Renault Alpine A310 S auf der Alpenstraße

Alpenstraße Alpenstraße

Renault Alpine A310 S auf der Alpenstraße

— 01.08.2008

Dein schönster Alp-Traum

Die Alpenstraße: Serpentinen und Senken, Kurven und Kuppen – AUTO BILD begibt sich mit der Alpine A310 S auf eine automobile Achterbahnfahrt zwischen Bodensee und Berchtesgaden.

Du bist der Farbtupfer in der Landschaft. Über dir das Weiß und Blau des Himmels. Neben dir das Grün der Weiden. Vor dir das Grau der Bergmassive. Und dazwischen deine Alpine. Rot wie die Geranien vor den Fenstern der Bauernhäuser. Du lenkst in eine enge Linkskurve, dann sofort wieder nach rechts, der Sechszylinder im Heck nimmt die Serpentinen mit Leichtigkeit. Ein Wagen wie dieser kennt sich aus damit. Erfahrung aus unzähligen Bergrennen. Dann ist der Pass erreicht. Du fährst über diesen schmalen Grat zwischen Wehmut und Vorfreude. Hinter dir der Walchensee, spiegelglatt in der Sonne. Die Segelboote, das Alpenpanorama. Und unten glitzert schon der Kochelsee, der nächste Höhepunkt deiner Reise auf der Deutschen Alpenstraße.

Der Weg ist das Ziel

Die Alpenstraße führt direkt an dem fast 200 Meter tiefen Bergsee entlang.

Du lässt die Renault Alpine A310 S rollen, durchs offene Fenster riechst du die klare Bergluft, die Tannen, die Erde. Du sitzt in der französischen Flunder von 1983 mit ihrem plüschigen Innenraum. Du könntest locker schneller, aber das willst du gar nicht. Dein Blick geht von der Asphaltdecke hoch zur Alpenkette. Dein schönster Alp-Traum führt dich vom Bodensee ins Berchtesgadener Land. Vorbei an Seen, Schlössern, Kirchen und Klöstern. Aber anders als auf der Burgen- oder der Käsestraße ist hier der Weg das Ziel. Hinter jeder Kuppe, nach jeder Kurve wartet eine kostenlose Überraschung. Dann triffst du Männer wie Friedhelm Olschewski, der in einer unscheinbaren Halle in der Grüntenseestraße in Wertach seine automobilen Schätze aus aller Welt aufmöbelt. Einen Morris Minor aus Ungarn, einen DeSoto aus der Türkei, einen Karmann Ghia aus Namibia. Landet alles in Wertach. Seit acht Jahren restauriert Olschewski (69) Oldtimer. "Dabei laufe ich selbst mit einem Austauschmotor", erzählt er dir und grinst. "Zweites Herz, vor zehn Jahren." Heute ist er Tischtennis-Europameister bei den Organtransplantierten.

Begegnung: Die Alpine A310 S trifft eine Sunbeam Alpine Mk. V von 1967.

Dann holt Olschewski seinen 1967er Sunbeam Alpine Mk V, gekauft in Texas, aus dem Stall – und Heinz-Christian Kleinemeier holt tief Luft. Dem Renault-Händler aus Minden gehört die rote Alpine, die jetzt hier ihren Namenvetter trifft. Und Kleinemeier kennt die Geschichte dazu. Wie Sunbeam an Talbot ging, Talbot an Peugeot und Renault die Rechte am Namen "Alpine" erst vor Kurzem erwarb. Olschweski und Kleinemeier sind Seelenverwandte, beide von Technik fasziniert. Gut 15 Jahre stand die rote Alpine A310 S in der Garage in Minden. Kleinemeier, der für Alpine auch Zubehör entwickelte, hat sie flottgemacht und freut sich jetzt, "wie prima die wieder läuft". Und das tut sie. Du überholst eine Gruppe Traktoren, die auf dem Weg zu einem Treffen sind. Du machst Rast und lässt dir das frische Bergquellwasser über dein Gesicht und in den Nacken laufen. Du blickst durch die schräge Windschutzscheibe staunend auf das Kaisergebirge. Du triffst Frauen wie Petra Müller, die im Hotel Feuriger Tatzlwurm die Hochzeit von Freunden feiert und in deren Dirndl eine Oberweite steckt, an der kein normaler Mann vorbeischauen kann. Du fällst todmüde ins Bett und frühstückst mit frischer Milch und Weißwürste.

