, aber das ist nur die halbe Wahrheit. Denn eigentlich ist er "Meister Käfer". Seine Patienten: viele luftgekühlte und verrostete VW. "Mmmhh", sagt er, "sieht der Rest auch so aus?" Wir drucksen rum. Erst mal die Bodenplatte, wird ja teuer genug. So ein Käfer ist großes Glück in zwei Teilen, besteht aus einer Platte, auf die das Häuschen mit 26 Schrauben montiert wird. Wir entschließen uns zur Luxus-Sanierung des Fahrgestells. Alles bis auf den Mitteltunnel neu und alles in Top-Qualität. Denn – Vorsicht! – die beiden Bodenhälften gibt es auch in labbrigem Dünnblech. Und, nein, auch ein Kfz-Meister wie Dennis kann nicht so mir nichts, dir nichts ohne Schablonen eine Bodenplatte rekonstruieren. Sachse schon, er macht das täglich. Nach vier Wochen, mittlerweile ist es Frühjahr 2010, rollen wir das Neuteil aus der Halle, spritzverzinkt und pulverbeschichtet, hinten rote Koni-Dämpfer, die für vorn folgen. Aber das Unternehmen Maykäfer hakt. Dennis hat ein bröseliges Problem. Wir stehen in seiner Garage, er zeigt auf den Schweller des alten Häuschens:"Eigentlich wäre hier ein Blech, damit ich den Schweller ansetzen und schweißen kann. Aber da ist nichts", sagt er. Und nun? Sachse fragen! Häuschen auf den Hänger, ab zum Edersee. "Meister Käfer" winkt ab: "Kann man schweißen, ist aber zu teuer." Sein Tipp: Kauft ein Häuschen aus Kalifornien. Mittlerweile sind Dennis und ich eingetaucht in die Käfer-Szene, kennen den Markt auf Bugnet.de – und werden fündig. Häuschen aus Sunny California, so viel Rost am Blech wie Euros auf meinem Konto – fast nix! Egal, nach zwei Jahren Schrauben gilt in Käfersachen mein Kneipenmotto: "Schenk ein, mach Striche!"

Hochzeit am Edersee

Hochzeit ohne Reue. Bodenplatte und Häuschen feiern Fusion. AUTO BILD-Reporter Andreas May hat extra ’nen Brautstrauß besorgt.

Wie viel ich jetzt schon versenkt habe? So viel wie monatlich reinkommt, manchmal mehr. Heiraten ist teurer, denk ich. Und kaufe einen Brautstrauß. Hochzeit am Edersee, Bodenplatte und frisch lackiertes Häuschen finden zueinander, die Hochzeitsnacht wird in Dennis’ Garage stattfinden. Wir rollen den halben Maykäfer raus, wollen selbst zusammenbauen, das spart Geld. Juli 2012, die Kollegen mobben mich schon: "Sollte der Maykäfer nicht längst fertig sein?" Ein paar Wochen später schickt mein Banker den dritten Brief in Folge, hat offenbar Sehnsucht. Ich sitze vor ihm wie Piksieben, wenn Karo Trumpf ist, zeige ein Foto vom Maykäfer. Der Banker grinst, zeigt sein Golf I Cabrio, sagt: „Fein, weitermachen!“ Wir kommen gut voran, gefühlt fahre ich die 375 Kilometer von Hamburg nach Ziegenhain jeden Samstag, setze mich um kurz nach vier Uhr morgens ins Auto und fange mit Dennis um acht an zu schrauben.

Viel Arbeit steckt im Projekt "Maykäfer"

Cockpitpflege auf Balkonien: Dank Pflegemittel glänzt es wieder.

Und wir machen alles, wirklich alles neu. Gummis, Teppich, Sitze, Türpappen, Lampen, Spiegel, Räder. Mittlerweile bin ich Sammelbesteller bei den Teileprofis von Käferland oder Werk 34. Und was nicht neu ist, wird aufgearbeitet. Ich poliere Scheibenrahmen-Chrom und Stoßstangen, entroste den Tank, verwöhne Cockpit und sämtliche Plastikteile mit Pflegemittel. Wir passen die Türen ein, deren Außenhaut Sachse vorher erneuert hat, setzen die Scheiben ein, ziehen Kabel, installieren den alten 50-PS-Motor. Dann, es ist der 3. November 2012, schlägt unsere Stunde. Es regnet, wir fahren offen und ohne Heckdeckel, wir strahlen wie nach einem kalten Bier im heißen Sommer. "Schön und gut", sag ich zu Dennis, "aber das kann es doch nicht gewesen sein." Der ganze Käfer glänzt wie Hulle, aber der Motor sieht aus wie aus dem Wallgraben geangelt. Anruf bei Sachse: "Wir brauchen mehr PS!" Es ist Winter 2012/2013, der Käfer steht warm und trocken, der Meister baut den neuen Motor. Rumpf ist ein 1.6er-Boxer, der aufgebohrt wird für 1776er-Zylinder. 40er-Weber-Doppelvergaser, Ölkühler hinterm geschlitzten Frontblech, elektrische Benzinpumpe, Super-Competition-Auspuff mit zwei Endschalldämpfern und Fächerkrümmer. Am 23. Mai, 16.47 Uhr, ruft Sachse an. Er hält den Hörer an den Auspuff, fragt: "Was ist das?" Ich: "Porsche 356." Er: "Nee, der Maykäfer!" Er ist fertig.

