Renault Dauphine R 1093

Renault Dauphine R 1093

— 01.05.2011

Der rassige Renault

Im Grunde seines Wesens war der Renault Dauphine keine Sportkanone. Dennoch haben die Franzosen mit dem Typ 1093 versucht, ganz vorn im Motorsport mitzumischen.

Der Name Dauphine ist doppelt passend. Das Wort bedeutet Thronfolgerin und gleichzeitig Delfin, und es heit natrlich die Dauphine, denn die Anmutung des Wgelchens ist durch und durch weiblich, ungefhr wie beim Karmann-Ghia. Der blieb allerdings grammatisch ganz Mann, besa aber vorwiegend Freundinnen. Tatschlich wurde auch die Dauphine mit Untersttzung von Ghia entworfen, daher diese italienische Eleganz, die weltweit als franzsische lgance durchging. Dabei war sie doch blo ein braver Heckmotor-Kleinwagen von 1956, die Thronfolgerin von Knigin 4 CV, die das Land nach dem Krieg motorisierte und im franzsischen Volksmund "motte de beurre" (Butterklumpen) getauft wurde, whrend die Deutschen "Cremeschnittchen" sagten, was eigentlich besser zur Dauphine gepasst htte.

Die Anmutung des Renault Dauphine ist durch und durch weiblich, ungefhr wie beim Karmann-Ghia.

La petite Renault war offenbar so chic, dass sogar die Amerikaner eine heftige, wenn auch kurze Love Affair mit ihr begannen. Rund zehn Prozent der Gesamtproduktion von gut zwei Millionen verkaufte Renault tatschlich in den USA. Wenn die Amis dieses bisschen Auto zwischen den flossenbewachsenen Impala, Imperial und Eldorado herumhoppeln sahen, werden sie von Europa vermutlich ungefhr das Bild gehabt haben, das wir heute von Moldawien empfinden. Aber darum geht es hier nicht, es geht um den Sport, und der ist bekanntlich eine ernste Sache. Mit 27 Serien-PS lie sich wirklich nicht gro Staat machen, doch angetrieben vom 32-PS Motor des Sportmodells 1063 aus dem Butterklumpen 4 CV gab es schon bald eine Spciale-Version der Dauphine, die gewann 1956 die Rallye Korsika, 1957 die Tulpenrallye und, jetzt aber Achtung, 1958 die Rallye Monte-Carlo wobei es dabei generell noch nicht so sehr auf Geschwindigkeit ankam und die Kleinwagen mit Handicap-Wertungen im Vorteil waren.

Die Rallye Korsika auf Anhieb gewonnen

Gut belftet ist der 49-PS-Heckmotor der Rallye-Dauphine: seitlich vor den Radhusern rein, hinten wieder raus.

Nchste Stufe war die Dauphine Gordini mit 33 PS (spter 36), doch das gengte der Sportabteilung noch immer nicht. Sie entwickelte eine ultimativ scharfe Version und taufte sie 1093, weil sie die dritte Variante der intern als 109 bezeichneten Dauphine war. Ursprnglich sollten nur 1000 Stck fr die Homologation als Tourenwagen gebaut werden, es wurden dann aber doch 2140, von denen in Frankreich noch rund 100 erhalten sind. Die 1093 gewann auf Anhieb die Tour de Corse (Rallye Korsika), die damals zwar nicht zur Weltmeisterschaft gehrte, denn die gab es noch nicht, doch war diese Zuverlssigkeitsfahrt in Frankreich bereits gefrchtet und dick in den Zeitungen. 1404 Kilometer ging's kreuz und quer ber dieses nur aus Kurven bestehende Inselstraennetz bei Regen, Nacht und Nebel, das war heavy. Unter den ersten zehn lagen acht 1093er. Typ R 1093 blieb das wildeste Dauphine-Modell mit einer Spitze von gut 140 km/h. Die Sportabteilung kitzelte aus dem 845-Kubik-Motrchen erstaunliche 49 PS durch klassisches Tuning: Doppelvergaser, hhere Drehzahl dank doppelter Ventilfedern, polierte Ein- und Auslasskanle, Sportauspuff, steilere Nockenwellen und eine viel hhere Verdichtung (9,2:1 statt 8:1).

