Ratgeber Winterlager: Oldtimer sicher ausmotten

— 04.03.2015

So wecken Sie einen Oldie sicher auf

Bald beginnt die Oldie-Saison! Viele Autoliebhaber holen ihren Klassiker zurück ans Licht, die erste Ausfahrt naht. Doch Oldtimer wollen nach langer Standzeit sanft gestartet werden. Hier einige Tipps.



Alle Anschlüsse, Schläuche und Leitungen auf Lecks untersuchen.

Mit dem Ende der kalten Jahreszeit beginnt die Oldie-Saison! Doch einen Oldtimer nach langer Pause aus dem Winterschlaf zu wecken, birgt Gefahren für die Technik. Denn das Motoröl hat sich tief in die Ölwanne zurückgezogen, möglicherweise bremst Rost die Bewegungsfreude der Kolben, Bremsbeläge sind vielleicht an Trommel oder Scheibe festgebacken. Eine altersschwache Batterie verweigert den Start des Anlassers. Damit der Dreh am Zündschlüssel nicht mit einem Werkstattbesuch endet, heißt es, den Wagen sanft zu starten.
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Sanft und ohne Zündung starten

Moderne Ladegeräte erhalten die Ladung der Batterie im Winterlager.

Hat der Oldie nur die letzten Monate im trockenen Winterlager verbracht oder stand er die letzten Jahre unbeachtet als Scheunenfund herum? Das gilt fürs Winterlager: • Batterie regelmäßig während der Winterzeit aufladen, oder besser noch mit Erhaltungsladung versorgen • Spätestens am Tag vor der Inbetriebnahme aufladen. • Wurden Vergaser und Auspuff durch Öllappen vor eindringender Feuchtigkeit geschützt, diese entfernen. • Zündkerzen herausschrauben, Kriechöl auf die Kolben sprühen und einwirken lassen, um eventuellen Rost zu lösen. • Sie hatten das Auto aufgebockt, um Standplatten zu verhindern? Stellen Sie das Auto wieder auf die Räder. • Alle Flüssigkeiten auf Zu- und Füllstand kontrollieren. Dabei die Bremsflüssigkeit nicht vergessen. • Jetzt wird's spannend: Zündung unterbrechen und Anlasser drehen lassen. Motor erst starten, wenn Öldruck aufgebaut ist.
Tipps fürs Ein- und Ausmotten
Was tun Warum
In möglichst trockenem Winterlager abstellen In feuchten Garagen dringt Kondenswasser in alle Hohlräume vor und beschleunigt die Korrosion
Fenster einen Spalt breit öffnen Ein gut belüfteter Innenraum neigt weniger zu Schimmelbildung
Batterie abklemmen und mit Ladegerät via Erhaltungsladung aktiv halten Auch ohne Verbraucher entladen sich Batterien langsam. Eine tiefentladene Batterie ist bald eine tote Batterie
Reifendruck auf bis zu 4 bar erhöhen oder aufbocken Wenn der Wagen ein halbes Jahr auf der Stelle steht, droht ein Standplatten
Volltanken vor dem Abstellen Bei Stahlblechtanks verhindert der Kraftstoff die Korrosion
Öllappen über den Vergaser und in den Auspuff stecken Damit möglichst wenig korrosionsfördernde Feuchtigkeit eindringt
Belüftungsloch des Behälters für Bremsflüssigkeit mit Klebestreifen zukleben. Spätestens alle zwei Jahre die Bremsflüssigkeit austauschen! Bremsflüssigkeit ist hygroskopisch und zieht daher Wasser an – das beim Bremsen verdampfen würde und die Bremsleistung dramatisch vermindert
Vor dem Starten das Zündkabel abziehen und orgeln, bis die Öllampe erlischt, Diesel ohne Vorglühen mit dem Anlasser durchdrehen Nach längerer Standzeit sollte erst Öldruck aufgebaut werden, bei kurzer Standzeit nicht nötig
Ölwechsel nur mit vorgeschriebener Ölqualität vornehmen Moderne Hochleistungsöle sind auch bei geringer Betriebstemperatur hochflüssig und können Dichtungen aufweichen oder durchsickern
Füllstand der Betriebsflüssigkeiten checken, unter dem Auto nach Flüssigkeitsverlust schauen So entdecken Sie Lecks im System und vermeiden Folgeschäden
Bei niedrigen bis mittleren Drehzahlen sanft einfahren Der Motor sollte möglichst sanft durchwärmt werden, alle beweglichen Teile müssen gangbar werden

