Ratgeber Rostschutz

Rostschutz: Die versteckte Gefahr Rostschutz: Die versteckte Gefahr

Ratgeber Rostschutz

— 09.10.2008

Die versteckte Gefahr

Hohlraumkonservierung stoppt die Korrosion effektiv. Doch Vorsicht: Zu viel davon kann beim Schweißen gefährlich werden – brandgefährlich! Wachs, Fett oder Lanolin sind brennbar.

Ein Bild des Grauens aus dem Hohlraum eines VW Käfer: Morsche Bleche, die hauptsächlich von kiloweise eingespritztem Fett oder Wachs zusammengehalten werden. So sieht es in den Hohlräumen vieler alter Autos aus. Also Konservierung rein, was geht? Nein. Denn abgesehen davon, dass zu spät angewandter Hohlraumschutz ohnehin nichts mehr rettet, kann die allzu großzügige Anwendung von Wachsen und Fetten bei späteren Reparaturen gefährlich werden. Denn beim Schweißen entstehen Temperaturen, die sowohl Fett als auch Wachs entzünden können. Ist die Menge groß genug, kann es zu Verpuffungen kommen – wie bei einer überhitzten Bratpfanne.

Ohne Schutzschirm oder Handschuhe ist Schweißen ein riskantes Spiel mit dem Feuer.

Ein alter Hut? Wurde nicht seit jeher an wachskonservierten Autos geschweißt? Ja, aber mehr und mehr Fahrzeugbesitzer greifen aus Kostengründen zur Selbsthilfe – so wird Hohlraumkonservierung an Young- und Oldtimern immer öfter von Laien duchgeführt. "Viel hilft viel", denkt sich mancher Autobastler und verkleistert sich nicht zuletzt die Wasserablauflöcher der Schweller mit Fett. Noch schlimmer: Skrupellose Gebrauchtwagenhändler pumpen schrottreife Rostlauben mit Hohlraumfett voll und verkaufen sie anschließend als konservierte Youngtimer. Wenn dem Käufer dann beim nächsten TÜV-Termin die Plakette verweigert wird und geschweißt werden muss, ist die Not groß.

Der Brennpunkt aller Konservierungsmittel liegt über 300 Grad

Mit der Heißluftpistole wird das überschüssige Fett verflüssigt und tropft ab.

Doch zunächst ein bisschen Chemie und Physik: Alle Materialien, die zum Schützen der Hohlräume verwendet werden, sind brennbar: Wachs, Fett oder Lanolin. Sie werden flüssig in Karosserie-Hohlräume eingespritzt. Dort sollen sie durch die Kapillarwirkung in Falze und Ritzen kriechen und den Kontakt des Blechs mit Wasser und Luftsauerstoff verhindern. Sogar leichter Rost kann so zum Stillstand gebracht werden. Leicht entzündliche Lösemittel sind nur Wachsen zugesetzt, sie verdunsten aber schnell und spielen für spätere Reparaturen keine Rolle. Der Brennpunkt aller Konservierungsmittel, also die Temperatur, bei denen sie selbstständig weiterbrennen, liegt über 300 Grad. Beim Flexen oder Schleifen werden diese Temperaturen nicht erreicht, wohl aber beim Schweißen. Deshalb muss nach dem Freilegen der reparaturbedürftigen Stellen die Hohlraumkonservierung so gut wie möglich entfernt werden. Am besten eignet sich dafür eine elektrische Heißluftpistole.

Das erhitzte Fett oder Wachs verflüssigt sich und läuft ab. Die bessere Lösung: Hohlraumkonservierung nach Herstellervorschrift von einem Fachbetrieb ausführen lassen. Dann nämlich beträgt die Schichtstärke von Fett oder Wachs – je nach Produkt – nur zwischen 25 Mikrometer und einem halben Millimeter. Schon das reicht aus für einen guten Korrosionsschutz. Und die beschriebenen Risiken, verstopfte Abläufe und Brandgefahr bei Reparaturen, sind minimal.

Fazit von Redakteur Frank Rosin

Schweißen an hohlraumkonservierten Autos? Kein Problem, wenn man sich an die Regeln hält: geeignete Schutzausrüstung benutzen, Fett vor dem Schweißen entfernen. Beim Kauf fettkonservierter Youngtimer gilt: Von unprofessionell behandelten Autos im Zweifel die Finger lassen. Man erkennt diese Blender beispielsweise an fettverstopften Abläufen im Unterboden und schmierigen Kurbelfensterscheiben.

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