Autos der 70er: die Franzosen

Dem Fahrwerk wurden hrtere Federn untergeschraubt, die Spannung im Kabelbaum stieg auf zwlf Volt, die Trommelbremsen bekamen vorn eine Verrippung zur besseren Khlung und der Fahrer einen Drehzahlmesser sowie den Tacho bis 180, sicher ist sicher. Problematisch blieb die Hinterhand, eine simple Pendelachse ohne Fhrung an Lngslenkern. Im Grenzbereich auf welliger Piste verlangte sie eine kundige Hand und rasche Reflexe, damit das Heck nicht pltzlich die Nase vorn hatte. So trat die schnelle Dauphine ab 1962 in zahllosen Rennen und Rallyes an, und ihre Pilotennamen lesen sich wie das Who's Who des franzsischen Motorsports: Jean-Pierre Nicolas, Grard Larrousse, Guy Chasseuil, Claude Ballot-Lna, Dany Snobeck, Jo Schlesser, Jean-Franois Piot, Henri Pescarolo. Sie alle fingen mit dem kleinen Delfin an. Sein Erkennungsmerkmal waren die von den US-Exportversionen bekannten greren Scheinwerfer mit 180 mm Durchmesser (statt 160) und der blaue Doppelstreifen vom Bug zum Heck, mutig bers Dach, schlielich die Farben: Wei, spter Hellgrau. 6300 Mark kostete der Werksrenner.

Damen siegen

Trotz groer Breitenwirkung des Modells, so erfolgreich wie geplant war die R 1093 im Motorsport nicht. Daher kam schon 1964 die Gordini-Version des Thronfolgers der Dauphine. Der hatte nichts Delfinses mehr in der Form, sah eher wie mit der Axt zugehauen aus und hie nchtern R 8. Doch erregte er wieder richtig Aufsehen im Sport. Die Zeit war gekommen, da gengten 49 PS einfach nicht mehr. Den Kabelsalat und die Zusatzinstrumente rechts einschlielich Tripmaster sollte man sich hier wegdenken, echt sind aber der Drehzahlmesser links und der Tacho im zeitgenssischen Stil. Dito der Auenspiegel und so (unten) sa der Herr Rallyefahrer damals, als er zum Beispiel die Tour de Corse gewann. Der R 8 Gordini (R 1134) besa daher zunchst 77 PS, dann 88. Das reichte, um wieder oben aufs Treppchen zu klettern, zum Beispiel dreimal hintereinander bei der Tour de Corse, der Lieblingsveranstaltung aller Renault. 14- mal war das Werk hier erfolgreich, davon viermal mittels einer Dauphine, dieses femininen Kleinwagens, und einmal, 1956, saen dabei sogar Damen am Steuer.

Historie

Nachgerstet mit Tripmaster und Zusatzinstrumenten: verfrickeltes Cockpit einer Dauphine R 1093.

Der in die Jahre gekommene kleine Renault 4 CV brauchte einen Nachfolger, verkaufte sich jedoch noch so gut, dass er auch nach Erscheinen des Modells Dauphine 1956 fnf Jahre weitergebaut wurde. Es machte sich zudem die Erkenntnis breit, dass Frontmotor und -antrieb die Zukunft gehrt, weshalb als eigentlicher Erbe des 4 CV der R 4 gilt (ab 1961), der die Antriebseinheit des 4 CV kurzerhand andersherum im Bug eingebaut bekam. Die ebenfalls auf dem 4 CV basierende Dauphine blieb im Grunde nur ein Zwischenmodell, das allerdings ber zwei Millionen Mal verkauft wurde und besonders im Export Erfolg hatte, auch als Botschafterin des guten franzsischen Geschmacks. Fr den Wettbewerb wurde zunchst der Sportmotor des 4 CV mit 32 PS verwendet, danach kam die erste Gordini-Version mit bis zu 36 PS, schlielich 1961 der Typ 1093 mit 49 PS. Schon 1964 lie Renault aber vom neuen Haustuner Amde Gordini den Dauphine-Nachfolger R 8 renntauglich machen. Der wurde ein durchschlagender Erfolg und ist heute, wie die Dauphine 1093, ein rares und gesuchtes Fahrzeug.

