Dauertest-Bilanz BMW 3.0 Si: Bye, bye, baikalblauer BMW!

Redaktions-Dauertest: BMW 3.0 Si

— 14.10.2016

Bye, Bye, baikalblauer BMW!

Die Redaktion nimmt nach gut eineinhalb Jahren Dauertest Abschied vom charmanten, starken Bayern. Eine Zeit der Fahrfreude wie auch der großen Reparaturen!

Beim Elchtest knickt der BMW am kurvenäußeren Vorderrad sehr stark ein.

Als Dauertestwagen bei AUTO BILD KLASSIK hat es ein Auto gut, denn jedes technische Wehwechen wird sofort kuriert. Gleichzeitig wird ein Dauertester kaum geschont und fährt viel Strecke. Schließlich sollen in überschaubarer Zeit die Stärken und Schwächen eines Autos offen zutage treten, damit ein echtes Bild entsteht, wie sich der Klassiker macht. Und so absolvierte der baikalblaue BMW 3.0 Si (E3) im Dienst der Redaktion in 15 Monaten knapp 50.000 Kilometer. Nun hieß es Abschied nehmen, denn der liebevoll Osi genannte Wagen ging in neue Hände. Beim großen AUTO BILD KLASSIK-Preis 2016 wurde er Mitte Oktober dem AUTO BILD KLASSIK-Leser Malthe Nuber als Hauptgewinn übergeben. Eine ausführliche Bilanz des Dauertest folgt in AUTO BILD KLASSIK Heft 12/2016 (erscheint am 4. November).

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Motorrevision nach Bolzenschuss

Im Juni 2015 hießen wir ihn als neuen "Kollegen" willkommen, und erleben in den folgenden Monaten Höhen und Tiefen mit dem charmanten Bayer. Das vielleicht größte Abenteuer kam Ende 2015. Da klaffte plötzlich im Ventildeckel, genau im BMW-Zeichen, ein scharfkantiges Loch. Die schlimmste Befürchtung eines Autoliebhabers wurde wahr, eine komplette Revision des Motors nötig. Immerhin, der Motor unseres BMW war nach einem guten Tag zerlegt, durchgesehen und vermessen. Ergebnis: es war ein Bolzenschuss. Durch das Loch im Ventildeckel war ein Schraubenkopf zu sehen. Der gehörte zu einem der Bolzen, mit denen der Zylinderkopf fest auf dem Motorblock verschraubt ist. Oder besser: verschraubt sein sollte, denn einer lag lose in seinem Kanal. Außerdem waren die Kolbenringe futsch, was erklärte, warum wir dauernd Unmengen von Öl nachfüllen mussten, die dann als blauer Rauch durch den Auspuff gingen. Also: Kollege Henning Hinze nahm bei BMW Classic unter den Augen erfahrener Werkstattleute der Klassik-Abteilung alles auseinander. Nach aufwendiger Reparatur kam wieder ein heiler Ventideckel drauf - Patient geheilt.
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Der BMW im Tracktest

So konnte es auf die Rennstrecke gehen. Da die vier Gänge des Getriebes eng gestuft sind und der Schalthebel sich auf kurzen Wegen mustergültig exakt führen lässt, ist das Fahren im BMW 3.0 Si der Baureihe E3 vor allem eins: ein Vergnügen! Kein Wunder, dass der vom legendären Motorenentwickler Alex von Falkenhausen konstruierte Reihensechszylinder bis in die 1990er-Jahre eine feste Größe bei BMW blieb. Selbst wer es gemütlich angehen lässt, staunt über die Elastizität, mit der ein 3.0 Si aus niedrigen Drehzahlen im vierten Gang hochbeschleunigt. Zwar trägt das aufwendige Fahrwerk mit MacPherson-Vorderachse und Schräglenker-Hinterachse wesentlich zum Fahrspaß bei. Doch durch seine recht weiche Dämpfung taucht der BMW bei abrupten Richtungswechseln vorn so tief ein wie ein Rennboot, bei dem plötzlich Gas weggenommen wird. Die Folge: ein leichtes Heck und Übersteuern, das schnelles Reagieren erfordert. Also besser behutsam langsamer werden. Der Druckpunkt des Bremspedals ist so exakt, dass Verzögern Freude macht.

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Auf den Spuren des Erstbesitzers

Passt: Der BMW dürfte schon 1972 manches Mal vor diesem Tennisclub in Mailand geparkt haben.

