Alfa Romeo Giulia

Reportage: Alfa Romeo Giulia Super 1.6

— 01.03.2010

Das lange Warten auf Giulia

Die unglaubliche Geschichte einer Giulia, die nie Regen sah, von Michael, der niemals Mercedes fahren würde, und von viel, viel Geduld. Fünf Jahre lang wartete Michael Lauer auf den perfekten Alfa.

Es ist ein gewagter Vergleich, das weiß er, aber trotzdem: "Ein Alfa Romeo ist nicht vollkommen. Und genau das macht ihn reizvoll. Es ist wie mit der perfekten Frau: Die würde mich auch langweilen", sagt Michael Lauer. Der Mann ist trotzdem glücklich liiert. Und an alten Alfa liebt er eine Makellosigkeit der anderen Art: So original wie möglich sollen sie sein, der Lack, die Polster, das Reifenprofil. Tausende von Kilometern hat er auf der Suche nach dem Unberührten zurückgelegt. Und einmal geschlagene fünf Jahre gewartet. Auf ein Auto, das nur ein paar Straßen weiter stand. Unverkäuflich, mit unglaublicher Geschichte.

Zur Markengeschichte: 100 Jahre Alfa Romeo

Macht den Charakter eines Alfa aus: der herrlich schlüfende, röhrende und grollig drehende Doppelnockenweller.

Es ist die Story von Rudolf L., Jahrgang 1933, einem gelernten Kfz-Handwerker, der sich seine rote Giulia Super 1.6 mit Zähigkeit zusammensparte und dann nicht fuhr. Jedenfalls nicht im Alltag. Nicht im Winter. Nicht bei Regen – bis auf dieses eine Mal: Die Fahrt zur Kommunionsfeier seines Sohnes hatte sich beim besten Willen nicht verschieben lassen. So kamen nur 69.000 Kilometer zusammen zwischen dem Kauf im Juli 1972 und dem Tag, als Michael Lauer zum ersten Mal vor der Giulia stand. "Ich will sie behalten", sagte Rudolf L., und seine Frau berichtete, dass sie sich vor dem Einsteigen stets die Schuhe abstauben müsse. So nah und doch so fern.

Aufgewachsen mit Alfa Romeo

"Ich musste dieses Auto haben", sagt Michael Lauer. So wie viele der Alfa, die der Verlagskaufmann aus Ludwigshafen zuvor besessen hat. "Mercedes würde ich nicht fahren wollen", sagt er. Andere Marken auch nicht. Michael Lauer wuchs mit Alfa auf, sein Vater fuhr Giulia, sein Bruder einen 2000 GTV. "Bevor ich 18 wurde, habe ich mir eingeredet, dass er mir den Bertone zum Geburtstag schenkt. Und tatsächlich kam er mit einem Kuvert zum Gratulieren. Ich war sicher, da ist der Fahrzeugbrief drin. Aber es war nur ein Gutschein für zwei Fahrstunden", sagt der 43-Jährige. 

Suche nach perfektem Alfa

Michael Lauer begann mit einem gebrauchten Alfasud, kaufte sich für 6000 Mark einen eigenen 2000 GTV, tauschte den ersten Sud gegen einen jüngeren, kam zu einem Spoiler-Spider in modischem Hellgrünmetallic der 80er-Jahre und begann in den 90ern, die frühere Alfa-Romeo-Geschichte aufzurollen. Ein weißer Giulietta 1300 Spider von 1957 war zwar "nicht wirklich gut erhalten", aber der entscheidende Schritt zum richtig alten Alfa. Seitdem war der Pfälzer damit beschäftigt, immer das etwas bessere Auto zu suchen. Oder das beste. Meist fand er die besten Alfa in Italien, wo er bei Alfa-Romeo-Händlern in der Provinz nach raren Stücken forschte.

Fünf Jahre lang becirct Lauer den Verkäufer – mit Erfolg

Hier wollen schnelle Familienvorstände sitzen: Mit 102 PS fuhren Giulia-Piloten im Käfer-Land ganz vorn mit.

Und es gab sie, etwa eine mausgraue Alfetta Berlina aus erster Hand – erst 22.000 Kilometer gelaufen. Der Erstbesitzer, ein Hotelier im Ruhestand, hatte sie nur benutzt, um mit seiner Frau im Sommer Eis essen zu fahren. Michael Lauer konnte den Viertürer gleich mitnehmen. Anders als die Giulia in der Nachbarschaft, die Rudolf L. eigentlich behalten wollte. Wie überzeugt man einen Perfektionisten? Mit präziser Planung. Lauer schickte Grüße zum Geburtstag und Plätzchen zu Weihnachten, obwohl Rudolf L. nie vom Verkaufen gesprochen hatte. Bis er nach fünf Jahren doch bei Lauer anrief und die erlösenden Sätze auf Pfälzisch sprach: "Wenn Sie des Audo noch wollen, ich tät's Ihne jetzt gewwe." Der Preis, sagt der Käufer, sei sehr fair gewesen, was nicht am Unwissen von Rudolf L. hing: "Es lagen Oldtimer-Preislisten auf dem Tisch." Wahrscheinlich hatte er den perfekten Alfa-Romeo-Käufer gesucht.

Alfa Romeo Giulia Super 1.6: Das lange Warten auf Giulia


Autor: Christian Steiger

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