Nach vier Jahren ist es vollbracht

Dezentes Tuning im Stil der 70er: Der TÜV hat nix gegen die ATS-Sterne, Tieferlegung, dunkle Rückleuchten und Sportauspuffanlage.

Noch fünf Liter Wachs in die Hohlräume und ab zum Prüfingenieur. Das Wertgutachten bescheinigt guten bis sehr guten Zustand: "Die durchgeführten Blecharbeiten sind sehr gut gelungen und durch bloßen Augenschein nicht mehr erkennbar." Am 6. Juli 2013 entsteht das Foto, das Sie ganz oben als Titelbild sehen. Während des Shootings macht ein Mann mit dem Rad halt am Käfer. "Ist das der Wagen, der die letzten vier Jahre hier restauriert wurde?", fragt er. "Ja", sagen wir. "Hat das wirklich vier Jahre gedauert?"
Das WM-Käfer Cabrio: Sondermodell World Cup '74

Hier gibt es Käfer-Teile

VW hat kapiert, dass viele Menschen alte Käfer lieben, und betreibt einen Shop: www.volkswagen-classicparts.de. Die Auswahl ist aber in meinen Augen eher eine Enttäuschung. Hier meine Tipps für Käfer-Teile: www.kaeferland-shop.de: Die Jungs aus Frankfurt am Main haben die Top-Auswahl und viel Ahnung am Telefon. • www.typ-17.de: Ex-Volkswagenhaus, hat nicht nur Käfer-Teile, auch Bus, Golf, Karmann, Corrado und schicke Shirts. • www.vwkaeferersatzteile.de: der Shop der Käferfarm Viersen, die verkaufen und restaurieren auch Käfer. • www.vw-ersatzteilvertrieb.com: der Käfer-Service aus Wuppertal. Gute Preise und schneller Service. • www.hoffmann-speedster.com: von Käfer bis Porsche, tolle Räder, auch die schwarz polierten ATS-Sterne. • www.csp-shop.de: Die Käfer-Jungs aus Schleswig-Holstein sind die Tuning-Könige; Motor, Auspuff, Fahrwerk – alles, was den Käfer cooler macht. • www.bugnet.de: großer Gebrauchtmarkt; Ideen, Rat und Käfer-Hilfe. • Ohne ihn wäre der Maykäfer ziemlich flügellahm: Frank "Meister Käfer" Sachses spartanische Website finden Sie unter www.s-mocar.de
So teuer war der Maykäfer
Anschaffung: 6500 Euro
Ersatzhäuschen: 4000 Euro
diverse Blechteile (gebrauchte Cabriotür, zwei Kotflügel, Kofferraumdeckel): 2000 Euro
Blecharbeiten (Schweißarbeiten, Strahlarbeiten, Konservierung): 5000 Euro
Lackierung: 3000 Euro
Montagearbeiten: 1500 Euro
Alu-Räder (ATS-Sterne, vorn 5,5 x 15, hinten 7 x 15 mit 195/60 R 15 H): 1000 Euro
Verdeck (Sonnenland-Stoff, Persenning, Dichtgummis): 2000 Euro
Innenausstattung: 2000 Euro
diverse Teile: 1000 Euro
Motorteile (Rumpfmotor, 1776er-Zylinder, Kolben, Nockenwelle, Ventile, Ölkühler,
Leitungen, Ölreservoir, Doppelvergaser-Anlage, Auspuffanlage):
4500 Euro
Motor-Montage: 1500 Euro
Hauptuntersuchung und Gutachten: 400 Euro
Gesamt: 34.400 Euro
Andreas May

Andreas May

Fazit

Die Rückkehr des Maykäfers – es waren mir zwei Lehren. Erstens: Billig ist teuer. Zweitens: Nicht auf die Uhr gucken. Kommen wir zu Punkt eins. Ich habe 6500 Euro für ein Käfer 1303 Cabrio gezahlt. Klar, dass es dafür nur Schrott gibt. Gute Cabrios fangen bei 15.000 Euro an. Womit wir bei Punkt zwei sind: Nach oben gibt es keine Grenzen. Ich habe fast 30.000 Euro in die Restaurierung gesteckt – aber ich habe auch durch viel Eigenleistung Geld gespart. Zum Schluss war mir die Zeit egal, ich wollte nur, dass der Maykäfer gut wird. Und das ist er geworden. Ob ich Zeit und Geld noch mal investieren würde? Ja. Denn jetzt weiß ich, was ich habe. Und für immer behalten werde.

Stichworte:

Cabrio

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