Technische Daten

Renault Dauphine R 1093: Reihenvierzylinder, lngs im Heck seitliche Nockenwelle, ber Novotex-Zahnrder angetrieben, Stostangen und Kipphebel zwei Ventile pro Zylinder Doppelvergaser Hubraum 845 ccm Leistung 36 kW (49 PS) bei 5600/min max. Drehmoment 66 Nm bei 4500/min Viergang-Schaltgetriebe Hinterradantrieb Einzelradaufhngung vorn an Querlenkern mit Schraubenfedern, hinten Pendelachse mit Schraubenfedern Reifen 145 x 380 Radstand 2270 mm Lnge/Breite/Hhe 3945/1520/1441 mm Leergewicht 655 kg 0100 km/h ca. 8 s Spitze 140 km/h Verbrauch 6,4 l/100 km Neupreis 1962: 6300 Mark.

Plus/Minus

Klassisches Tuning am braven Vierzylinder frderte 49 PS zutage, genug fr 140 km/h.

Sie sieht gut aus, die Dauphine, macht mit dem kernig-kehlig klingenden und wirklich gut gehenden 49-PS-Motor Spa zu fahren. Sie ist eine absolute Raritt mit garantierter Wertsteigerung, am Ende gab es sie sogar mit Scheibenbremsen statt der verrippten Trommeln und einem mattschwarzen Armaturenbrett statt des cremigen, das samt Lenkrad in der Windschutzscheibe spiegelte. Die Nachteile sind wie immer bei Autos dieser Baujahre der unsgliche Rost als Wertevernichter Nummer 1. Empfindlich sind Kotflgel, Schweller, der Kofferraumboden (hat ein Ablaufloch mit Stpsel), Vorderachstrger, Bodenbleche, Heckabschlussblech und selbst die A- und C-Sulen. Manche Ersatzteile sind schwer zu bekommen, echte 1093-Spezialisten gibt es nicht.

Ersatzteile

Viele technische Bauteile sind noch spter in anderen Renault-Modellen verwendet worden, da gibt es keine Engpsse. Schwierig sind Bleche (ein Kotflgel kostet rund 500 Euro), Inneneinrichtungen und die speziellen 1093-Teile, etwa die 180-mm-Scheinwerfer, die verrippten Bremstrommeln, Zylinderkpfe, Ventilfedern, Vergaser, dann auch manche Zwlf-Volt-Teile, denn die Standard-Dauphine begngte sich mit sechs Volt. Der Dauphine-Club Schweiz hat grere Bestnde an Teilen im Angebot.

Marktlage

Dauphine bedeutet Thronfolgerin, aber auch Delfin, das passte zur Form.

Welche Marktlage? In Deutschland ist das Auto praktisch ausgestorben, in Frankreich haben aber rund 100 Stck berlebt, von denen einige wie neu sind, einige aber auch Schrotthaufen. Manche normalen Dauphine oder auch Gordini-Versionen wurden auf 1093 umgebastelt, auch wenn das nicht so leicht ist, daher sehr sorgfltig prfen. Eine gute Informationsquelle ist Jean-Franois Riou. Doch gehandelt werden die 1093 nicht: Sie sind in festen Hnden, und wer unbedingt eine haben will, muss viel Geld in die Hand nehmen. Unter 20.000 Euro sollte es nicht gehen, aber es gibt derzeit keinen Marktpreis.

Empfehlung

Die zweite Serie mit Scheibenbremsen und schwarzem Armaturenbrett wre der bessere Kauf, aber man kann ja froh sein, berhaupt eine 1093 zu finden. Die Alternative heit Dauphine Gordini, deutlich schwcher und lahmer, aber ganz und gar nicht ohne Charme. Hier liegt der Preis bei etwa 8000 Euro fr Zustand 2.

Autor: Bernhard Schmidt

Diesen Beitrag empfehlen

Anzeige

Automarkt

Finden Sie im Automarkt von autobild.de Ihren Gebrauchtwagen.

Bei autohaus24.de Neuwagen gnstig kaufen und Geld sparen.


Kfz-Versicherung