Hinauf bis in die Wolken

Am Ende der Alpenstraße, im Berchtesgadener Land, darfst du aber keinen Fehler machen. Also lässt du die Touristenfalle Königssee, wo sie dir allein für die Einfahrt in den Ort drei Euro abnehmen, rechts liegen und nimmst stattdessen die Rossfeld Panoramastraße. Die kostet sogar 4,30 Euro, dafür führt sie hinauf bis in die Wolken, von wo aus du nach Salzburg hinunterschauen kannst. Hier hat die Alpine A310 S wieder ein Heimspiel. Das Rossfeld-Bergrennen für historische Fahrzeuge gibt es seit elf Jahren. Und hier, im südöstlichen Zipfel Deutschlands, endet die Fahrt. Nach 450 Kilometern ist der Alp-Traum vorbei. Doch Deutschland ist groß. Es gibt noch viel mehr als Alpen-, Bäder- oder Fachwerkstraße. Du freust dich schon darauf.

Renault Alpine A310 S

1950 siegt Jean Rédélé in einem Renault 4 CV beim Coupe des Alpes. Den Sportwagen mit Kunststoff-Karosserie und Heckmotor, der auf dem französischen "Volkswagen" basiert, nennt er daher "die Alpine". Die A106 geht 1955 in Serie. Nach A108 folgt 1963 die legendäre A110. In Genf wird 1971 die A310 vorgestellt, fünf Jahre später folgt die V6-Version. Seit 1973 gehört Alpine zu Renault. 1983 kommt die breitere Sportversion A310 S. Die V6 GT (ab 1985) und der A610 (ab 1991) beschließen die Alpine-Historie. 1994 ist die Alpine am Ende, Rédélé stirbt im August 2007.

Technische Daten V6-Heckmotor, wassergekühlt • Hubraum 2645 cm3 • Leistung 132 kW (177 PS) bei 6000/min (Serie: 150 PS) • Hinterradantrieb • vollsynchronisiertes Fünfganggetriebe • 2+2-sitzige Kunststoffkarosserie auf Stahlrohrrahmen • Einzelradaufhängung an Doppelquerlenkern • Länge/Breite/Höhe 4250/1775/1150 mm • Radstand 2270 mm • Leergewicht 1060 kg • Höchstgeschwindigkeit 230 km/h • Verbrauch: circa 14 Liter Super/100 km Preis (1983): 35.950 Euro

Die deutsche Alpenstraße

Auf der Deutschen Alpenstraße trifft man Frauen im Dirndl, wie Petra Müller (29).

So beschaulich die Deutsche Alpenstraße auch sein mag – sie beginnt und endet hektisch. In Lindau am Bodensee tummeln sich Tausende Touristen, noch schlimmer ist es am Königssee bei Berchtesgaden. Doch dazwischen: Ruhe und Erholung auf über 450 Kilometer mit traumhaften Blicken auf die Alpenkette. Vorbei geht die Route an 25 Burgen und Schlössern, 21 Bergseen, 64 Kurorten und unzähligen Kirchen und Klöstern. Touristische Attraktionen sind das Schloss Neuschwanstein und das Kloster Ettal. Den höchsten Punkt erreicht die Alpenstraße in Oberjoch im Allgäu (1200 Meter). Reiseinformationen: Touristikverein Deutsche Alpenstraße, Radolfzeller Str. 15, 81243 München, Tel. 0 89-82 92 18 28. 

Infos und Adressen entlang der Route

Besichtigen
Wieskirche Bei Steingaden. Von den vielen Wallfahrtskirchen vielleicht die schönste. Erbaut 1745 bis 1754. Seit 1983 ist der Rokoko-Bau Weltkulturerbe. Eintritt frei (Spende erbeten). Wies 12, 86989 Steingaden, Tel. 0 88 62-9 32 93-0.

Franz-Marc-Museum In Kochel am See. 1986 gegründet. Expressionist Marc (1880–1916) lebte ab 1908 in Oberbayern, ab 1914 am Kochelsee. Eintritt 7,50 Euro. Franz-Marc-Park 8–10, 82431 Kochel am See, Tel. 0 88 51/9 24 88-0.

Salzbergwerk Berchtesgaden Seit 1517 in Betrieb. Anderthalbstündige Besichtigungsfahrten. Eintritt: 9 Euro (bis 16 Jahre), 14 Euro (Erwachsene). Bergwerkstraße 83, 83471 Berchtesgaden, Tel. 0 86 52/60 02-20.

Übernachten
Hotel Kaufmann Sehr schickes 4-Sterne-Haus in Roßhaup ten (Ostallgäu). Schöner Wellnessbereich, gutes Restaurant. Zimmerpreise ab 45 Euro. Füssener Straße 44, 87672 Roßhaupten, Tel. 0 83 67-91 23-0.

Hotel Feuriger Tatzlwurm Einsam gelegen hinter Bayrischzell. Zimmer ab 49 Euro, inklusive tollem Frühstück. 83080 Oberaudorf, Tel. 0 80 34/30 08-0.

Autor: Hauke Schrieber

Diesen Beitrag empfehlen

Anzeige

Automarkt

Finden Sie im Automarkt von autobild.de Ihren Gebrauchtwagen.

Bei autohaus24.de Neuwagen günstig kaufen und Geld sparen.