Motor nach langer Standzeit wecken

Aufwendiger ist der Motorstart nach längerer Pause: Motor zerlegen, zumindest die Ölwanne, Zündkerzen und den Ventildeckel entfernen. • Brennräume durch die Zündkerzenlöcher reichlich mit Rostlöser wie WD-40 oder Caramba einsprühen. Mindestens einen Tag einwirken lassen. • Altes Öl und Ablagerungen möglichst gründlich entfernen, Diesel oder Waschbenzin hilft. • Ventilspiel und Nockenwelle kontrollieren. • Um die Ölkanäle und -leitungen von Ablagerungen zu befreien, Ölwanne wieder anschrauben und mit Diesel befüllen. Motor erst mit der Hand, dann kurz mit Anlasser zum Spülen der Ölleitungen drehen. Vorsicht, nicht zu lange, schließlich fehlt das Motoröl zum Schmieren.

Mit der Zeit verliert der Kraftstoff seine Zündwilligkeit. Nachschlag sorgt für Besserung.

• Nach dem Ablassen der Reinigungsflüssigkeit neuen Öl-Filter einbauen und Öl auffüllen. Dabei vor dem Anschrauben des Ventildeckels auch etwas Öl auf die Nockenwelle geben. • Wie oben beschrieben: Warten, bis sich Öldruck aufgebaut hat, erst dann den Motor starten. • Warmfahren und das Schmiermittel erneut ablassen. Das Öl sollte durch einen Filter gekippt werden, um verdächtige Späne zu finden. • Ist alles okay, abermals den Filter und das Öl wechseln. Ob kurze oder lange Standzeit, Kupplungen verkleben in Arbeitspausen. Für den ersten Start heißt das, unbedingt den Leerlauf einzulegen, andernfalls kann der erste Startversuch gleich an der Garagenwand enden. Ein weiterer Grund: Wer beim Starten das Kupplungspedal nicht tritt, der schont das Passlager der Kurbelwelle.

Sonderfall Diesel: Anlasser ohne Vorglühen drehen

Einen Diesel nach der Winterpause starten? Die Vorbereitungen sind wie beim Benziner. Einziger Unterschied: Das Abziehen der Zündkabel entfällt. Um vor dem ersten Motorstart ausreichend Öldruck aufzubauen und alle Schmierstellen mit Öl zu versorgen, reicht es, gleich den Zündschlüssel zu drehen, ohne Vorzuglühen. Das hat den Effekt, dass der Anlasser den Motor dreht und die Ölpumpe antreibt, der Motor aber nicht startet. Tipp: Um später den Motorstart zu erleichtern, ist es sinnvoll, alte Glühkerzen gegen Schnellstartkerzen aus dem Zubehör zu tauschen.

Nur das beste Öl in den geliebten Oldie?

Wer moderne, vollsynthetische Motoröle in den Oldie füllt, tut sich und dem Motor keinen Gefallen. Aktuelle Öle besitzen eine hohe Reinigungswirkung. Eine eigentlich gute Eigenschaft, doch werden große Mengen von Ablagerungen gelöst, können sie im schlimmsten Fall sogar feine Ölkanäle zusetzen, die Schmierung behindern und einen kapitalen Motorschaden hervorrufen. Auch haben moderne Öle Zusätze, die alte Dichtungen aufquellen lassen. Dann beginnt der alte Motor zu lecken. Daher immer die ab Werk vorgeschriebene Ölqualität fahren. Billig oder teuer? Der regelmäßige Wechsel und die Füllstandskontrolle sind entscheidend für einen geringen Verschleiß, nicht der Preis des Öls. Öl altert, auch ohne, dass Sie fahren. Wann ein Ölwechsel fällig ist, müssen Sie individuell entscheiden. Wer nicht viel fährt, muss nicht sklavisch jedes Jahr das noch bernsteinfarbene Öl austauschen.

Bildergalerie

Einfahren nach Standzeiten Einfahren nach Standzeiten Einfahren nach Standzeiten

Autoren: Bernd Volkens, Jan Horn

Stichworte:

Oldtimer



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