Auf den Spuren in die Vergangenheit des kurz Osi genannten Bayern. September 1973. Die meisten der heutigen Gebäude stehen noch nicht, als Mario Butti seinen BMW 3.0 Si das erste Mal durch die Via XX Settembre nach Hause steuert. Hier wohnte er, der Mann, der unseren Dauertester neu kaufte; der damals also nicht zu Alfa Romeo ging (das Werk Arese liegt quasi neben der Autobahn), auch nicht zu Lancia oder Maserati. Er wählte deutsch: Exakt 3.827 Exemplare der großen Baureihe E3 lieferte BMW 1973 nach Italien. Wie viele 3.0 Si darunter waren, weiß auch das Herstellerarchiv nicht. Signor Butti, ach, wir hätten so viele Fragen: Wohin fuhren Sie mit Ihrem Wagen? Nach Cinqueterre, auf die Insel Elba, an die Amalfi­küste? Menschen wie Sie, vermuten wir, haben eine Dependance für den Sommer am Meer, unter schattigen Pinien mit Blick aufs Wasser, das im gleichen herrlichen blauen Baikal metallic flimmert wie der Lack Ihres Wagens. So stellen wir uns das vor. Nur unser BMW weiß, was wirklich war. Doch Autos reden nicht, nur manchmal geben Indizien eine Ahnung von dem, was war. Ihrer nicht, kein Auf­kleber, keine Rechnung. Nichts. Und so bleibt es beim Spekulieren.

Power-Klassiker: 200 PS für 5000 Euro

Nicht ganz dicht am Heck

Ein Spalt an der Rückleuchte lässt Abgase von hinten in den Innenraum zu ziehen.

Neues Testkapitel, neues Problem. Unser Dauertest-BMW 3.0 Si zieht "Nebenluft", und das riechen und sehen wir seit dem ersten Tag. Konkret: Durch einen Spalt zwischen rechter Rückleuchte und Heckblende gelangen Abgas und Wasser in den Kofferraum. Dadurch stinkt das Gepäck, und die Nässe hat das Blech angegriffen. Der Spalt ist durch eine Verkettung von Problemen entstanden: Weil das Heckblech minimal eingedrückt ist, sitzt die Alu-Blende über die ganze Wagenbreite nicht optimal. Kleine Ursache, große Wirkung: Der Bereich um die Heckleuchte muss neu aufgebaut werden. Ein maßgefertigtes Stück Blech ersetzt eine weggerostete Blechkante hinter der undichten Rückleuchte und ist so gefertigt, dass die Leuchte künftig nicht mehr auf Spannung sitzt. Es wird eingeschweißt, geglättet und versiegelt. Die alte, verzogene Alublende wird durch eine gute gebrauchte ersetzt. Schließlich bauen wir zwei neue Rückleuchten mit neuen Dichtungen ein. Jetzt, wo alles wieder trocken ist, wird alles gesäubert und auch der angegammelte Tank entrostet und versiegelt. Befund: endlich alles dicht!

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So klingt das Radio wieder wie damals

Unser BMW bekommt ein originales Blaupunkt "Frankfurt" Radio aus seinem Geburtsjahr 1973.

Bis in die 60er waren Autoradios ein Luxus, der soviel kosten konnte wie ein Kleinwagen. Die meisten Wagen rollten deshalb ohne Radio aus der Fabrik; selbst bei Oberklassemodellen wie unserem Dauertest ­BMW 3.0 Si kam das vor. Wer eins einbauen will, muss erst mal suchen. Für unseren Dauertest­ 3.0 Si fragen wir bei BMW Classic nach. Deren Unterlagen zufolge passt in unserem Fall am besten das Blaupunkt Frankfurt, damals ein Oberklasse­ Radio. Spezialisten restaurieren alte Autoradios und verkaufen sie, die Preise liegen meist zwi­schen 350 und 500 Euro. Das ist viel Geld; normale Gebraucht­geräte werden im Internet für unter 200 Euro gehandelt. Das bessere Angebot sind sie aber selten: Nach mehreren Jahrzehnten ist fast immer irgend­ was ausgeleiert oder kaputt – und für die Reparatur muss dann doch wieder der Fachmann ran.

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Übergabe bei BWM Group Classic

Gewinner des BMW 3.0 Si ist Malthe Nuber (l.), hier mit Ulrich Knieps, dem Leiter der BMW Group Classic.

Das letzte Kapitel des Dauertest endet Mitte Oktober am Hauptsitz von BMW Group Classic in München bei der Verleihung des großen AUTO BILD KLASSIK-Preises. Der neue Besitzer heißt Malthe Nuber! Er hat den baikalblauen BMW als Hauptgewinn gezogen! Ulrich Knieps, der Leiter der BMW Group Classic, übergibt das Auto. Herzlichen Glückwunsch! Hier die Erfahrungen der AUTO-BILD-KLASSIK-Redaktion mit dem BMW 3.0 Si in Bildern!

Dauertest BMW 3.0 Si: Bye, bye, baikalblauer BMW!

Autoren: Michael Struve, Thomas Wirth, Peter Michaely, Henning Hinze

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