Kleinwagen

Renault 5 Exclusiv

— 18.06.2014

Royaler Renault

Der Renault 5 ist ein alter Bekannter, den wir als sparsam, praktisch und immer ein bisschen verschrammt in Erinnerung haben. Dieser hier ist anders: edel, fein und vornehm. Bonjour Finesse!

Premium ist heute normal. Handy-Vertrag, Toilettenpapier, Diesel-Sprit, Landgasthof – alles premium, alles super, alles exklusiv. Darunter macht’s keiner mehr. Ein Renault 5 hat damit so seine Probleme. Weil er sogar als aufgeblasener Turbo noch brav Platz für vier Passagiere bietet oder seinen Besitzer mit Genügsamkeit erfreut. Weil Vernunft immer seine Stärke war und Normalität sein größtes Argument – die Mittelmotor-Renner für den Rallye-Sport mal ausgenommen. Weil er gar nicht teuer kann. Ein Vertreter der zweiten "Supercinq"-Generation, der in der Garage und nicht auf der Straße parkt, sorgt für Erklärungsbedarf. Wenn Renault also ganz unverblümt "Exclusiv" an einen R5 schreibt, zwei aufgebrezelte Achtziger-Jahre-Models in Anzeigen vor Auto und klassischer Kulisse posieren lässt und vom "Feinen Freund mit allen Schikanen" spricht, dann wird’s ernst.

Gebrauchtwagensuche: Renault R5

Mit 87 PS und 180 km/h Spitze hält solch ein Renault 5 Exclusiv auch heute noch mit. Der Anblick ist leider selten.

©M. Heimbach

Wir schließen per Knopfdruck auf. "Plip" heißt lautmalerisch das Infrarot-System, das die Knöpfe der Zentralverriegelung schnalzen lässt. Das Gefummel in den Türgriff-Mulden, ein Erbe des spartanisch auftretenden Vorgängers, ist eher nervig als exklusiv – dafür warten innen feine Ledermöbel, in Verarbeitung und Optik den Sesseln eines Citroën CX Prestige sehr ähnlich. Die beige-braune Plastiklandschaft ist farblich darauf abgestimmt, der Lack ist sowieso exklusiv: "Bison-Braun-Metall" (es stehen auch "Magic-Schwarz" und "Tundra-Grün-Metall" zur Wahl) dürfen in den Jahren 1987 bis 1989 bei Renault nur die identisch ausgestatteten, aber je nach Land unterschiedlich getauften Edel-R5 tragen. Ihre Antithese heißt Campus. In kreidigen Blasstönen lackiert, mit möglichst kleinen Motoren und dem Instrumenten-Kasten des Kleinlieferwagens Rapid, dazu noch ohne Radkappen, erhält ein solcher Basis-R5 nur das zum Leben Nötigste. Das ist die einfachste Form der Mobilität – ein Renault 4 in zeitgemäßer Verpackung, wenn man so will. Die Palette zwischen Exclusiv und Campus gestaltet sich dagegen, wie bei Renault gewohnt, verworren: GT Turbo und GTE, GTL, GTX, TD, GTD sowie verschiedene Sondermodelle erschweren die Übersicht.

87 PS reichen für 180 km/h Spitze

So konsequent wie beim R5 Exclusiv hatte Renault das Thema Luxus-Kleinwagen noch nie umgesetzt.

©M. Heimbach

Aus dem Ausstattungs-Wirrwarr macht der Exclusiv das Beste. Er trägt nicht die rauen, grau durchgefärbten Plastikplanken der Einfach-Modelle, sondern lackierte Stoßfänger. Er macht sich nicht breit wie der Turbo, hat keine praktischen fünf Türen, aber dafür Nebelscheinwerfer und hübsche Aluräder. Und Extras satt: Colorglas, Zusatzinstrumente, elektrische Fensterheber, von innen verstellbare Außenspiegel, tiefe Teppiche, Servolenkung, die Bremsanlage des GT Turbo an der Vorderachse, getrennt umlegbare Rückenlehnen und bronzefarbene Zierstreifen. Auch der Motor markiert die goldene Mitte: Er ist weder turbogeladen, noch gehört er zum Alteisen der OHV-Generation. Die Nockenwelle liegt schon oben, aber ein Vergaser genügt noch den Ansprüchen. Aus 1,7 Litern holt der Vierzylinder 87 PS, das reicht für spritziges Temperament und 180 km/h Spitze. Gut vorstellbar, dass höhere Töchter oder die Inhaberin des innerstädtischen Kindermode-Ladens im Renault 5 Exclusiv zur Uni oder Arbeit fuhren. Ob sie im Sommer die fehlende Klimaanlage, damals noch echter Luxus, vermissten? Vielleicht. Sie ist das Einzige, was zum perfekten Auftreten fehlt, war Ende der 80er aber weder für Geld noch gute Worte erhältlich. Und 25 Jahre später ist ein exklusiver Renault 5 nicht nur chic und hübsch, quirlig zu fahren und erschütternd selten, er ist vor allem günstig. Höchste Zeit, sich einen zu suchen. Völlig normal, oder nicht?

Technische Daten

Der quer eingebaute 1,7-Liter-OHC-Vierzylinder mit 87 PS leidet an verzogenen Vergasern. Ihnen wird es leider oft zu heiß.

