Renault Gordini kehrt zurück — 12.11.2009
Comeback von Renault Gordini
Der Name klingt nach Entfesselungskünstler: Und richtig, Gordini steht seit über 50 Jahren für entfesselte Motor-Kunst aus dem Hause Renault. Nun wird das französische Sport-Label zu neuem Leben erweckt.
Als der große Houdini seine zauberhaften Tricks vorführte, schraubte Gordini bereits kräftig an seinem zukünftigen Ruhm: Auch er ein großer Entfesselungskünstler, allerdings auf der Piste, wo er den Motoren von Simca und später
Renault ungeahnte Kräfte entlockte. Amédée Gordini wurde am 23. Juni 1899 geboren und gab einer außergewöhnlichen Klasse von Sportwagen seinen Namen. In den 50er- und 60er-Jahren fuhren die von ihm entwickelten Höllenmaschinen sogar eigene Cups aus.
Renault hat nun die Quasi-Marke wiederentdeckt und mischt im allgemeinen Zombi-Aufwärmen fröhlich mit: Ähnlich wie
Fiat mit Abarth oder
Aston Martin mit
Lagonda bringen auch die Franzosen in Kürze Autos unter dem Label "Gordini" heraus. Es sind allerdings keine neuentwickelten Fahrzeuge, sondern besonders aufgepeppte Serienmodelle. Den Auftakt macht der
Twingo Gordini RS, der am 25. November 2009 im Atelier Renault an den Champs Elysées in Paris enthüllt werden wird; offizieller Marktstart ist im Frühjahr 2010. Nur wenige Monate später ist der
Clio Gordini RS dran.
Weiße Streifen auf leuchtend blauem Lack
Für den Renault 8 Gordini mit 1,3-Liter-Maschine stiftete Renault 1966 sogar eine eigene Rennserie um den "Coupe Gordini".
Ein besonderes Kennzeichen der aufgehübschten Serienmodelle werden die Farbgebung in leuchtendem "Bleu France" sowie eine auffällige Kriegsbemalung sein: Schon wie die echten Gordinis werden auch die Nachfahren am Lack sowie breiten weißen Streifen quer über die Karosserie zu erkennen sein. Amédée Gordini, der 1979 im Alter von 79 Jahren starb, selbst dürfte auf den späten Ruhm stolz sein; im übrigen ist es nicht das erste Mal, dass Renault ein Sondermodell nach dem einstigen Renningenieur benennt. Der gebürtige Italiener hatte bei
Maserati eine Ausbildung zum Mechaniker gemacht und war schon in den 30er-Jahren für seine erfolgreichen Konstruktionen auf den Rennpisten Europas bekannt, die er mit Simca-Motoren ausstattete. Nach dem Krieg entwickelte er Formel-1-Rennwagen, mit denen zum Beispiel 1950 ein ehrenvoller 4. Platz in Reims glückte. Mit dem Renault 8 Gordini brachte der Ingenieur 1964 seine berühmteste Schöpfung auf den Markt. Fahrzeuge dieses Typs errangen im selben Jahr bei der Rallye "Tour de Corse" die Plätze eins, drei, vier und fünf. Mit der 1,3-Liter-Version rief Renault schließlich 1966 die "Coupe Gordini" ins Leben, die als "Mutter aller Markenpokale" gilt. Bis heute engagiert sich Renault Sport mit den jeweils aktuellen Modellen auf der Rundstrecke.
Kommentare zum Artikel (3)
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Ein Witz ist ja wohl die Aussage, Renault hätte den "Coupe Gordini" ins Leben gerufen. Dieser Markenpokal wurde von der französischen Autozeitschrift "Moteurs" organisiert. Als sich bereits im zweiten Jahr zeigte, dass diese Rennserie der Publikumsmagnet schlechthin war, ist Renault als Trittbrettfahrer aufgesprungen.
Dass im Nachhinein versucht wird, die Initiative für sich zu beanspruchen, ist erbärmlich, aber typisch für derartige Konzerne.
Grüsse
dondini
Der R 8 Gordini war damals eine Meisterleistung und hatte mit dem Serienmodell bis auf die Karosserie nichts gemeinsam. Bremsen, Motor, Getriebe, Armaturenbrett, Tank, Aufhängung, selbst die Felgen und die Bereifung waren anders.
Das machte einen R 8 erst zum Gordini.
Heute lackiert Renault eine Twingo-Gurke in blau, klebt 2 Streifen drauf und meint einen Rennwagen auf die Räder stellen zu können.
Nee, nee liebe Renault-Manager so leicht ist es nicht. Ihr schmückt euch mit großen Namen ohne deren Bedeutung zu kennen.
Gordini starb 1979 und nahm alles mit.
Diese R8 Gordinis gab es auch ohne Streifen, aber immer in Blau. Ich hatte mir in den 60ern auch so ein Gerät zugelegt mit den begehrten Delta Mics Felgen. Für die Zeit damals eine unglaubliche Maschine, die noch an die weit aufgerissenen Augen im Rückspigel der Porsche- und Mercedesfahrer beim Näherkommen erinnert. Vor rund 40 Jahren wurde für den R8 sogar eine 1,5 Liter Einspritzversion mit 150 PS entwickelt. Ob aber ein "Aufwärmen" des einst so großen Namens heutzutage ausgerechnet mit den 08/15-Kleinwägelchen gelingen wird, wage ich zu bezweifeln.