©M. Heimbach

Renault 5 Exclusiv Motor: Reihenvierzylinder, vorn quer • eine oben liegende Nockenwelle, über Zahnriemen angetrieben, zwei Ventile pro Zylinder, Weber 32 DRT Fallstrom-Doppelvergaser • Hubraum 1721 ccm • Leistung 64 kW (87 PS) bei 5500/min • max. Drehmoment 132 Nm bei 3500/min • Antrieb/Fahrwerk: Fünfgang-Schaltgetriebe • Vorderradantrieb • Einzelradaufhängung, vorn an Querlenkern u. MacPherson-Federbeinen, hinten an Längslenkern u. Drehstabfedern • Räder/Reifen 5 J x 13 mit Reifengröße 165/65 R 13 • Maße: Radstand 2407 mm • L/B/H 3591/1584/1397 mm • Leergewicht 835 kg • Fahrleistungen/Verbrauch: 0–100 km/h in 9,8 s • Spitze 180 km/h • Verbrauch 7,7 l S pro 100 km • Neupreis: 21.900 Mark (1987).

Historie

Oktober 1984: Auf dem Pariser Salon steht der neue Renault 5. Gezeichnet hat den "Supercinq" Ex-Lamborghini-Designer Marcello Gandini. 1985: Drei- und Fünftürer kommen auf den Markt, Topmodell ist der GT Turbo mit 115 PS. 1986: R5 Diesel (55 PS) und GTL mit geregeltem Kat sind neu. Der Renault 5 Rapid ersetzt den alten, noch auf dem R4 basierenden Kleinlieferwagen Fourgonnette. In Belgien baut EBS den Supercinq zum Cabrio um, rund 1400 Stück werden gefertigt. Das Topmodell mit Saugmotor heißt GTE und leistet 97 bzw. 94 PS mit Kat. 1987: Die splitternackte Basisausführung nennt sich jetzt "Campus" (45 PS). Das neue GTX-Modell erhält einen Benziner mit 87 PS. 1989: Alle Renault-5-Benziner sind mit geregeltem Katalysator ausgerüstet, der gesamten Palette reicht jetzt Normalbenzin. Im "Renault elf"-Markenpokal geht der GTE mit G-Kat an den Start. 1991: Der Nachfolger Clio ist schon auf dem Markt, aber der R5 wird weitergebaut – als Drei- und Fünftürer und mit vier Motoren zur Wahl. 1994: letztes Produktionsjahr des R5, die allerletzten tragen zum Abschied einen "Bye-Bye"-Aufkleber am Heck. Gesamtstückzahl: 3.464.217.

Plus/Minus

Autos wie der Renault 5 Exclusiv haben Potenzial: Sie sind selten und chic, aber auch alltagstauglich und neidfrei.

©M. Heimbach

Über den Renault 5 der zweiten Generation lässt sich viel Gutes sagen: Er rostet deutlich weniger als der Vorgänger, die Technik ist langlebig, die Konstruktion praktisch, und selbst richtig gute Autos kosten richtig wenig Geld. Warum das so ist? Weil der Supercinq nicht als Klassiker im Wartestand, sondern als billiger Gebrauchter gilt und Restbestände gnadenlos aufgerieben werden. Einzig die heißen Turbo-Versionen oder die seltenen Cabrio-Umbauten knacken, so mal ein echter Liebhaber vorbeikommt, die 5000-Euro-Grenze. Für gute Vertreter der Exclusiv-Edition werden bisweilen über 3000 Euro aufgerufen, doch sind Angebot und Nachfrage dünn. Fazit: Das blasse Image drückt die Preise und spielt deshalb Renault-5-Käufern mit Weitsicht in die Hände.

Ersatzteile

"Die Technik ist nicht das Problem", sagt Renault-5-Besitzer Jörg Reiners. "Aber die Sonderausstattungen." Insgesamt vier Autos stecken in seinem restaurierten R5 Exclusiv, der als Unfallauto mit Motorbrand, fehlenden Teilen und blätterndem Klarlack im Jahr 2000 nur 50 Mark kostete. "Jahre später habe ich 300 Euro für einen Haufen Kernschrott bezahlt, weil ich die Ledertasche unter der Hutablage haben wollte – die habe ich genommen und den Rest weggeschmissen." Lenkrad und Schaltknauf, selten und gesucht, können vom GT Turbo bzw. GTE übernommen werden, die Ledersitze, Teppiche und Verkleidungen sind jedoch wahrhaft exklusiv. Zum Glück sind Teileträger (noch) billig.

Marktlage

In Deutschland hieß er Exclusiv, in Frankreich, Spanien und Benelux Baccara, in England Monaco, in Italien Limited. Rund 4000 Edel-R5 sind gebaut worden. Da müsste sich doch was finden lassen? Leider nein. Die meisten R5 sind völlig verwahrlost oder totgetunt. Wer ein gutes Auto haben will, muss lange suchen.

Empfehlung

Autos wie der Renault 5 Exclusiv haben Potenzial: Sie sind selten und chic, aber auch alltagstauglich und neidfrei. Auf Treffen oder bei Ausfahrten wird ein gepflegter und originaler Exclusiv (oder auch ein GT Turbo, GTE oder Cabrio) in Zukunft schon allein deshalb für Aufsehen sorgen, weil kaum ein Supercinq erhalten geblieben ist. Heute gibt es noch die Möglichkeit, günstig einen R5-Klassiker für morgen zu erwerben. Vor der Technik braucht niemand Angst zu haben.

Autor: Jan-Henrik Muche

Fotos: M. Heimbach

Diesen Beitrag empfehlen

Kommentare

Datenschutz

Die Technik der Kommentarfunktion "DISQUS" wird von einem externen Unternehmen, der Big Head Labs, Inc., San Francisco/USA., zur Verfügung gestellt. Weitere Informationen, insbesondere darüber, ob und wie personenbezogene Daten erhoben und verarbeitet werden, finden Sie in unseren Datenschutzbestimmungen

comments powered by Disqus
Anzeige

Automarkt

Finden Sie im Automarkt von autobild.de Ihren Gebrauchtwagen.

Bei autohaus24.de Neuwagen günstig kaufen und Geld sparen.